Die Skautfold-Reihe war nie dafür bekannt, den einfachen Weg zu gehen. Während andere Indie-Serien irgendwann ihre Formel gefunden haben und danach nur noch Varianten davon verkaufen, probiert Pugware mit fast jedem Teil etwas Neues aus. Mal mit mehr Erfolg, mal mit deutlich sichtbaren Ecken und Kanten.
Skautfold: Moonless Knight ist bereits der vierte Teil dieser Reihe und schlägt erneut eine andere Richtung ein. Nach dem Shooter-Einschlag von Into the Fray geht es diesmal in ein Top-Down-Action-RPG mit fernöstlichem Einschlag. Klingt nach mutigem Stilwechsel. Ist es auch. Die Frage lautet also nicht, ob hier Ideen vorhanden sind. Die Frage lautet eher, ob aus diesen Ideen auch ein rundes Spiel geworden ist.
Gameplay und Story
Diesmal setzt Pugware auf eine Mischung aus Hack and Slay, Rollenspiel und knackigem Actionkampf. Ihr zieht mit verschiedenen Nahkampfwaffen los, blockt Angriffe, weicht aus und könnt mit sauberem Timing sogar parieren. Das sorgt zunächst für ordentlich Tempo.

Die Kämpfe spielen sich flott, direkt und angenehm aggressiv. Gerade in den ersten Stunden funktioniert das sehr gut. Gegnergruppen einkreisen, einen Trefferfenster nutzen, ausweichen, zurückschlagen. Das hat Wucht und hält euch in Bewegung.
Dazu kommen Relikte, die zusätzliche Fähigkeiten freischalten. Feinde einfrieren, Gegner ablenken oder Kämpfe taktisch vorbereiten. Solche Extras sorgen dafür, dass das Spiel nicht nur aus stumpfem Draufhauen besteht. Besonders angenehm: Waffen und Relikte lassen sich bequem über ein Ringmenü wechseln, ohne den Spielfluss auszubremsen.
Nach einiger Zeit zeigen sich allerdings Risse im Fundament. Viele normale Gegner lassen sich recht ähnlich ausspielen. Hat man das Verhalten einmal gelesen, wiederholen sich viele Kämpfe nach einem ähnlichen Muster. Dann merkt man, dass das Kampfsystem mehr Tempo als echte Tiefe besitzt.
Spannend ist das Todes-System. Mit jedem Ableben sammelt ihr Flüche, die eure maximale Gesundheit senken, gleichzeitig aber euren Schaden erhöhen. Das ist eine clevere Idee, weil Misserfolge nicht einfach nur bestrafen, sondern auch neue Risiken eröffnen. Die Bosskämpfe gehören klar zu den stärkeren Momenten. Sie verlangen mehr Aufmerksamkeit, brechen Routinen auf und bieten teilweise Entscheidungen, die sich auf den weiteren Verlauf auswirken. Da zeigt das Spiel, was mit etwas mehr Konsequenz insgesamt möglich gewesen wäre.

Wer bei Skautfold eine klar erzählte, leicht zugängliche Handlung erwartet, kennt die Reihe vermutlich noch nicht. Auch Moonless Knight erzählt wieder verschachtelt, rätselhaft und nicht selten unnötig verwirrend. Das Spiel setzt erstaunlich viel Vorwissen voraus. Figuren tauchen auf, frühere Ereignisse werden erwähnt und Zusammenhänge wirken oft so, als müsste man längst im Bilde sein. Für Serienkenner mag das reizvoll sein. Neueinsteiger werden sich häufiger fragen, wer hier eigentlich warum etwas tut.
Dabei steckt durchaus Potenzial drin. Die Welt hat Charakter, die Reihe baut auf ein größeres Finale hin und einzelne Wendungen erzeugen durchaus Neugier. Nur wird das alles oft so sperrig serviert, dass Spannung unnötig verloren geht. Man hat mehrfach das Gefühl, dass Moonless Knight eine gute Geschichte erzählen könnte, wenn es sie nicht so kompliziert verpacken würde.
Ein Durchgang liegt ungefähr im Bereich von zehn Stunden, je nach Spielweise etwas mehr oder weniger. Dazu kommen verschiedene Entscheidungen, alternative Verläufe und genug Gründe, sich noch einmal hineinzuwerfen.
Das Hauptquartier fungiert als Hub-Bereich, in dem ihr Waffen verbessert, Werte steigert und Gegenstände kauft. Auch das Fortschrittssystem geht eigene Wege. Werte verbessern sich teils durchs Benutzen der jeweiligen Fähigkeiten. Wer viel blockt, verbessert Verteidigung. Wer bestimmte Waffen nutzt, wächst in diese Richtung.
Grafik & Sound
Optisch nutzt Moonless Knight viele Grundlagen des Vorgängers, setzt aber einen neuen Stil darüber. Fernöstliche Einflüsse, neue Schauplätze und ein anderer Gesamteindruck sorgen dafür, dass das Spiel nicht wie bloße Resteverwertung wirkt.
Die Pixelgrafik ist stimmungsvoll, wenn auch nicht spektakulär. Manche Gebiete sehen richtig stark aus, andere bleiben eher funktional. Besonders gelungen sind Wettereffekte und wechselnde Lichtstimmungen, die den Schauplätzen mehr Leben geben.

Auch das Interface wurde sinnvoll modernisiert. Es bleibt übersichtlich und nimmt wenig Platz weg, was bei einem actionlastigen Spiel sehr wichtig ist.
Beim Sound punktet vor allem die Musik. Der Soundtrack trägt Atmosphäre, bleibt im Ohr und gehört klar zu den Highlights des Spiels. Weniger auffällig sind die restlichen Effekte. Waffen, Treffer und Umgebung klingen ordentlich, reißen aber keine Bäume aus.
Fazit
Skautfold: Moonless Knight ist ein gutes Beispiel für ein Spiel, das viele clevere Ideen besitzt, aber nicht jede davon vollständig ausreizt.
Das Kampfsystem macht Spaß, nutzt sich jedoch schneller ab als erhofft. Die Bosskämpfe zeigen Qualität, der Rest fällt etwas dahinter zurück. Die Welt ist interessant, die Erzählweise unnötig verknotet. Optisch bleibt vieles stimmungsvoll, musikalisch sogar richtig stark.
Unterm Strich ist das ein gelungener vierter Teil, der Lust auf das Finale macht, ohne selbst der Höhepunkt der Reihe zu sein. Wer Skautfold ohnehin verfolgt, wird hier einiges finden. Wer neu einsteigt, sollte Geduld mitbringen.
- Plattform: PlayStation 5 (getestet), Nintendo Switch 1/2, Steam
- Publisher: Red Art Games
- Entwickler: Red Art Games
- Genre: Arcade
- Release: 09. April 2026
- USK-Freigabe: 16

Schon seit meinem dritten Lebensjahr bin ich leidenschaftlicher Videospieler. Angefangen hat alles mit dem Nintendo Entertainment System – seitdem begleitet mich die Faszination für interaktive Welten bis ins Erwachsenenalter. Heute verbinde ich diese Leidenschaft mit meinem Beruf: Als PR-Manager, freier Redner und Texter arbeite ich in der Games- und Medienbranche und betreue Projekte rund um kreative Köpfe und spannende Marken. Ein besonderer Schwerpunkt meiner Arbeit liegt im Management und in der Betreuung japanischer Videospielentwicklertalente, die ich auf Conventions und Events weltweit vertrete.

