Spindle ist ein handgezeichnetes Action Adventure, das Tod und ein kleines Schwein auf eine gemeinsame Reise schickt. Beide versuchen, den natürlichen Kreislauf von Leben und Sterben wiederherzustellen, nachdem plötzlich niemand mehr zwischen den Welten wandern kann. Das Spiel verbindet klassische Abenteuerelemente mit modernen Designideen und schafft eine Mischung aus Rätseln, Erkundung und Nachdenken über das Leben selbst.
Eine Geschichte über Abschied und Neubeginn
Der Einstieg in Spindle ist ruhig. In einem Sturm erwacht ein Junge der geradenoch mit seinem Vater angeln war in der Gestalt des Todes auf. Neben ihm einem kleinen Schwein, das ihn aufweckt. Schon in den ersten Minuten wird deutlich, dass in dieser Welt etwas nicht stimmt. Die Seelen der Toten bleiben in ihren Körpern gefangen, der Übergang ist blockiert, und es liegt an euch, die Balance wiederherzustellen.

Die Geschichte entfaltet sich langsam und ohne lange Erklärungen. Ihr wandert durch verlassene Dörfer, sprecht mit Menschen, die nicht wissen, warum alles stillsteht, und sucht nach einem Weg, den Fluss des Lebens zurückzubringen. Dabei begegnet ihr Charon, dem Fährmann der Seelen, der weniger Antworten hat, als man erwarten würde. Diese ruhige Art des Erzählens verleiht Spindle Tiefe und Bedeutung. Es geht nicht um das Ende, sondern darum, zu verstehen, warum jedes Ende Teil des Ganzen ist.
Was die Handlung besonders macht, ist die Beziehung zwischen Tod und dem Schwein. Obwohl es anfangs wie eine bloße Begleitung wirkt, wird das Tier zu einem echten Partner, das in vielen Situationen hilfreich ist. Es kann Engstellen überwinden, Schalter betätigen und sogar kleine Geheimnisse aufdecken. So entsteht eine zarte Verbindung zwischen den beiden Figuren, die das Spiel emotional trägt.
Klassisches Gameplay mit moderner Seele
Spielerisch erinnert Spindle an klassische Abenteuer aus der 16 Bit Ära. Die Perspektive und das Bewegungstempo lassen sofort an frühe Zelda Titel wie The Legend of Zelda – A Link to the Past denken. Ihr erkundet verschiedene Regionen, von friedlichen Dörfern über alte Tempel bis zu mystischen Zwischenwelten, in denen ihr kämpft, Rätsel löst und neue Kräfte entdeckt.

Das Kampfsystem ist bewusst einfach gehalten, ganz im Stil des Todes schwingt ihr eure Sense gegen Widersacher. Es gibt keine überladenen Menüs, keine Erfahrungspunkte, sondern klare Aktionen und Reaktionen. Jede Fähigkeit, die Tod erhält, hat einen klaren Nutzen im Zusammenspiel mit der Umwelt. Besonders gelungen ist das Wechselspiel zwischen den Figuren. Der Tod kann Feinde besiegen oder Barrieren durchdringen, während das Schwein in engen Passagen weiterkommt oder Mechanismen auslöst.
Die Rätsel sind abwechslungsreich und logisch aufgebaut. Sie verlangen Aufmerksamkeit, aber keine übermäßige Geduld. Oft sind sie in die Umgebung integriert, sodass man beim Erkunden automatisch Lösungen entdeckt. Das Zusammenspiel aus Bewegung, Beobachtung und Intuition sorgt für einen natürlichen Spielfluss.
Manchmal wirkt die Kamera etwas eng, besonders in Dungeons mit mehreren Ebenen oder bei Perspektivwechseln. Das kann kurzzeitig die Orientierung erschweren oder dafür sorgen, dass ihr einen Abgrund herunterstürzt. Auch das Verhalten des Schweins im Kampf könnte etwas dynamischer sein, um die Partnerschaft noch stärker hervorzuheben.
Atmosphäre und Präsentation
Was Spindle von anderen Spielen abhebt, ist seine Stimmung. Die handgezeichnete Pixeloptik ist schlicht, aber voller Ausdruck. Jedes Gebiet hat seine eigene Farbwelt und seinen eigenen Rhythmus. Friedhöfe wirken melancholisch, Wälder geheimnisvoll, Dörfer warm und lebendig. Die Entwickler haben sichtbare Sorgfalt in jedes Detail gelegt, von der Bewegung der Wolken bis zum Glanz der Kerzenflammen in dunklen Räumen.

Die Musik unterstreicht diese Atmosphäre auf besondere Weise. Sanfte Klavierklänge wechseln sich mit ambienten Tönen ab, manchmal fast unhörbar leise, dann wieder tragend und melancholisch. Jeder Abschnitt hat seine eigene Klangfarbe, die den emotionalen Ton vorgibt. Besonders schön ist, dass die Musik nicht einfach in Endlosschleifen läuft, sondern dynamisch auf das Spielgeschehen reagiert. Auch die Soundeffekte wirken gezielt platziert. Das Knarren alter Türen, der Wind über den Friedhöfen, das leise Plätschern am Fluss – all das trägt zu einer dichten, ruhigen Stimmung bei.
Technische Umsetzung und Plattformen
Spindle wurde von dem kleinen deutschen Entwicklerstudio Wobble Ghost entwickelt und mit Unterstützung von Assemble Entertainment veröffentlicht. Das Spiel läuft auf allen modernen Plattformen einschließlich PlayStation 5, Nintendo Switch, Xbox und PC. Die Konsolenversionen wurden speziell für Controller optimiert und laufen flüssig mit stabiler Bildrate. Auf Steam ist das Spiel vollständig kompatibel mit dem Steam Deck, was die Handheld Erfahrung besonders angenehm macht.
Die Technik ist stabil, Ladezeiten sind kurz, und auch auf schwächerer Hardware bleibt die Performance gleichbleibend gut. Kleinere Bugs oder Glitches treten selten auf und stören das Spielgefühl nicht.

Fazit
Spindle ist ein ruhiges, aber unterhaltsames Erlebnis. Es nimmt ein schwieriges Thema und verwandelt es in ein ruhiges und bewegendes Gefühl, ohne dabei in Kitsch zu verfallen. Die Kombination aus klassischer Spielmechanik, schöner Pixeloptik und einer warmherzigen Geschichte macht das Spiel zu einem der charmantesten Indie Titel in diesem Jahr.
Wer nostalgische Abenteuer liebt, aber gleichzeitig etwas Nachdenkliches sucht, wird hier fündig. Spindle ist nicht laut, nicht hektisch und nicht übertrieben emotional aber unterhaltsam.
- Plattform: Nintendo Switch (getestet), PC
- Publisher: Deck13
- Entwickler: Wobble Ghost
- Genre: Action Adventure
- Release: 13. Oktober 2025
- USK-Freigabe: 6

Schon seit meinem dritten Lebensjahr bin ich leidenschaftlicher Videospieler. Angefangen hat alles mit dem Nintendo Entertainment System – seitdem begleitet mich die Faszination für interaktive Welten bis ins Erwachsenenalter. Heute verbinde ich diese Leidenschaft mit meinem Beruf: Als PR-Manager, freier Redner und Texter arbeite ich in der Games- und Medienbranche und betreue Projekte rund um kreative Köpfe und spannende Marken. Ein besonderer Schwerpunkt meiner Arbeit liegt im Management und in der Betreuung japanischer Videospielentwicklertalente, die ich auf Conventions und Events weltweit vertrete.

