Manchmal reicht eine simple Idee völlig aus. Während sich viele Spiele heute mit riesigen Karten, Crafting-Systemen und endlosen Fortschrittsleisten aufblasen, kommt Go! Go! Mister Chickums mit einer deutlich älteren Philosophie um die Ecke. Ein Bildschirm. Klare Regeln. Kurze Level. Steigender Druck. Nochmal starten.
Das klingt nach Vergangenheit, fühlt sich aber erstaunlich frisch an, wenn es sauber umgesetzt wird. Genau daran entscheidet sich dieser Titel. Retro-Optik allein beeindruckt heute niemanden mehr. Ein Spiel wie dieses muss präzise sein, direkt reagieren und euch ständig zum nächsten Versuch locken.
Zum Glück versteht Go! Go! Mister Chickums genau das.
Das Ei muss ins Nest
Die Aufgabe ist schnell erklärt. Der Bösewicht Grabbo hat die Eier von Mister Chickums gestohlen und quer über 100 Level verteilt. Also hüpft ihr los, sammelt die Eier ein und bringt sie zurück ins Nest. Jeder Abschnitt spielt auf einem einzelnen Bildschirm. Das sorgt für Tempo. Ihr seid sofort im Geschehen, ohne Leerlauf, ohne Umwege, ohne künstliche Streckung. Ein Level beginnt und innerhalb weniger Sekunden wisst ihr, was Sache ist.

Der große Pluspunkt ist die Steuerung. Bewegungen sitzen, Sprünge landen sauber, Richtungswechsel funktionieren direkt. Gerade bei einem Spiel, das schnelle Entscheidungen verlangt, ist das entscheidend. Wenn man scheitert, dann meist wegen eines eigenen Fehlers. Die Gegner sorgen dafür, dass die Sache nicht eintönig wird. Manche laufen berechenbar ihre Runden, andere setzen euch deutlich aggressiver nach. Dadurch müsst ihr ständig abwägen, ob ihr sicher spielt oder volles Risiko geht.
Dazu kommt ein Timer, der euch in Bewegung hält. Wer zu lange trödelt, bekommt ernsthaften Druck. Das verhindert, dass man sich in Sicherheit versteckt und ewig über dem nächsten Schritt grübelt. Später zieht der Schwierigkeitsgrad allerdings spürbar an. Einige Level verlangen fast schon perfekte Abläufe. Das motiviert Spieler mit Biss, kann aber auch Nerven kosten, wenn man nur kurz entspannt zocken wollte. Dies erinnert vor allem an Taitos Klassiker Bubble Bobble.
Arcade im Jahr 2026
100 Level sind für ein Spiel dieser Bauart ein ordentlicher Umfang. Vor allem, weil die Abschnitte kurz genug sind, um immer noch eine Runde dranzuhängen. Genau daraus entsteht dieser gefährliche Sog, bei dem aus zehn Minuten plötzlich eine Stunde wird.

Zusätzliche Geheimnisse, Bonusobjekte und Highscore-Jagd sorgen dafür, dass nicht nach dem ersten Abschluss Schluss sein muss. Wer alles sauber meistern will, bleibt deutlich länger dran.
Besonders gelungen ist der lokale Koop-Modus. Ein zweiter Spieler übernimmt Fritz und plötzlich wird aus dem Einzelkampf ein gemeinsames Chaos. Man hilft sich, steht sich im Weg, rettet sich in letzter Sekunde oder ruiniert sich gegenseitig aus Versehen den Plan. Genau solche Momente machen Couch-Koop seit Jahrzehnten aus.
Online-Funktionen sucht man dagegen vergeblich. Wer nur digital mit Freunden spielt, wird hier also nicht glücklich.
Grafik & Sound
Optisch setzt Mister Chickums auf farbenfrohe Pixelgrafik mit viel Charme. Das Spiel sieht sympathisch aus, ohne überladen zu wirken. Figuren und Gegner sind sauber animiert, die Levels klar lesbar. Gerade bei hektischen Reaktionsspielen ist Übersicht wichtiger als jedes Effektfeuerwerk.
Der Soundtrack macht ebenfalls einen guten Job. Schnelle, eingängige Stücke treiben das Tempo an und passen zum lockeren Arcade-Stil. Die Musik bleibt angenehm im Ohr, ohne nach kurzer Zeit zu nerven.
Auch die Soundeffekte sitzen. Alles klingt knackig und direkt, genau so wie man es sich bei einem Spiel dieser Art wünscht. Technisch läuft das Ganze stabil und unauffällig. Das ist in diesem Genre keine Nebensache, sondern Pflicht.

Fazit
Go! Go! Mister Chickums macht kein großes Theater um sich selbst. Das Spiel kennt seine Stärken, bleibt fokussiert und liefert genau das, was es verspricht.
Ihr bekommt präzises Arcade-Gameplay, clevere Level, einen spaßigen Koop-Modus und den klassischen Noch-ein-Versuch-Effekt, der früher ganze Spielhallen gefüttert hat. Natürlich bleibt das Konzept bewusst schlicht. Wer große Abwechslung, Story oder moderne Fortschrittssysteme sucht, ist hier falsch.
Wer dagegen Lust auf ehrlichen, direkten Spielspaß im Stil von Bubble Bobble hat, findet hier ein kleines Retro-Schmuckstück, das mehr richtig macht als so mancher Millionenblockbuster.
- Plattform: PlayStation 5 (getestet), Nintendo Switch 1/2, Xbox Series, Steam
- Publisher: Com8Com1
- Entwickler: Com8Com1
- Genre: Arcade
- Release: 02. April 2026
- USK-Freigabe: 6

Schon seit meinem dritten Lebensjahr bin ich leidenschaftlicher Videospieler. Angefangen hat alles mit dem Nintendo Entertainment System – seitdem begleitet mich die Faszination für interaktive Welten bis ins Erwachsenenalter. Heute verbinde ich diese Leidenschaft mit meinem Beruf: Als PR-Manager, freier Redner und Texter arbeite ich in der Games- und Medienbranche und betreue Projekte rund um kreative Köpfe und spannende Marken. Ein besonderer Schwerpunkt meiner Arbeit liegt im Management und in der Betreuung japanischer Videospielentwicklertalente, die ich auf Conventions und Events weltweit vertrete.

