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Ys IX – Monstrum of the Nox

Die langjährige und immer beliebtere Reihe geht mit Ys IX – Monstrum of the Nox bereits in die neunte Runde. Japanische Besitzer einer PlayStation 4 können sich bereits seit 2019 ihren Weg durch Balduq und Horden von Monstern bahnen. Der Rest der Welt musste bis dieses Jahr warten, bis eine Version für PS4, Switch und Steam , auf die kam. Ob die Portierung gelungen ist, wo das Spiel seine Stärken und Schwächen hat, erfahrt ihr wie immer hier im Test.

Give me liberty or give me death

Das Leben im Gefängnis ist kein Zuckerschlecken. Besonders dann, wenn der Freiheitsentzug ohne erkennbaren Grund passiert. So beginnt Monstrum of the Nox mit genau jenem Freiheitsentzug, den unser Protagonist Adol fast schon stillschweigend hinnimmt. Natürlich setzt er alles daran, aus dem Kerker zu entkommen und so beginnt der Weg in die Freiheit. Bereits sehr früh im Spiel trifft unser Hauptcharakter eine mysteriöse Frau, die ihn mit einer verfluchten Pistolenkugel niederstreckt und damit sein „Alter Ego“, das namensgebende „Monstrum“ auferweckt. Fortan seid ihr verflucht und auf der Flucht, fortan könnt ihr mit eurem Alter Ego und der Hilfe von Spezialfähigkeiten kämpfen, Gebiete erschließen, die Stadt von Monstern befreien etc. Unterstützung innerhalb der Stadt erhaltet ihr in einer Art „Stützpunkt“, ein Gebäude, das sich als Bar ausgibt und von wo aus jedes neue Kapitel startet. Dort kann der Spieler Rollenspieltypisch Gerichte kochen, Gegenstände kaufen, Belohnungen für den Fortschritt beim Kartografieren abholen, Tauschhandel abschließen uvm. Die Stadt Balduq will nämlich peu a peu erschlossen werden, viele Teile der Stadt sind zunächst nicht zu betreten, sondern werden erst im weiteren Verlauf des Spieles freigeschaltet. Das kostet bekanntlich viel Kraf und da ist so ein Beginn in einer Bar doch kein so schlechter Beginn.

Auf ins nächste Ys-Abenteuer?

Generell liegt in der Erkundung eine große Stärke von Ys. Viele Nebenmissionen, unzählige Läden, in denen ihr eure Ausrüstung verstärken könnt, die Suche nach Graffitis, die Suche nach Schatzkisten laden grundsätzlich zum Erkunden ein. Einen kleinen Wermutstropfen gibt es allerdings auch hier, doch dazu später mehr. Das Setting in der mittelalterlich anmutenden Stadt ist interessant gestaltet und ich fand es immer interessant zwischen den Kämpfen einfach mal die Stadt zu erkunden, meine Charaktere auszurüsten, Gebiete aufzudecken und schauen, was sich dahinter verbirgt. Die Karte im Menü ist übersichtlich gestaltet und man kann auf den ersten Blick sehen, wo sich neue Nebenmissionen befinden, wo die Story weitergeht usw. Generell ist das Menü ansprechend, die Datenbanken sehr umfangreich und alles sehr intuitiv zu bedienen. Großes Lob hier an die Entwickler!

Ein bißchen zu viel Monotonie in Sachen Wandfarben lässt sich nicht abstreiten

Fight for your right

Kein RPG kommt ohne ein gescheites Kampfsystem aus und auch hier punktet Monstrum of the Nox mit einem schnellen, intuitiven und erstaunlich umfangreichen Kampfsystem. Die Party besteht aus bis zu vier Mitgliedern, jeder ist auf Knopfdruck auch sofort wählbar, jeder wartet mit eigenen Stärken auf, die bei unterschiedlichen Gegnern ausgespielt werden müssen. Auch bei der Erkundung könnt ihr zwischen den Charakteren hin- und herschalten und die Talente der einzelnen „Monstrums“ auch zu Eigen machen. So könnt ihr mit einem in Katzenmanier Wände hinauflaufen, mit dem anderen Abgründe überfliegen und mit Adol euch an höhergelegene und weit entfernte Punkte ziehen. RPG-typisch reagiert jeder Gegner allergisch auf andere Waffen und Skills. Auch hier macht das Herausfinden dieser Schwächen Spaß. Selbstredend erlernt ihr im Laufe des Abenteuers jede Menge Skills und Fähigkeiten, levelt sie durch Erfahrungspunkte auf und gebt den zahlreichen Gegnern damit Saures. Das Kampfsystem ist einem Hack n Slay nicht unähnlich. In Echtzeit drescht ihr auf Horden von Gegnern ein. Bei höherem Gegneraufkommen geht die Switch spürbar in die Knie, Einbrüche bei der framerate sind besonders bei Kämpfen keine Seltenheit. Dennoch steuern sich die Kämpfe gut. Ihr könnt jeden Gegner einzeln anvisieren, die Kamera frei drehen, so dass die Übersichtlichkeit auch bei höherem Gegneraufkommen stets erhalten bleibt. Die Taktik kommt in den Kämpfen auch nicht zu kurz. Bei kleineren Gegnern reicht zwar auch simples buttonmashing, aber bei großen Bossen muss es schon ein wenig taktischer zugehen. Schwächen ausloten, die gegnerischen Attacken blocken, im richtigen Moment ausweichen…all das verschafft euch nicht unwesentliche Vorteile im Kampfgeschehen, die ihr euch unbedingt zu Nutze machen müsst, wenn ihr eine Chance haben wollt. Das Kampfsystem macht Spaß, anders kann man es nicht sagen. Es ist schnell, actionreich und doch gut und übersichtlich spielbar und eigentlich auch immer fair und schlüssig und das sage ich als jemand, der eher in rundenbasierten RPGs heimisch ist.

Ys IX: Monstrum Nox

Beauty is in the eye of the beholder

Eine Schönheit ist Ys IX – Monstrum of the Nox ganz gewiss nicht und das liegt auch nicht im Auge des Betrachters. Euch erwartet grafisch ein durchschnittliches PS3-Spiel (!) und das ist für 2021 schon eine Hausnummer. Ich weigere mich zu glauben, dass das einzig an den technischen Limitierungen der Switch liegt, die gewiss auch kein Technik-Monstrum ist. Aber ein Spiel mit einer solchen Optik (Schwache, detailarme Charaktermodelle, karge Umgebungen, hölzern wirkende Animationen) muss auch auf der Switch flüssig laufen. Ich habe parallel das Remake von Skyward Sword gespielt, was wirklich ein Unterschied wie Himmel und Hölle ist. Das ist deswegen schade, weil der Spielspaß durchaus unter der Technik leiden kann, etwa wenn in den Kämpfen der Bildschirm merklich ruckelt, wenn man in der Stadt ungenaue Sprünge hinnehmen muss, weil es ruckelt oder weil das Ganze schlicht und ergreifend nicht ganz so schön anzusehen ist. Ich denke sehr wohl, dass die inneren Werte immer mehr zählen, aber technisch ist Ys einfach nicht im Jahre 2021 anzusiedeln und daran muss sich das Spiel und der Entwickler eben messen, den guten Spielinhalten und den spaßigen Kämpfen zum Trotz. Auch die Akustik trübt den Gesamteindruck ein wenig. Wie sehr leben doch gerade RPGs von tollen Musikstücken, wie sehr wertet eine tolle Musik ein RPG nochmal deutlich auf. Im Falle von Ys tönt die Musik unauffällig im Hintergrund und begleitet das Spiel. Immerhin auch nicht störend, der Sound ist nicht schlecht, aber ich könnte ad hoc keine Melodie nachpfeifen, das ist nichts, was mir irgendwie im Ohr geblieben wäre. Auch die Vertonung der teils sehr langen Dialoge ist merkwürdig. Der Hauptcharakter kommt stumm daher, Dialoge hingegen sind teils vertont. Nicht durchgehend und manchmal stoppt die Vertonung auch recht abrupt. Für die Dramaturgie ist das nicht gerade förderlich, hier wäre definitiv mehr möglich. Eine kleine Warnung auch an alle Spieler, die des Englischen nicht mächtig sind. Deutsche Texte gibt es im Spiel nicht. Um der Story und den Menüs also (gut) folgen zu können, sind Englischkenntnisse nötig.

Autor: Stjepan Prtjenaca

  • Plattform: Nintendo Switch
  • Publisher: Nis America
  • Entwickler: Nihon Falcom
  • Genre: J-RPG
  • Spieleranzahl: 1
  • Startpreis 59.99 Euro
  • USK: 12
  • Release: 09. Juli 2021

Die langjährige und immer beliebtere Reihe geht mit Ys IX – Monstrum of the Nox bereits in die neunte Runde. Japanische Besitzer einer PlayStation 4 können sich bereits seit 2019 ihren Weg durch Balduq und Horden von Monstern bahnen. Der Rest der Welt musste bis dieses Jahr warten, bis eine Version für PS4, Switch und Steam , auf die kam. Ob die Portierung gelungen ist, wo das Spiel seine Stärken und Schwächen hat, erfahrt ihr wie immer hier im Test. Give me liberty or give me death Das Leben im Gefängnis ist kein Zuckerschlecken. Besonders dann, wenn der Freiheitsentzug ohne…

Wer hinter die nicht ganz so schöne Fassade blickt, wer ein wenig Geduld aufbringt und über die technischen Defizite hinwegsehen kann, wird mit einem wirklich guten Spielerlebnis belohnt, das mit beinahe 20 Stunden wirklich großen Spielspaß bereitete. Das Spiel braucht gewiss eine Zeit, bis es wirklich in die Gänge kommt. Aber dann kann es durchaus zünden. Die Entwicklung der Charaktere, die Stadt Balduq, die umfangreiche Datenbank, das ganze Setting bietet einfach viel Charme und Sympathie. Das alles sind Punkte, bei denen ich trotz mancher Einschränkung über die technisch eher mangelhafte Performance hinwegsehen konnte. Fans der Reihe können allerdings bedenkenlos zugreifen. Ungeduldige Spieler und Spieler, die einen großen Wert auf Technik und Performance legen, spielen besser erstmal Probe!

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