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Ariana and the Elder Codex

Ariana and the Elder Codex hat eine starke Grundidee. Eine Welt, in der Bücher nicht nur Wissen speichern, sondern Realität formen. Magie, Gesellschaft, sogar der Alltag hängen von Codices ab, die alles zusammenhalten. Klingt nach einem perfekten Setup für ein ungewöhnliches RPG.

Das Problem zeigt sich schnell. Die Idee trägt, die Umsetzung stolpert. Zwischen charmanten Momenten, guten Ansätzen und einem soliden Kampfsystem bleibt am Ende ein Spiel, das nie über Mittelmaß hinauskommt.

Eine Welt aus Büchern und Kontrolle

Im Zentrum steht eine Gesellschaft, die komplett von einer übergeordneten Institution gesteuert wird. Die Bibliothek bestimmt, wie die Welt funktioniert. Die wichtigsten Codices kontrollieren grundlegende Dinge wie Elemente oder abstrakte Prozesse.

Als diese Bücher manipuliert werden, bricht das System zusammen. Ariana wird beauftragt, die Codices zu reparieren und damit die Ordnung wiederherzustellen. Parallel dazu läuft die persönliche Geschichte rund um ihre verschwundenen Eltern.

Ariana and the Elder Codex
Ariana and the Elder Codex

Das funktioniert als Motivation. Es ist klar, warum man loszieht. Aber die eigentliche Stärke liegt nicht im großen Plot, sondern in den einzelnen Geschichten innerhalb der Codices.

Jeder Abschnitt erzählt kleine, in sich geschlossene Erzählungen. Besonders die Element-Codices funktionieren gut, weil sie einfache Themen wie Opferbereitschaft oder Rache klar und direkt umsetzen. Diese Kapitel haben Gewicht.

Das Problem liegt außerhalb davon. Die Hauptgeschichte zieht sich, liefert wichtige Informationen zu spät und kippt am Ende in ein typisches Info-Dumping. Die Auflösung kommt nicht überraschend, sondern vorhersehbar.

Kampfsystem mit guten Ansätzen

Spielerisch ist Ariana ein Side-Scrolling Action RPG mit leichten Metroidvania Elementen. Der Fokus liegt auf Magie. Ariana nutzt verschiedene Elemente, die sich unterschiedlich spielen und kombinieren lassen.

Jeder Zauber hat klare Eigenschaften. Schaden, Richtung, Cooldown und Zauberzeit bestimmen, wie er eingesetzt wird. Dazu kommt ein System, bei dem Gegner mit Elementen aufgeladen werden. Ist die Anzeige voll, löst sich eine Explosion aus, die massiven Schaden verursacht. Das klingt gut und funktioniert auch. Zumindest am Anfang.

Ariana and the Elder Codex
Ariana and the Elder Codex

Das Problem ist die Balance. Diese Explosionen sind oft zu stark. Viele Kämpfe lösen sich in Kettenreaktionen auf, die Gegner praktisch von selbst erledigen. Das nimmt dem System Tiefe, weil präzises Spielen selten notwendig ist.

Hinzu kommt die geringe Gegnerabwechslung. Nach den ersten Stunden hat man fast alles gesehen. Später ändern sich nur noch Elemente oder Kombinationen, aber das Grundverhalten bleibt gleich.

Die Bosskämpfe zeigen, was eigentlich möglich wäre. Hier kommen Angriffsmuster, Timing und Bewegung stärker zum Tragen. Genau dort funktioniert das Kampfsystem am besten.

Erkundung und Progression

Die Metroidvania-Struktur ist vorhanden, bleibt aber eher leichtgewichtig. Neue Fähigkeiten öffnen zusätzliche Wege, und es gibt optionale Herausforderungen in Form von sogenannten Repair Points.

Diese bestehen aus Zeitprüfungen, entweder im Kampf oder beim Plattforming. Wer schnell ist, bekommt bessere Belohnungen. Das motiviert zum Erkunden und sorgt zumindest phasenweise für einen sinnvollen Spielfluss.

Das Problem ist die Umsetzung im späteren Spielverlauf. Während die ersten Abschnitte noch sauber aufgebaut sind, wirkt das Leveldesign später ungleichmäßig. Neue Fähigkeiten werden weniger konsequent genutzt, und viele Bereiche verlieren an Relevanz.

Ariana and the Elder Codex
Ariana and the Elder Codex

Figuren und Dialoge

Ariana selbst funktioniert als Hauptfigur. Sie ist direkt, energiegeladen und trägt das Spiel solide. Besonders im Zusammenspiel mit ihrer Begleiterin entsteht eine angenehme Dynamik.

Die Dialoge sind oft locker geschrieben und sorgen für kleine, funktionierende Momente zwischen den ernsteren Passagen. Das reicht, um die Figuren sympathisch zu machen, geht aber nicht tief genug, um wirklich im Gedächtnis zu bleiben.

Grafik und Sound

Visuell setzt das Spiel auf einen klaren, leicht verspielten Stil. Charakterdesigns sind auffällig und sauber umgesetzt, die Welt wirkt wie ein lebendiges Märchenbuch. Besonders die Abschnitte innerhalb der Codices stechen hervor, weil sie visuell abwechslungsreicher gestaltet sind.

Die Effekte der Zauber sorgen im Kampf für Dynamik. Farben und Animationen sind klar lesbar und unterstützen das Gameplay gut.

Ariana and the Elder Codex
Ariana and the Elder Codex

Der Soundtrack bleibt eher im Hintergrund. Er passt zur Atmosphäre, bleibt aber selten hängen. Die Sprachausgabe ist solide und gibt den Figuren etwas mehr Gewicht, wird aber nur sparsam eingesetzt.

Fazit

Ariana and the Elder Codex hat eine starke Grundlage. Die Weltidee funktioniert, das Kampfsystem hat Potenzial und einzelne Storyabschnitte zeigen, was möglich gewesen wäre.

Das Spiel scheitert daran, diese Ansätze konsequent auszubauen. Zu wenig Gegnerabwechslung, zu einfache Kämpfe und eine schwach erzählte Hauptgeschichte verhindern, dass daraus mehr wird als ein solides, aber schnell vergessenes Abenteuer.

Wer ein kurzes, charmantes Action RPG sucht, kann hier durchaus Spaß haben. Wer Tiefe oder echte Überraschungen erwartet, wird eher enttäuscht.

  • Plattform: PlayStation 5 (getestet), Nintendo Switch 1/2
  • Publisher: Idea Factory
  • Entwickler: Hyde, Inc., Compile Heart, Idea Factory
  • Genre: JRPG
  • Release: 24. März 2026
  • USK-Freigabe: 12