70s-style Robot Anime Geppy-X
Retrogames Reviews Videospiele

70s-style Robot Anime Geppy-X

Schon der Name 70s-style Robot Anime Geppy-X macht ziemlich deutlich, wohin die Reise geht. Hier geht es nicht einfach um einen weiteren klassischen Shoot ’em Up, der sich hinter Raumschiffen, Aliens und Explosionen versteckt. Das Spiel möchte eine komplette Anime-Erfahrung simulieren – inklusive Intro, Episodenstruktur, Zwischensequenzen und sogar einer Werbepause mit fiktiven Produkten. Statt nur einen Mecha zu steuern, bekommt man das Gefühl, tatsächlich eine verlorene Roboter-Serie aus den 1970er Jahren einzuschalten und selbst Teil der Handlung zu werden.

Ursprünglich erschien Geppy-X bereits 1999 für die PlayStation in Japan und war dort schon eine ungewöhnliche Mischung aus Videospiel und Anime-Parodie. Jetzt bekommt auch das westliche Publikum die Möglichkeit, diesen ungewöhnlichen Titel nachzuholen. Die Grundidee ist dabei so simpel wie charmant: Ein gigantischer Roboter stellt sich dem bösen Weltraumimperium entgegen und kämpft sich durch zahlreiche Episoden voller Gegner, Explosionen und dramatischer Momente.

70s-style Robot Anime Geppy-X
70s-style Robot Anime Geppy-X

Was auf den ersten Blick wie ein gewöhnlicher horizontaler Shooter klingt, entpuppt sich schnell als eine der ungewöhnlichsten Interpretationen des Genres. Geppy-X ist weniger ein Spiel mit Anime-Elementen – es ist ein Anime, der zufällig spielbar ist.

Eine komplette Anime-Serie als Shoot ’em Up

Die größte Besonderheit von Geppy-X ist seine Präsentation. Jede Stage ist wie eine Episode einer fiktiven Anime-Serie aufgebaut. Bevor der eigentliche Kampf beginnt, bekommt man eine klassische Eröffnung mit Titelsong präsentiert, nach Abschluss einer Episode folgt eine Vorschau auf die nächste Folge und sogar eine typische Werbeunterbrechung wurde eingebaut.

Diese Liebe zum Detail macht einen großen Teil des Reizes aus. Das Entwicklerteam hat nicht einfach versucht, die Optik alter Mecha-Animes nachzuahmen, sondern die komplette Struktur dieser Serien übernommen. Wer mit klassischen Roboterserien der 70er Jahre wie Mazinger Z oder ähnlichen Produktionen vertraut ist, wird viele bekannte Elemente wiedererkennen: dramatische Ansagen, übertriebene Charaktere, ein gigantischer Roboter mit verschiedenen Formen und natürlich ein Gegner, der die Erde mit einer Armee von Maschinen bedroht.

Dabei funktioniert Geppy-X besonders gut als Hommage. Das Spiel nimmt seine Vorlage ernst, übertreibt sie aber gleichzeitig so stark, dass immer wieder ein Augenzwinkern durchkommt. Die fiktiven Werbespots und die Episodenstruktur wirken zunächst ungewohnt, verleihen dem Spiel aber einen eigenen Charakter, den man in dieser Form kaum ein zweites Mal findet.

70s-style Robot Anime Geppy-X
70s-style Robot Anime Geppy-X

Natürlich kann diese Präsentation auch Geschmackssache sein. Wer ausschließlich spielen möchte und keine Geduld für längere Anime-Sequenzen hat, kann die meisten dieser Elemente überspringen. Gerade Fans des Genres sollten sich diese Momente aber zumindest einmal anschauen, denn sie gehören zum Konzept von Geppy-X genauso dazu wie die eigentlichen Schusswechsel.

Drei Formen, drei Spielweisen

Das eigentliche Gameplay bleibt auf den ersten Blick klassischer Shoot-’em-Up-Stoff. Der Spieler bewegt Geppy-X durch seitlich scrollende Abschnitte, zerstört Gegner und weicht gegnerischem Beschuss aus. Doch der namensgebende Roboter besitzt eine besondere Fähigkeit: Er kann zwischen drei unterschiedlichen Formen wechseln.

Die drei Varianten werden von jeweils einem Piloten gesteuert und bieten unterschiedliche Stärken und Schwächen. X1 ist die ausgeglichene Variante und bietet eine gute Mischung aus Angriff und Beweglichkeit. X2 setzt stärker auf Geschwindigkeit und eignet sich besonders für Situationen, in denen schnelle Reaktionen gefragt sind. X3 dagegen konzentriert sich auf riskantere Nahkampfangriffe, bietet dafür aber deutlich mehr Angriffskraft.

Der Wechsel zwischen den Formen ist jederzeit möglich und spielt eine wichtige Rolle während der einzelnen Abschnitte. Je nach Gegneraufstellung oder Situation kann es sinnvoll sein, die Form zu wechseln und sich den jeweiligen Herausforderungen anzupassen. Später entwickelt sich Geppy-X weiter und erhält als Geppy-XX zusätzliche Möglichkeiten bei seinen Angriffen.

Diese Mechanik gibt dem Spiel etwas mehr Tiefe als viele klassische Vertreter des Genres. Während Titel wie R-Type oder Gradius häufig stark auf das Erlernen von Angriffsmustern und perfektes Ausweichen setzen, bietet Geppy-X zusätzlich die Möglichkeit, seine bevorzugte Spielweise durch die unterschiedlichen Formen anzupassen.

70s-style Robot Anime Geppy-X
70s-style Robot Anime Geppy-X

Klassisches Shoot ’em Up mit modernen Hilfen

Die grundlegenden Mechaniken bleiben trotzdem vertraut. Gegner hinterlassen unterschiedliche Gegenstände, darunter Herzen zur Wiederherstellung der Energie sowie M- und S-Kapseln, mit denen sich Haupt- und Nebenwaffen verbessern lassen.

Eine interessante Entscheidung ist das Energiesystem. Anders als bei vielen Shootern bedeutet ein einziger Treffer nicht automatisch den Verlust eines Lebens. Stattdessen verfügt Geppy-X über eine Rüstung, die durch Treffer langsam reduziert wird. Gleichzeitig lädt sich dabei eine Spezialanzeige auf. Ist diese gefüllt, kann ein mächtiger Spezialangriff ausgelöst werden, der große Teile des Bildschirms leert und den Spieler für kurze Zeit unverwundbar macht.

Gerade in hektischen Situationen ist diese Fähigkeit äußerst hilfreich. Gegen normale Gegnergruppen wirkt der Angriff fast schon übermächtig, bei Bossen fällt der Schaden allerdings überraschend geringer aus. Trotzdem bleibt die Spezialattacke ein wichtiges Werkzeug, besonders wenn der Bildschirm mit Projektilen gefüllt ist oder die eigene Energie zur Neige geht.

Die moderne Umsetzung hilft außerdem dabei, einige Schwächen des Originals auszugleichen. Die Möglichkeit zurückzuspulen oder jederzeit Speicherpunkte anzulegen, nimmt dem Spiel einiges von seiner ursprünglichen Härte. Gerade in den späteren Abschnitten ist das auch dringend notwendig.

Schwieriger als erwartet

Der Schwierigkeitsgrad von Geppy-X ist etwas unausgeglichen. Während einige Abschnitte noch relativ entspannt spielbar sind und Gegner schnell zerstört werden können, zieht der Anspruch gegen Ende deutlich an.

Das größte Problem sind dabei nicht unbedingt die Gegner selbst, sondern die Menge und Darstellung der Projektile. Einige Passagen verwandeln sich beinahe in Bullet-Hell-Sequenzen, bei denen der Bildschirm mit Schüssen gefüllt wird und es schwer fällt, überhaupt noch eine sichere Position zu erkennen.

Besonders problematisch sind Situationen, in denen sich die Farbe der Geschosse kaum vom Hintergrund unterscheidet. Ein Bosskampf, bei dem orangefarbene Projektile vor einem ähnlich gefärbten Hintergrund erscheinen, zeigt deutlich die Grenzen des Designs. Hier fühlt sich ein Treffer weniger wie ein eigener Fehler an, sondern eher wie ein Problem der Übersichtlichkeit.

Auch die eigene Trefferzone wirkt größer, als man aufgrund der Darstellung vermuten würde. Gerade in späteren Abschnitten führt das dazu, dass manche Treffer frustrierend wirken.

70s-style Robot Anime Geppy-X
70s-style Robot Anime Geppy-X

Dank der modernen Komfortfunktionen bleibt das Spiel aber trotzdem zugänglich. Wer den ursprünglichen Arcade-Charakter erleben möchte, kann sich dieser Herausforderung stellen, während weniger geübte Spieler mit Rückspulfunktion und Speicheroptionen deutlich leichter durchkommen.

Grafik und Sound

Optisch lebt Geppy-X vor allem von seiner außergewöhnlichen Präsentation. Das Spiel versucht nicht, einen realistischen Look zu erzeugen, sondern orientiert sich konsequent an den überzeichneten Mecha-Animes der 70er Jahre. Große Roboter, dramatische Animationen und übertriebene Angriffseffekte stehen klar im Mittelpunkt.

Besonders gelungen ist die Idee, das gesamte Spiel wie eine Anime-Serie aufzubauen. Die Episodenstruktur, die Eröffnungssequenzen und die kleinen Zwischenszenen vermitteln tatsächlich das Gefühl, eine alte Fernsehserie zu verfolgen. Technisch darf man natürlich keine moderne Animation erwarten, aber gerade die bewusste Begrenzung ist Teil des Charmes.

Der Soundtrack passt hervorragend zum Konzept. Die Musik erinnert stark an klassische Roboter-Anime und liefert genau die heroischen Melodien, die man von einem Kampf gegen ein Weltraumimperium erwartet. Besonders der Titelsong trägt viel zur Atmosphäre bei und verstärkt den Eindruck, wirklich eine vergessene Serie aus einer anderen Zeit zu erleben.

Auch die Soundeffekte erfüllen ihren Zweck. Explosionen, Robotergeräusche und Waffenklänge unterstützen das Mecha-Gefühl und passen perfekt zur übertriebenen Inszenierung.

Fazit

70s-style Robot Anime Geppy-X ist kein gewöhnlicher Shoot ’em Up und genau darin liegt seine größte Stärke. Wer lediglich einen neuen Vertreter der R-Type- oder Gradius-Schule sucht, wird wahrscheinlich überrascht sein, denn das Spiel legt mindestens genauso viel Wert auf seine Anime-Inszenierung wie auf das eigentliche Gameplay.

Die Idee, eine komplette fiktive Roboter-Serie als spielbares Abenteuer umzusetzen, funktioniert auch heute noch erstaunlich gut. Die verschiedenen Geppy-X-Formen sorgen für Abwechslung, das klassische Shooter-Gameplay macht Spaß und die Präsentation besitzt einen Charme, den man nur selten erlebt.

70s-style Robot Anime Geppy-X
70s-style Robot Anime Geppy-X

Allerdings hat das Spiel auch seine Schwächen. Der Schwierigkeitsgrad schwankt stark, manche Bosskämpfe leiden unter schlechter Übersicht und gerade die späteren Abschnitte können unnötig frustrierend werden. Die modernen Komfortfunktionen sind deshalb eine sinnvolle Ergänzung.

Trotz dieser Probleme bleibt Geppy-X ein außergewöhnlicher Titel. Es ist weniger ein perfekter Shoot ’em Up als vielmehr eine Liebeserklärung an eine ganze Anime-Ära. Wer etwas für klassische Mecha-Serien, Retrospiele oder ungewöhnliche Konzepte übrig hat, bekommt hier eine Erfahrung, die es in dieser Form kein zweites Mal gibt.

  • Plattform: PlayStation 5 (getestet), Xbox Series X, PC
  • Publisher: Bliss Brain
  • Entwickler: Implicit Conversions
  • Genre: Arcade Shooter
  • Release: 15. Juli 2026 (Original Release 27. Mai 1999)
  • USK-Freigabe: 12