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Lost Words: Beyond the Page

Spiele, die vor allem ihr Augenmerk auf die Narrative legen, gibt es mittlerweile einige auf dem Markt. Die Art des Geschichtenerzählens variiert dabei. Mal soll ein Abenteuer vor allem durch seine Bildsprache Emotionen wecken und gesprochene Worte sowie Texte zu lesen gibt es keine oder kaum. Dann wiederum existieren auch redseligere Ausgaben, in denen ein Geschichtenerzähler oder eine Hauptfigur vorhanden sind, die euch das Geschehen mit ihren Anmerkungen näherbringen. Im Falle von Lost Words: Beyond the Page kommt sowohl die Autorin als auch die aus ihrer Feder erschaffenden Heldin zu Wort. Wir haben den Platformer mit Puzzle-Elementen auf der Switch durchgespielt und geben nun unsere Eindrücke wieder.

Izzy und ihre Geschichte

Zunächst einmal sei erwähnt, dass die Story des Spieles von Rhianna Pratchett stammt, die vor allem als Drehbuchschreiberin für Videospiele bekannt ist (abgesehen davon, dass sie die Tochter von Terry Pratchett ist). Ihr lernt das Mädchen Izzy kennen, die eine lebhafte Fantasie besitzt und sich daher die Welt von Estoria ausdenkt, in der eine Heldin (ihr habt die Wahl aus drei verschiedenen Namen) lebt und von der Dorfältesten Eva auserkoren wurde, ihre Nachfolgerin zu werden. Das nicht ohne Grund, den Robyn hat die Macht der Wörter inne, mit denen sie an vorhergesehenen Stellen ihre Umgebung beeinflussen kann. Als erstes nutzt sie das Wort „schweben“, wodurch sie in der Lage ist, Plattformen oder auch Säulen emporsteigen zu lassen.

Ein Bild aus dem Beginn von Lost Words: Beyond the Page. Izzys Gedanken werden durch Schrift visualisiert und von ihr ausgesprochen

Auswählbar aus einem aufgeschlagenen Buch sind die Wörter über die Schultertasten, wählt eines aus und per rechtem Analogstick bewegt ihr es über den Bildschirm und zeigt dann, eben genau an einer blau markierten Stelle seine Wirkung. Viel, oder vielmehr irgendetwas falsch machen ist nicht möglich. Selbst wenn ihr eine Brücke zerstört, kann sie durch das Wort „reparieren“ wieder zusammengesetzt werden.

Jedenfalls nach einem Ereignis wird eurer Dorf von einer mächtigen Gefahr angegriffen und zwar in Form eines Drachens. Robyn schwört, diesen Unhold aufzuspüren und der Sache auf den Grund zu gehen, warum er das getan hat.

Zwei sich überschneidende Erzählebenen

Bevor ihr nach Estoria gelangt, nimmt sich das Spiel etwas Zeit und zu Beginn seht ihr Izzy dabei, wie sie in ihr Tabebuch schreibt. Das wird alles lebhaft erzählt und ihr spielt diese Einträge auch, indem ihr mit Izzy über ihre geschriebenen Sätze läuft, springt und sie vervollständigt durch das Aktivieren bestimmter Wörter oder durch das Komplettieren von Sätzen. Die Einträge werden nicht nur durch ihre Stimme lebhaft, sondern auch durch Animationen und Einsatz von Farben. Izzy verarbeitet in ihrem Tagebuch ihre Erlebnisse und weiter im Spiel wird euch auch klar, dass sie ihre Gefühle mit in ihre fiktive Geschichte nimmt, sodass sich der Ereignisse aus der realen Welt in ihr wiederspiegeln.

Auch Tagebucheinträge wollen in Lost Words: Beyond The Page bespielt werden

Und da wir uns damit ins Spoilergebiet begeben, möchte ich hierzu nicht viel mehr erzählen. Jedoch zur Einordnung etwas sagen. In narrativem Spielen ist der Verlust ein häufig vorkommendes Mittel, von daher bietet hier Lost Words nichts Neues und ich muss an dieser Stelle gestehen, dass mich die Geschichte über lange Zeit ziemlich kalt gelassen hat, eben weil es für mich keine neue Spielerfahrung war und dazu das Gameplay nicht der Rede wert ist, wozu ich danach noch 1,2 Worte verlieren werde.

Gegen Ende der Geschichte wird man immer mehr mit der hier aufgegriffenen Thematik konfrontiert, die wir alle in unserem Leben durchlaufen werden/bereits getan haben, die zum Nachdenken/Reflektieren anregt und wie man mit ihnen umgehen soll. Kurzum Carpe Diem.

Auf eurer Reis begegnet ihr auch weiteren Figuren wie diesen Flaschengeist

Geschichte überwiegt das Gameplay

In der relativ kurzen Spielzeit von knapp 5 Stunden bereist ihr verschiedene Welten. Angefangen von eurem Dorf, das hoch oben in den Wipfeln riesiger Bäume liegt, eine Wüste mit Ruinen im Sand, eine Lavahöhle, eine Unterwasserwelt und ein wenig Schnee darf natürlich auch nicht fehlen. Gestalterisch ist das alles ganz nett anzuschauen, aber aus meiner Sparte gibt es optisch nichts, was mich vom Weltendesign her beeindruckt hat. Das gleiche gilt für den Anspruch der Rätsel und Sprungeinlagen. Es hat mich nichts herausgefordert und da muss ich ganz klar sagen: Das Gameplay hat mich zum Teil sogar gelangweilt. Hier wieder eine Wand brechen, hier wieder nach oben Schweben, durch eine enge Passage kriechen oder Robyn wiederholt dabei zuhören, wie sie beim Abrutschen eines Abhanges „Wohoooooo“ ruft. Ich mag es auch lieber, wenn ein Spiel durch das Design einer Welt es von alleine schafft, eine Geschichte zu erzählen. Hier dagegen kommentiert eure gewählte Figur fast jede ihrer Aktionen. So habe ich es empfunden, kann ja durchaus sein, dass es euch anders ergeht und euch es nicht stört, dass viel während des Gameplays gequasselt wird. Durch den eher geringen Anspruch eignet sich Lost Words zum Durchspielen für alle relevanten Altersgruppen.

Der Cursor, in Form eines Glühwürmchens, mit dem ihrer eure Wörter auswählt, ist außerdem etwas zu klein, sodass man damit schon ziemlich genau mit sein muss.

Richtig stimmungsvolle Momente sind in Lost Words: Beyond the Page zwar vorhanden, sind aber rar gesät.

Die Sprecher der (englischen) Sprachausgabe leisten eine sehr gute Arbeit. Meist werdet ihr sowieso nur Izzy hören, die durch ihre Vertonung glaubhaft rüberkommt. Leider ist die Soundabmischung in der getesteten Version 1.0 nicht ideal. Heißt, Sprache wird so leise aus den Boxen wiedergegeben, selbst wenn ihr sie in den Optionen auf die höchste Stufe schraubt. Zudem läuft das Spiel nicht sauber über dem Bildschirm und das gefühlt durchgängig. Aufgefallen ist es mir, aber ich konnte damit leben, da es leichte Probleme sind, ohne, dass das Spielgeschehen rucklig wäre.

  • Plattform: Nintendo Switch, PS4, Xbox One, Steam
  • Publisher: Modus Games
  • Entwickler: Sketchbook Games
  • Genre: Action-Adventure
  • Spieleranzahl: 1
  • Startpreis 14.99
  • USK: 6
  • Release: 06. April 2021
Spiele, die vor allem ihr Augenmerk auf die Narrative legen, gibt es mittlerweile einige auf dem Markt. Die Art des Geschichtenerzählens variiert dabei. Mal soll ein Abenteuer vor allem durch seine Bildsprache Emotionen wecken und gesprochene Worte sowie Texte zu lesen gibt es keine oder kaum. Dann wiederum existieren auch redseligere Ausgaben, in denen ein Geschichtenerzähler oder eine Hauptfigur vorhanden sind, die euch das Geschehen mit ihren Anmerkungen näherbringen. Im Falle von Lost Words: Beyond the Page kommt sowohl die Autorin als auch die aus ihrer Feder erschaffenden Heldin zu Wort. Wir haben den Platformer mit Puzzle-Elementen auf der Switch…

Ist Lost Words: Beyond the Page ein Blick wert? Ja, mit Abstrichen. Für die geerdete Geschichte samt Alltagsthematik auf jeden Fall. Die Narrative ist gelungen, das Gameplay jedoch ist kaum die Rede wert. Dafür ist es zu wenig anspruchsvoll und auch das Weltendesign bietet zu selten ein überdurchschnittliches Niveau. Ich stelle mir jedoch Lost Words gut als gemeinsame Erfahrung vor, wenn Eltern zusammen mit ihren Kindern spielen können.

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