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Culdcept Begins

Namen sind manchmal nur Schall und Rauch, aber ein Gesicht vergisst man nicht. Übertragen auf unser aller liebstes Hobby hatte ich diesen Moment bei Culdcept Begins in der uns vorliegenden Switch 2 – Version. Beim Spielen des Tutorials kann man mir das Gameplay – eine Mischung aus Brett- und Kartenspiel – bekannt vor und siehe da: Culdcept im Suchfeld auf Gentlegamer.de eingegeben und schon wird als erster Eintrag unser Test zu Culdcept Revolt auf dem Nintendo 3DS aus Oktober 2017 angezeigt. Ganze 9 Jahre später erscheint also nun ein neuer Teil. Auch wenn man beim Namen Begins vermuten könnte, dass es sich um ein Prequel oder Remake des ersten Teils (PS1, Sega Saturn) handelt.

Das Cepter in die Hand nehmen

Das Wortspiel musste einfach sein. Als Cepter werden die Personen bezeichnet, die dazu in der Lage sind, mit Hilfe ihres Kartendecks Wettkämpfe auszutragen, also Magie auszuführen. Wo aber gleichzeitig jedes Mal ein Spielbrett mit abgesteckten Feldern herkommt, sei jetzt mal einfach dahingestellt.

Wir haben es mit Bavrashka, ein von den Göttern erschaffenen Kontinent zu tun. Die Geschichte startet in der Königlichen Cept-Akademie, eine Einrichtung, in der Cepters darin ausgebildet werden, die Macht der als „Culds“ bekannten Steintafeln (die sich de facto in Spielkarten wiederspiegeln) – Fragmente des Culdcept – zu nutzen.

Ihr übernimmt die Rolle von Kamur, der in die Fußstapfen seines berühmten Vaters tritt und daher ähnlich talentiert ist. Auf dem Kontinent existieren mehrere Länder mit verschiedenen Machthabern und der einst geschaffene Frieden ist nun bedroht. Sonst kann ich nicht viel zu Story sagen. Das erzählerische Mittel in drögen Textboxen konnte mein Interesse nicht wecken, sodass ich lieber schnell ins Gameplay eintauchen wollte.

Ja, der Spielbilschirm während einer Partie kann schon etwas überladen wirken. Wichtig beim Bekämpfen anderer Kreaturen ist, den Terrainbonus im Auge zu behalten, weil ein Monster dadurch zusätzliche HP erhält.

Das Spiel wird linear nach Kapiteln abgehandelt. Neben Hauptstrang gesellen sich dazu auch noch Nebenmissionen. Der Lohn des Ganzen ist Geld, das man Card Shop ausgeben kann, sobald dieser durch euren Storyfortschritt freigeschaltet wird. Die zu erstehenden Kartenpacks sind dann natürlich eine Wundertüte, eine Schachtel Pralinen, man weiß nie, was man bekommt (wobei doch, dafür reicht es meistens auf die Rückseite der Verpackung zu schauen!). Ich würde jedoch sagen, dass ihr nicht zwingend auf den Kartenshop angewiesen seid. Denn ihr erhaltet selbst bei einer Niederlage nach einer Partie Karten. Gerade zu Beginn und bei ohnehin bei rund 400 unterschiedlichen Karten im Spiel, bekommt ihr stets unbekannte Exemplare.

Ein Deck besteht immer aus 40 Karten und es ist euch überlassen, wie ihr es editiert. Grundlegend gibt es nur 3 Typen. Monster/Kreaturen (unterteilt in den 4 Elementen + Neutral), Items (Angriffs- oder Verteidigungsbooster, wenn es zum Kampf kommt) und Zaubersprüche (zum Buffen eurer Karten, eurer Würfelwerte oder auch zum Debuffen eures Gegners etc.).

Monopoly lässt grüßen

Von der Struktur her, erinnert ein Matchverlauf frappierend an Monopoly. Ihr würfelt, landet auf einem Feld eines Elements und bestenfalls habt ihr die passende Kreatur des gleichen Elementes auf der Hand und könnt dieses durch das Ausgeben von Magic Points beschwören. Es ist zwar auch möglich ein Monster eines anderen Elementes zu beschwören, ihr haltet jedoch dann nicht den Bonus dafür, dass es sich um das gleiche Element handelt. Auf dem Spielbrett lauft ihr ebenso an Toren vorbei, die euch beim Passieren Magic Points in die „Kasse“ spülen. Selbige erhaltet ihr auch, wenn ihr erfolgreich ein gegnerisches Feld einnehmt oder euer eigenes verteidigt. Landet ihr genau auf einem Tor-Feld, habt ihr die Möglichkeit, eines eurer besetzen Felder aufzuwerten oder umzuwandeln. Umwandeln bedeutet, dass ihr das Element verändert, was den obigen beschriebenen Umstand, wenn nicht das gleiche Element beschworen wurde wettmacht. Aber vor allem Aufwerten ist das Salz in der Suppe. Zum erhält dadurch eurer Schützling zusätzliche Hit Points und zum anderen steigt dadurch die Gebühr (Siegpunkte), die abgedrückt werden müssen, wenn man auf diesem Feld landet und es nicht einnehmen kann. Die Option Aufwerten oder Umwandeln ist aber nicht zwangsgebunden an den Tor-Feldern (auch wenn ihr dann die Wahl habt, welches eurer Felder ihr verbessert). Denn passiert ihr eines eurer eingenommen Felder, dann kann es ebenfalls aufgewertet/umgewandelt werden.

Wie man sich auch Arbeit sparen kann. Indem sämtliche unwichtigen NPCs alle das gleiche Modell haben und sich nur in den Farben unterscheiden. Nicht einmal Augen sind vorhanden.

Zufallsfaktor schlägt Planung

Eurer Deck kann gefühlt noch so gut also ausgewogen. Denn das RNG (Random Number Generator), also der Zufallsfaktor, spuckt euch gerne mal ins Essen, sodass trotz vielleicht einer guten Kartenbelohnung im Grunde die gesamte Partie für die Katz war und ihr die Mission/Kapitel noch einmal spielen müsst, was dann gut auch mal 30 – 45 Minuten beansprucht.

Wenn das Schicksal es so will, landet ihr genau auf diesem einen Feld, wo eurer Gegner zum Aderlass bittet, weil ihr keine Chance gegen das aufgewertete Monster und/oder ihr kein Angriffsitem (oder im umgekehrten Fall, keine Verteidigungs-Item, wenn ihr angegriffen werdet) auf der Hand habt, um es besiegen zu können. Es wirkt dann einfach arrangiert, vor allem, wenn kurz zuvor eurer Kontrahent genau diese eine Feld bis aufs Maximum erhöht hat. Auch schützt ein ausgewogenes Deck nicht komplett vor dem Zufallsfaktor, welche Karten nachgezogen werden (mehr als 7 dürft ihr nicht auf der Hand haben). So zum Beispiel kommt es vor, dass eure verbliebenden Karten komplett nur aus Items bestehen. Blöd, wenn ihr dann wieder auf dem Feld eines Gegners landet und ihr wieder wie bei Monopoly kräftig Gebühren zahlen müsst. Wie ich anhand meines Testes von 2017 feststelle, hat sich bei Culdcept in der Beziehung nichts geändert. Und anders als damals gehe ich aufgrund dessen mit diesem neuen Teil härter ins Gericht.

Die Switch 2 – Version gibt euch die Möglichkeit, über Gameshare und dann nur einem Exemplar des Spieles einen lokalen Mehrspieler zu initiieren, sofern weitere Switch 1 oder 2 Konsolen sich dazu gesellen. Ganz nachvollziehbar ist es aber nicht, wieso ein Couchwettkampf nicht vollständig auf dem Fernseher stattfinden kann. Durch das rundenbasierte Gameplay würde sogar nur ein Controller reichen, der dann weitergereicht wird. Immerhin wird jedoch ein Online Multiplayer angeboten, in dem ihr ein schnelles Match gegen Fremde spielen könnt, oder selbst eine Partie erstellt und dort grundlegende Regeln festlegt, wie viele Punkte es braucht, um ein Match zu gewinnen.

In Sachen Präsentation sollte man im Blick haben, was das Spiel sein will und wie viel Budget vermutlich dahintersteckt. Ihr bekommt also das zu Gesicht, was ihr auf den Screenshots seht. Selbst die Kampfanimationen der Monster lässt sich kaum als solche betiteln, da die Karten einfach nur „gegeneinander klatschen“, die abgebildeten Monster also in ihrer Pose verharren. Also nein, hinter Culdcept Begins steht kein riesen Budget. Die gezeichneten farbenfrohen Umgebungsgrafiken wissen aber durch ihren Detailreichtum zu gefallen.

Der Kampfbildschirm aus Culdcepts Begins.

Fazit:

Um diesen Satz wieder aufzugreifen: „Und anders als damals gehe ich aufgrund dessen mit diesem neuen Teil härter ins Gericht.“ Es fühlt sich einfach unbefriedigend an, wenn man mehr als 30 Minuten seiner Zeit opfert und man trotz sorgfältiger Vorbereitung vom Schicksal gelenkt wird und damit quasi keinen Fortschritt erzielt. Zumal die behäbige Erzählweise in Concept Begins beziehungsweise die Story keinen motivierenden Faktor darstellt, unbedingt weiterspielen zu wollen. Auch der Sammelfaktor kommt hier nicht wirklich zum Tragen, weil es bei 400 Karten halt offensichtlich ist, dass sich die Kartentypen ähneln und man daher nicht das Gefühl bekommt, dass man etwa eine rare Karte besitzt. Trotz Gameplay-Beschleunigungsfunktion ist mir der Spielablauf zu langsam und auf Dauer auch zu eintönig, weil ihr während einer Partie wirklich immer nur das gleiche macht. Greift alles ineinander, macht es durchaus Spaß, habt ihr dagegen Pech, zieht sich das Geschehen nicht nur wie ein Kaugummi, sondern es demotiviert zusätzlich. Ich kann also keine uneingeschränkte Empfehlung geben, bestenfalls erscheint noch eine Demo zum Spiel, die euch einen Einblick vom Spiel gewährt. Vielleicht nehmt ihr sogar meinen wesentlichen Kritikpunkt am Zufallsfaktor gar nicht so wahr.

  • Plattform: Nintendo Switch 2 (getestet), Nintendo Switch, Steam
  • Publisher: Neos
  • Entwickler: Omiya soft Neos Corporation
  • Genre: Card RPG, Brettspiel
  • Spieleranzahl: Single und Online-Multiplayer, lokaler Multi via Gameshare auf Switch 2
  • Release: 26.07.2026
  • Regulärer Preis: 39,99 (+ 10 Euro für Switch 2 Upgrade)
  • USK-Freigabe: