Castlevania: Belmont’s Curse
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Castlevania: Belmont’s Curse

Mit Castlevania: Belmont’s Curse kehrt eine der traditionsreichsten Actionspielreihen zurück. Vierzig Jahre nach dem Debüt der Vampirjäger auf dem NES bekommt die Marke ein neues 2D-Abenteuer, das an die klassische Familiengeschichte anknüpft und gleichzeitig von den Erfahrungen moderner Actionspiele profitieren soll. War die Serie doch vor und nach den Titeln von Mercury Steam tot. Mit Evil Empire, dem Studio hinter der Weiterentwicklung von Dead Cells, und Motion Twin als beratendem Partner bringt das Projekt Entwickler zusammen, die wissen, wie wichtig präzise Bewegungen, anspruchsvolle Kämpfe und ein guter Spielfluss sind. Die Frage ist allerdings, ob diese Erfahrung ausreicht, um Castlevania nach der langen Pause wieder an die Spitze des Genres zu bringen.

Im Mittelpunkt steht Rose Belmont, die Tochter von Trevor Belmont und Sypha Belnades. Paris im Jahr 1499 wird von monströsen Kreaturen überrannt, während eine unheilvolle Macht aus den Schatten heraus die Stadt bedroht. Rose greift zur legendären Peitsche Vampire Killer und folgt der Spur der Angreifer, die sie schließlich bis in die Katakomben und die düsteren Hallen von Draculas Schloss führt. Das ist eine Ausgangslage, die sich sofort nach Castlevania anfühlt: eine bedrohte Stadt, übernatürliche Schrecken, eine Familie mit langer Jagdtradition und die Aussicht auf einen Weg, der unweigerlich in die Dunkelheit führt.

Castlevania: Belmont’s Curse
Castlevania: Belmont’s Curse

Doch die Reihe hat inzwischen eine lange Geschichte hinter sich. Ihre klassischen Action-Plattformer haben Generationen von Spielern geprägt, während Symphony of the Night das Fundament für zahlreiche spätere Metroidvanias legte. In den Jahren danach wurde das Genre von unabhängigen Entwicklern immer weiter ausgebaut. Verschachtelte Karten, neue Fähigkeiten, versteckte Geheimnisse und anspruchsvolle Bosskämpfe sind längst keine Alleinstellungsmerkmale mehr.

Belmont’s Curse muss deshalb mehr leisten, als lediglich bekannte Zutaten wieder zusammenzurühren. Das Abenteuer besitzt eine überzeugende visuelle Identität, eine interessante neue Hauptfigur und eine zentrale Mechanik, die sich hervorragend für moderne 2D-Action eignet. Gleichzeitig zeigt sich, dass die Rückkehr einer legendären Marke nicht automatisch bedeutet, dass sie ihren früheren Einfluss zurückgewinnt.

Story und Inszenierung – Eine neue Generation tritt ins Dunkel

Die Geschichte führt 23 Jahre nach den Ereignissen von Castlevania III: Dracula’s Curse nach Paris. Die Stadt steht unter dem Angriff übernatürlicher Kreaturen, und Rose Belmont muss sich einer Bedrohung stellen, die weit über einzelne Monster hinausgeht. Der historische Schauplatz ist eine willkommene Abwechslung zu den zahlreichen Abenteuern, die ihre Handlung fast ausschließlich innerhalb von Draculas Schloss ansiedeln. Paris bietet mit seinen Straßen, historischen Bauwerken, Kirchen und Katakomben eine Umgebung, die sich hervorragend für ein düsteres Action-Abenteuer eignet.

Rose ist dabei mehr als eine neue Spielfigur mit einem bekannten Nachnamen. Als Tochter von Trevor und Sypha gehört sie zu einer Familie, deren Geschichte eng mit dem Kampf gegen Dracula verbunden ist. Die Verantwortung, die damit einhergeht, bildet einen natürlichen Ausgangspunkt für ihre Entwicklung. Sie übernimmt nicht einfach eine beliebige Waffe, sondern tritt in eine Tradition ein, die von Generationen von Vampirjägern geprägt wurde.

Gerade diese Verbindung zur Vergangenheit ist für Castlevania wichtig. Die Reihe lebt von wiederkehrenden Motiven, vertrauten Figuren und einer Mythologie, die über zahlreiche Spiele hinweg gewachsen ist. Gleichzeitig darf sie sich nicht darauf beschränken, bekannte Namen und Monster erneut auf die Bühne zu stellen. Eine neue Generation der Belmont-Familie muss sich auch als eigenständiger Bestandteil dieser Welt behaupten.

Castlevania: Belmont’s Curse
Castlevania: Belmont’s Curse

Das Abenteuer verbindet die vertraute Seriengeschichte mit neuen Figuren und Schauplätzen. Neben bekannten Bedrohungen wie Tod, Medusa und Carmilla tritt mit Jeanne d’Arc eine weitere Gestalt auf, die dem Monsteraufgebot eine interessante historische Note verleiht. Die Mischung aus realen Bezügen, düsterer Fantasy und übernatürlichen Gegnern gehört zu den Elementen, die Castlevania seit jeher auszeichnen.

Allerdings sollte man keine tiefgreifende Charakterstudie erwarten, die sämtliche Figuren mit derselben erzählerischen Sorgfalt behandelt. Die Handlung dient in erster Linie als Rahmen für Roses Reise durch die Stadt und das Schloss. Die großen Momente entstehen vor allem dann, wenn die Inszenierung die Bedrohung sichtbar macht und die Spielwelt ihre Geschichte durch Bilder und Schauplätze vermittelt.

Das funktioniert gerade bei der Verbindung zwischen dem historischen Paris und der gotischen Fantasiewelt. Die Stadt wird nicht bloß als Hintergrund verwendet, sondern entwickelt sich zum Ausgangspunkt für eine Reise, die immer tiefer in eine unheimliche Welt führt. Der Weg in die Katakomben und schließlich nach Draculas Schloss verstärkt das Gefühl, dass unter der Oberfläche eine weitaus größere Bedrohung lauert.

Für langjährige Fans ist das eine willkommene Rückkehr zu den Wurzeln der Reihe. Neueinsteiger können dagegen ohne umfassendes Vorwissen in das Abenteuer einsteigen. Die wichtigsten Zusammenhänge ergeben sich aus dem Spiel selbst, während die bekannten Namen und Anspielungen für Kenner zusätzliche Bedeutung besitzen. Das ist eine sinnvolle Balance, auch wenn die Geschichte nicht in jeder Hinsicht dieselbe Tiefe erreicht wie die stärksten erzählerischen Ausflüge der Serie.

Gameplay – Die Peitsche wird zum Herzstück des Abenteuers

Die wichtigste Entscheidung von Belmont’s Curse ist, die Peitsche nicht nur als klassische Angriffswaffe zu behandeln. Vampire Killer bleibt Roses wichtigstes Erkennungszeichen, wird aber gleichzeitig zum Werkzeug für die Fortbewegung. Sie kann sich damit durch die Umgebung schwingen, Abgründe überwinden und ihre Bewegungen so miteinander verbinden, dass aus gewöhnlichen Plattformpassagen deutlich dynamischere Herausforderungen entstehen.

Das verändert den Charakter des Spiels spürbar. Klassische Castlevania-Abenteuer verlangten häufig, Sprünge sorgfältig zu planen und Angriffe mit dem richtigen Timing auszuführen. Die Bewegungen waren vergleichsweise direkt, und ein falsch eingeschätzter Abstand konnte schnell zum Verhängnis werden. In Belmont’s Curse kommen zusätzliche Möglichkeiten hinzu, die Rose mehr Freiheit geben, ohne die grundlegende Bedeutung von Timing und Positionierung aufzugeben.

Die Peitsche muss dabei richtig eingesetzt werden. Wer ihren Schwung beherrscht, kann sich elegant durch bestimmte Abschnitte bewegen und Hindernisse überwinden, die zunächst wie unüberwindbare Barrieren wirken. Das eröffnet Raum für anspruchsvollere Plattformpassagen und verbindet die Fortbewegung stärker mit dem eigentlichen Kampfsystem. Rose ist dadurch nicht einfach eine Figur, die von links nach rechts läuft und Gegner mit einer Peitsche bearbeitet. Ihre Bewegungsmöglichkeiten sind ein wesentlicher Bestandteil des gesamten Abenteuers.

Gerade in Verbindung mit den Levelstrukturen ergeben sich interessante Situationen. Ein Vorsprung lässt sich nicht immer durch einen gewöhnlichen Sprung erreichen, und manche Hindernisse verlangen, dass man die Umgebung genauer untersucht. Wer seine Möglichkeiten kennt, kann Wege entdecken, die beim ersten Besuch nicht offensichtlich waren. Das passt hervorragend zum Erkundungsansatz des Spiels.

Castlevania: Belmont’s Curse
Castlevania: Belmont’s Curse

Allerdings braucht eine solche Mechanik eine entsprechend präzise Steuerung. Wenn die Peitsche gleichzeitig für Angriffe, Bewegung und das Überwinden schwieriger Plattformpassagen zuständig ist, müssen Eingaben zuverlässig umgesetzt werden. Genau hier kann das Spiel gelegentlich anstrengend werden. Angriffe und Bewegungen wirken nicht in jeder Situation so unmittelbar, wie man es sich von einem temporeichen Action-Plattformer wünschen würde.

Das ist kein nebensächliches Problem. In einem Spiel, das anspruchsvolle Sprungpassagen mit gefährlichen Gegnern verbindet, kann schon eine kleine Verzögerung den Unterschied zwischen einem gelungenen Manöver und einem Sturz ausmachen. Wer einen Angriff vorbereitet oder den richtigen Moment zum Schwingen abpassen muss, möchte sich auf die Steuerung verlassen können. Wenn eine Aktion weniger direkt reagiert als erwartet, geht ein Teil der Verantwortung vom Spieler auf das Spielsystem über.

Trotzdem ist die Peitsche eine der überzeugendsten Ideen des Abenteuers. Sie erweitert das bekannte Castlevania-Spielgefühl, ohne dessen Identität aufzugeben. Die Verbindung aus Kampf und Bewegung gibt Rose ein eigenes Profil und sorgt dafür, dass sich das Abenteuer nicht wie eine bloße Wiederholung älterer Serienteile anfühlt.

Waffen, Relikte und Arkana – Mehr Möglichkeiten im Kampf

Rose ist nicht ausschließlich auf Vampire Killer angewiesen. Im Verlauf ihrer Reise kann sie unterschiedliche Waffen und Relikte einsetzen, mit denen sich ihr Kampfstil anpassen lässt. Die Ausrüstung verteilt sich auf verschiedene Waffenkategorien, die jeweils andere Einsatzmöglichkeiten eröffnen. Dadurch entsteht mehr Spielraum, als es das klassische Peitschenkampfsystem allein bieten würde.

Das ist gerade deshalb wichtig, weil Castlevania-Gegner unterschiedliche Anforderungen stellen. Ein schneller Gegner verlangt nach einer anderen Reaktion als ein schwer gepanzerter Widersacher, der sich nicht ohne Weiteres aus der Nähe angreifen lässt. Die Wahl der Ausrüstung kann deshalb einen Unterschied machen, auch wenn die grundsätzliche Bedeutung von Positionierung und Timing bestehen bleibt.

Relikte ergänzen dieses System um zusätzliche Effekte. Sie können offensive oder defensive Eigenschaften besitzen und beeinflussen damit, wie Rose mit bestimmten Situationen umgeht. Wer seine Ausrüstung aufeinander abstimmt, erhält Möglichkeiten, die über den reinen Austausch einer Waffe hinausgehen. Das macht die Suche nach neuen Gegenständen zu einem wichtigen Bestandteil der Erkundung.

Eine besondere Rolle spielt das Arkana-System. Besiegte Bosse werden in Roses Tarotkarten gebannt und können anschließend ihre Fähigkeiten zur Verfügung stellen. Diese Kräfte erweitern das Repertoire um Zauber und besondere Aktionen. Damit verbindet das Spiel den Erfolg in wichtigen Kämpfen direkt mit neuen spielerischen Möglichkeiten.

Die Idee passt gut zur Seriengeschichte. Castlevania war schon immer eine Reihe, in der magische Gegenstände, besondere Waffen und übernatürliche Fähigkeiten eine wichtige Rolle spielten. Das Arkana-System greift diesen Gedanken auf und macht ihn zu einem Teil der Charakterentwicklung. Bossbegegnungen sind dadurch nicht nur Hindernisse, die überwunden werden müssen, sondern können auch die eigene Herangehensweise an spätere Herausforderungen verändern.

Die verschiedenen Möglichkeiten verlangen allerdings etwas Einarbeitung. Wer sich mit mehreren Waffentypen, Relikten und besonderen Fähigkeiten beschäftigt, muss zunächst herausfinden, welche Kombinationen zum eigenen Spielstil passen. Das ist grundsätzlich ein Pluspunkt, kann zu Beginn aber auch überladen wirken. Gerade wenn gleichzeitig neue Gegner, Plattformmechaniken und zusätzliche Fähigkeiten eingeführt werden, braucht das Spiel ein gutes Gleichgewicht zwischen Erklärung und eigenständigem Entdecken.

Castlevania: Belmont’s Curse
Castlevania: Belmont’s Curse

Gegner und Bosskämpfe – Wenn Castlevania seine Stärken ausspielt

Ein Castlevania ohne markante Gegner wäre kaum vorstellbar. Die Reihe hat über Jahrzehnte eine ganze Sammlung von Monstern, Untoten und übernatürlichen Gestalten hervorgebracht, die weit über gewöhnliche Fantasy-Gegner hinausgehen. Belmont’s Curse greift auf dieses Erbe zurück und verbindet bekannte Figuren mit neuen Bedrohungen.

Tod, Medusa und Carmilla gehören zu den bekannten Namen, die langjährige Fans sofort wiedererkennen dürften. Ihre Anwesenheit ist mehr als ein beiläufiger Verweis auf die Vergangenheit, denn solche Begegnungen gehören zum Kern der Serienidentität. Gleichzeitig erweitert Jeanne d’Arc das Aufgebot um eine neue Figur, die historische Bekanntheit mit der düsteren Fantasiewelt verbindet.

Die gewöhnlichen Gegner sorgen dafür, dass Roses Weg durch Paris und Draculas Schloss nicht zu einem reinen Spaziergang wird. Sie verlangen Aufmerksamkeit und können besonders in Verbindung mit Plattformpassagen gefährlich werden. Ein Gegner, der in einem offenen Raum leicht zu bewältigen wäre, kann auf einer schmalen Plattform oder in der Nähe eines Abgrunds schnell zu einem ernsthaften Problem werden.

Diese Verbindung zwischen Kampf und Umgebung gehört zu den Stärken des Spiels. Die Herausforderung entsteht nicht allein aus den Lebenspunkten eines Gegners, sondern auch daraus, wo und unter welchen Bedingungen man gegen ihn antreten muss. Wer seine Position falsch einschätzt oder einen Angriff zu spät erkennt, kann schnell in Schwierigkeiten geraten.

Die Bosskämpfe bilden dabei die großen Höhepunkte. Hier müssen Bewegungsmuster erkannt, Angriffsmöglichkeiten genutzt und die eigenen Fähigkeiten sinnvoll eingesetzt werden. Besonders gelungen sind Begegnungen, in denen man nicht einfach möglichst viel Schaden austeilen kann, sondern zunächst verstehen muss, wie der Gegner funktioniert.

Allerdings schwankt die Qualität dieser Auseinandersetzungen. Manche Kämpfe leben von interessanten Angriffsmustern und verlangen eine saubere Ausführung. Andere wirken weniger außergewöhnlich und setzen stärker auf bekannte Mechaniken. Das ist bei einem Spiel dieser Art nicht ungewöhnlich, fällt aber auf, wenn man sich an den stärksten Bosskämpfen der Seriengeschichte orientiert.

Auch die Steuerung spielt erneut eine Rolle. Wenn Angriffe und Ausweichbewegungen nicht immer so unmittelbar reagieren, wie es die Situation verlangt, kann eine Begegnung unnötig frustrierend werden. Gerade Bosskämpfe profitieren davon, wenn Fehler nachvollziehbar sind und sich ein erneuter Versuch tatsächlich besser anfühlt als der vorherige.

Die Schwierigkeit lässt sich immerhin umfangreich anpassen. Spieler können unter anderem den verursachten und erlittenen Schaden sowie den Erfahrungsgewinn über entsprechende Einstellungen verändern. Zusätzlich gibt es eine Option, die den Tod verhindert und damit einen praktisch unverwundbaren Durchlauf ermöglicht. Das eröffnet auch weniger erfahrenen Spielern einen Zugang, ohne dass sie sich an jeder schwierigen Stelle festbeißen müssen.

Castlevania: Belmont’s Curse
Castlevania: Belmont’s Curse

Leveldesign und Erkundung – Paris ist mehr als eine hübsche Kulisse

Die Spielwelt von Belmont’s Curse verbindet die Straßen von Paris mit unterirdischen Anlagen, Katakomben und den finsteren Hallen von Draculas Schloss. Das Abenteuer setzt auf miteinander verbundene Gebiete, verschlossene Wege und versteckte Räume, die sich erst mit den passenden Fähigkeiten erschließen lassen. Wer klassische Castlevania-Abenteuer oder moderne Metroidvanias kennt, wird sich in dieser Struktur schnell zurechtfinden.

Der Reiz liegt darin, dass die Karte nicht einfach linear abgearbeitet wird. Ein Weg, der beim ersten Besuch unerreichbar bleibt, kann später zum nächsten wichtigen Ziel führen. Neue Fähigkeiten verändern die Möglichkeiten, sich durch bereits bekannte Abschnitte zu bewegen. Dadurch entsteht ein Wechsel aus Fortschritt und Rückkehr, der für das Genre entscheidend ist.

Paris bietet dafür eine interessante Grundlage. Historische Architektur und übernatürliche Bedrohungen treffen aufeinander, während die Katakomben und das Schloss eine zunehmend düstere Atmosphäre schaffen. Der Übergang von den Straßen der Stadt in die unterirdischen Bereiche vermittelt das Gefühl, dass sich unter dem sichtbaren Paris eine zweite Welt verbirgt. Mit Draculas Schloss bekommt die Reise schließlich jenen Schauplatz, der untrennbar mit dem Namen Castlevania verbunden ist.

Das Leveldesign bietet einige gelungene Ideen. Bestimmte Rätsel verlangen beispielsweise, dass man Mechaniken der Umgebung versteht und Fähigkeiten miteinander kombiniert. Auch die Peitsche spielt bei der Navigation eine wichtige Rolle. Wer ihre Bewegungsmöglichkeiten beherrscht, kann komplizierte Passagen bewältigen und versteckte Bereiche erreichen.

Allerdings fällt die Qualität der Erkundung nicht durchgehend gleich aus. Einige Abschnitte sind geschickt aufgebaut und belohnen Aufmerksamkeit, während andere weniger durch ihre Gestaltung als durch ihre Position auf der Karte auffallen. Manchmal entsteht der Eindruck, dass man vor allem noch nicht erkundete Bereiche finden muss, statt tatsächlich neugierig darauf zu sein, was hinter der nächsten Ecke wartet.

Das ist für ein Metroidvania ein ernst zu nehmender Kritikpunkt. Eine große Karte allein macht noch keine interessante Spielwelt. Entscheidend ist, wie gut die einzelnen Bereiche miteinander verbunden sind und ob die Entdeckungen einen echten Mehrwert bieten. Ein versteckter Raum mit einer sinnvollen Belohnung bleibt eher im Gedächtnis als ein weiterer Gang, der lediglich einen kleinen Umweg ermöglicht.

Grafik und Sound – Gothic-Atmosphäre mit eigener Handschrift

Die audiovisuelle Präsentation gehört zu den überzeugendsten Bereichen von Castlevania: Belmont’s Curse. Das Spiel setzt auf eine detailreiche, stilisierte 2D-Optik, die den düsteren Charakter der Reihe bewahrt und gleichzeitig eine moderne Bildsprache verwendet. Die Umgebungen wirken abwechslungsreich, die Figuren sind ausdrucksstark gestaltet und die Animationen verleihen den Kämpfen eine angenehme Dynamik.

Besonders Paris bietet eine willkommene Abwechslung zu den klassischen Schlosskulissen. Die Architektur der Stadt, die unterirdischen Bereiche und die späteren Schauplätze besitzen jeweils eigene visuelle Merkmale. Dadurch bleibt die Reise auch dann interessant, wenn man bereits zahlreiche Abschnitte der Karte gesehen hat. Die Verbindung aus historischen Orten und übernatürlichen Elementen passt hervorragend zur Identität der Reihe.

Rose profitiert ebenfalls von der Gestaltung. Ihre Bewegungen sind dynamisch, und gerade der Einsatz der Peitsche kommt durch die Animationen gut zur Geltung. Die verschiedenen Gegner bringen genügend Eigenheiten mit, damit die Kämpfe visuell abwechslungsreich bleiben. Auch die Bosse stechen durch ihre Gestaltung aus dem gewöhnlichen Monsteraufgebot heraus.

Der Stil erinnert in seiner ausgearbeiteten Präsentation an moderne Animationsproduktionen, ohne die Wurzeln der Reihe zu verleugnen. Das Spiel setzt auf kräftige Kontraste und eine klare Bildsprache, die sowohl in den Umgebungen als auch während der Kämpfe funktioniert. Die düstere Atmosphäre entsteht dabei nicht ausschließlich durch Dunkelheit, sondern auch durch die Architektur, die Farbgebung und die Inszenierung der Kreaturen.

Nicht jede Textur erreicht allerdings dasselbe Niveau. Einzelne Oberflächen wirken weniger detailliert als die übrige Umgebung, wodurch der visuelle Gesamteindruck gelegentlich etwas uneinheitlich ausfällt. Auch die technische Präsentation ist nicht völlig frei von kleineren Unsauberkeiten. Insgesamt bleibt das allerdings ein vergleichsweise kleiner Kritikpunkt angesichts der gelungenen künstlerischen Gestaltung.

Beim Soundtrack muss sich Castlevania traditionell an hohen Erwartungen messen lassen. Die Reihe hat über Jahrzehnte zahlreiche Kompositionen hervorgebracht, die für viele Fans untrennbar mit ihren Lieblingsspielen verbunden sind. Belmont’s Curse greift diese musikalische Tradition auf und verbindet sie mit einer modernen Klangkulisse.

Castlevania: Belmont’s Curse
Castlevania: Belmont’s Curse

Die Musik unterstützt die düstere Atmosphäre und passt zu den unterschiedlichen Schauplätzen. Sie begleitet die Erkundung, verstärkt die Wirkung der Kämpfe und sorgt dafür, dass sich das Abenteuer nach Castlevania anfühlt. Gleichzeitig bleibt das Sounddesign wichtig: Peitschenschläge, gegnerische Angriffe und Umgebungsgeräusche geben den Aktionen zusätzliches Gewicht.

Allerdings bleibt nicht jedes Stück gleichermaßen im Gedächtnis. Der Soundtrack erfüllt seine Aufgabe zuverlässig, ohne durchgehend jene musikalischen Höhepunkte zu erreichen, die ältere Serienteile zu Klassikern gemacht haben. Das ist eine hohe Messlatte, aber bei einer Reihe mit dieser Geschichte darf man durchaus erwarten, dass die Musik eigene Akzente setzt.

Unterm Strich überzeugt die Präsentation. Die Grafik besitzt eine klare Handschrift, die Animationen unterstützen das Spielgeschehen und die Musik passt zur gotischen Welt. Gerade optisch zeigt Belmont’s Curse, dass Castlevania auch nach einer langen Pause noch genügend Möglichkeiten bietet, seine vertraute Atmosphäre neu zu gestalten.

Fazit – Eine gelungene Rückkehr, der noch etwas Eigenständigkeit fehlt

Castlevania: Belmont’s Curse ist eine erfreuliche Rückkehr für eine Reihe, deren klassische 2D-Abenteuer viel zu lange auf einen neuen großen Auftritt warten mussten. Mit Rose Belmont bekommt die Serie eine neue Hauptfigur, Paris bietet einen interessanten Schauplatz und die Peitsche erhält durch ihre zusätzliche Funktion als Fortbewegungsmittel eine sinnvolle Weiterentwicklung.

Besonders die Verbindung aus Bewegung und Kampf funktioniert gut. Rose kann sich durch die Umgebung schwingen, Gegner mit unterschiedlichen Waffen und Fähigkeiten bekämpfen und durch neue Kräfte bislang verschlossene Bereiche erschließen. Das Arkana-System ergänzt die Ausrüstung um zusätzliche Möglichkeiten, während die Bosskämpfe für wichtige Höhepunkte sorgen. Zusammen mit der gelungenen Grafik entsteht ein Abenteuer, das die Identität von Castlevania respektiert.

Die Schwächen liegen vor allem in der ungleichmäßigen Qualität einzelner Spielabschnitte. Nicht jede Erkundung ist spannend, manche Wege wirken unnötig umständlich und die Steuerung reagiert in bestimmten Situationen weniger unmittelbar, als es die anspruchsvollen Plattformpassagen verlangen. Auch die Rätsel und das Fortschrittssystem setzen häufig auf vertraute Genremechaniken, statt daraus konsequent etwas Eigenständiges zu entwickeln.

Trotzdem wäre es falsch, die Rückkehr der Belmonts auf diese Schwächen zu reduzieren. Das Spiel besitzt eine klare Identität, eine überzeugende Präsentation und genügend gute Ideen, um Fans der Reihe bei der Stange zu halten. Die Peitsche macht Spaß, die Bosskämpfe sorgen für Abwechslung und die Spielwelt bietet einige gelungene Abschnitte, die zeigen, wie gut das Konzept funktionieren kann.

Wer klassische Castlevania-Abenteuer vermisst hat, bekommt hier ein modernes 2D-Actionspiel, das die vertrauten Stärken der Reihe aufgreift und um neue Bewegungsmöglichkeiten ergänzt. Wer dagegen regelmäßig die besten Vertreter des Metroidvania-Genres spielt, dürfte feststellen, dass Belmont’s Curse nicht überall mit der Konkurrenz mithalten kann. Am Ende ist das Abenteuer ein überzeugender Neustart für eine traditionsreiche Marke, aber noch kein neuer Maßstab für das Genre. Die Belmont-Familie hat ihre Rückkehr geschafft. Jetzt muss Konami zeigen, dass aus diesem gelungenen Anfang eine ebenso starke Zukunft werden kann.

  • Plattform: PlayStation 5 (getestet), Nintendo Switch 1/2, Xbox Series X, Steam
  • Publisher: KONAMI
  • Entwickler: Evil Empire / Motion Twin
  • Genre: Metroidvania
  • Release: 15. Oktober 2026
  • USK-Freigabe: 16