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Calamity Angels Special Delivery

Manchmal braucht ein Spiel nur eine starke Grundidee, um sofort Interesse zu wecken. Hier lautet sie: Paketboten in einer Fantasywelt voller Monster, Fallen und Naturkatastrophen. Genau darauf baut Calamity Angels: Special Delivery auf. Du spielst Yuri, frisch ernannter Teamleiter einer Liefergilde, der ausgerechnet die Chaos-Truppe „Calamity Angels“ übernehmen muss – eine Gruppe mit miserabler Reputation und noch schlechterer Erfolgsquote. Ziel ist es, den Haufen wieder konkurrenzfähig zu machen. Natürlich läuft nichts nach Plan.

Chaos-Lieferdienst mit absurd guter Idee

Man übernimmt die Rolle von Yuri, einem neuen Teamleiter innerhalb einer Liefergilde. Die Aufgabe ist simpel: ein chaotisches Team namens Cupid Angels wieder auf Kurs bringen. Intern heißen sie allerdings eher Calamity Angels, weil bei ihren Lieferungen regelmäßig alles schiefgeht, was schiefgehen kann.

Calamity Angels Special Delivery
Calamity Angels Special Delivery

Die Welt selbst ist ein typisches Anime Fantasy Setting mit Monstern, rivalisierenden Gruppen und absurden Nebenfiguren. Das Problem ist nicht die Idee, sondern die Umsetzung. Die Handlung fühlt sich oft wie Hintergrundrauschen an. Es gibt Lore, Dialoge und Fraktionen, aber kaum echte Spannung oder dramaturgische Entwicklung. Statt einer klaren Story bekommt man viele kleine Gesprächsfetzen und Witze, die zwar sympathisch sind, aber selten Substanz liefern.

Der Plot rund um Paketdiebe hätte ein herrlich absurdes Abenteuer sein können, bleibt jedoch erstaunlich zahm. Vieles wird angerissen, kaum etwas wird wirklich ausgebaut. Man merkt ständig, dass mehr möglich gewesen wäre.

Der Einstieg zeigt sofort, worauf der Fokus liegt: Charaktere statt Weltenbau. Jede Figur entspricht einem bekannten Anime-Archetyp – aber bewusst. Die schlafsüchtige Kämpferin, die hitzköpfige Draufgängerin, der schüchterne Tank, der unsichere Anführer. Tiefgang gibt es kaum, Charme dagegen reichlich. Dialoge setzen auf Humor statt Drama. Emotional packt das nicht, unterhaltsam ist es trotzdem. Ironischerweise entfalten die Figuren ihre Persönlichkeit weniger in Zwischensequenzen als im Kampf.

Calamity Angels Special Delivery
Calamity Angels Special Delivery

Kampfsystem: Das eigentliche Highlight

Auf den ersten Blick wirkt alles klassisch rundenbasiert: Befehle auswählen, Aktionen ausführen. Der Twist: Deine Teammitglieder gehorchen dir nur, wenn sie auch Lust dazu haben. Jeder Charakter besitzt eine Spannungsanzeige, die bestimmt, ob er deinen Befehl befolgt oder improvisiert. Klingt nach Frust – ist aber genial. Statt nur Befehle zu erteilen, lernst du Persönlichkeiten zu steuern. Manche kämpfen besser unter Druck, andere brauchen Motivation, wieder andere ignorieren dich komplett und entfesseln plötzlich übermächtige Aktionen.

Gerade diese spontanen Spezialfähigkeiten machen Kämpfe unvorhersehbar. Sie können Bossfights sofort beenden oder verlorene Schlachten drehen. Manchmal fühlt es sich an, als würde das Spiel selbst entscheiden, wie ein Kampf ausgeht – und genau das macht den Reiz aus. Während andere RPGs mit der Zeit in Routine verfallen, bleibt hier fast jede Begegnung frisch.

Zwischen Kämpfen bewegst ihr euch über Brettspielartige Kartenfelder. Events, Boni oder Gegner werden zufällig ausgelöst. Funktional, aber unspektakulär. Große Monster auf der Karte sollen Bedrohung erzeugen, verlieren aber schnell ihren Schrecken. Exploration wirkt eher wie ein Transportmittel zum nächsten Kampf – und genau dort liegt auch der Fokus des Spiels.

Calamity Angels Special Delivery
Calamity Angels Special Delivery

Grafik & Sound

Optisch zeigt sich ein klares Ungleichgewicht. Charakterportraits sind auffällig gestaltet, detailreich und voller Persönlichkeit. Die eigentliche Spielwelt wirkt dagegen schlicht. In Kämpfen steigt die visuelle Qualität deutlich, besonders bei Spezialattacken. Insgesamt hat man häufig das Gefühl, das Spiel sei ursprünglich für kleinere Displays konzipiert worden, wo die reduzierte Darstellung besser zur Geltung kommt.

Musikalisch bleibt alles locker und beschwingt, ohne echte Ohrwürmer zu liefern. Die japanische Sprachausgabe ist klar die bessere Wahl, weil sie energiegeladener wirkt und jede Dialogzeile vertont ist. Die englische Version fällt deutlich sparsamer aus. Besonders die schüchterne Paladin-Figur profitiert von der japanischen Performance und wird dadurch zum heimlichen Star.

Fazit

Calamity Angels Special Delivery ist ein Spiel mit einer herausragenden Idee im Zentrum. Das Kampfsystem ist originell, unterhaltsam und anders als fast alles im Genre. Die Persönlichkeitsmechanik sorgt für Chaos, Überraschungen und viele unerwartete Momente.

Calamity Angels Special Delivery
Calamity Angels Special Delivery

Leider wirkt alles außerhalb der Kämpfe weniger ausgearbeitet. Story, Welt und Missionsdesign bleiben hinter dem Potenzial zurück. Man hat ständig das Gefühl, dass hier ein Klassiker möglich gewesen wäre, wenn der Rest des Spiels genauso viel Aufmerksamkeit bekommen hätte wie das Kampfsystem.

Trotzdem bleibt ein ungewöhnliches RPG, das allein wegen seiner Mechanik einen Blick wert ist. Nicht perfekt, aber definitiv interessant.

  • Plattform: PlayStation 5 (getestet), Nintendo Switch, Steam
  • Publisher: Idea Factory
  • Entwickler:  Compile Heart
  • Genre: J-RPG
  • Spieleranzahl: 1
  • USK: 6
  • Release: 17. Februar 2026