Wenn man den Job so lange macht wie ich, kann es durchaus vorkommen das man irgendwann ein Remake zu einem Spiel testet, das man bereits im Original getestet hat. Allerdings kam es noch nie vor, dass ich ein Remake zum Remake teste. Im Falle von Fatal Frame II: Crimson Butterfly ist es allerdings tatsächlich so. Noch unter dem japanischen Namen Project Zero 2 Crimson Butterfly wurde das Spiel bereits im Jahr 2012 für Nintendos Wii veröffentlicht. Ich habe im Januar mit Serienschöpfer und Director der Reihe Makoto Shibata zu Abend gegessen, als mir dieser sagte das die Serie nun international als Fatal Frame veröffentlicht wird.
Mit Fatal Frame II Crimson Butterfly Remake wagt Koei Tecmo eine vollständige Neuinterpretation eines der berühmtesten japanischen Horrorspiele. Der Titel erschien ursprünglich 2003 und wurde später bereits einmal für die Wii neu aufgelegt. Doch das neue Remake von 2026 geht deutlich weiter. Grafik, Gameplay und Struktur wurden komplett überarbeitet, während die Grundidee erhalten bleibt.

Für Spieler, die bereits das Wii Remake kennen, wirkt diese Version sofort anders. Statt einer leicht modernisierten Neuauflage präsentiert sich Fatal Frame 2 hier als echte Neuinterpretation, die das ursprüngliche Konzept mit moderner Technik und neuen Spielsystemen kombiniert.
Rückkehr nach Minakami Village
Die Handlung bleibt im Kern gleich. Die Zwillingsschwestern Mio und Mayu Amakura verirren sich in ein verlassenes Dorf, das von einem alten Ritual und den Geistern seiner Bewohner heimgesucht wird.
Im Zentrum steht erneut das sogenannte Crimson Butterfly Ritual, ein grausames Zeremoniell, das einst durchgeführt wurde, um das Dorf vor einer Katastrophe zu bewahren. Als das Ritual scheiterte, blieb der Ort in einer Art Zwischenwelt gefangen. Mio und Mayu geraten mitten in dieses übernatürliche Drama und müssen herausfinden, was hier wirklich passiert ist.
Wie schon in früheren Versionen erzählt das Spiel seine Geschichte vor allem über Atmosphäre. Tagebücher, Visionen und kurze Begegnungen mit Geistern erzählen Stück für Stück, wie das Dorf einst unterging.
Die Kamera als einzige Waffe
Das zentrale Gameplay bleibt die berühmte Camera Obscura. Mit ihr lassen sich Geister fotografieren und dadurch besiegen. Der Kampf funktioniert nach einem simplen, aber spannenden Prinzip. Je näher ein Geist ist, wenn man ein Foto macht, desto stärker ist der Schaden. Das Spiel zwingt den Spieler also dazu, Gefahr bewusst zuzulassen. Wer zu früh abdrückt, verschwendet Film. Wer zu lange wartet, wird angegriffen.
Im Remake wurde dieses System deutlich erweitert. Die Kamera besitzt jetzt neue Funktionen wie Fokuspunkte, Zoom und verschiedene Filter, die sowohl im Kampf als auch bei der Erkundung eingesetzt werden können. Dadurch lassen sich Geister aus größerer Entfernung fotografieren oder mehrere Ziele gleichzeitig erfassen.

Auch das bekannte „Fatal Frame“-Fenster ist zurück. Wer genau im richtigen Moment fotografiert, löst eine kurze Phase aus, in der mehrere Fotos hintereinander möglich sind und enormer Schaden entsteht.
Neue Gameplay Ideen
Die größte neue Mechanik ist die Möglichkeit, Mayus Hand zu halten. Das klingt zunächst wie eine kleine Storyidee, hat aber direkte Auswirkungen auf das Gameplay. Wenn Mio ihre Schwester an der Hand führt, regenerieren sich Gesundheit und spirituelle Energie. Gleichzeitig verstärkt diese Mechanik die emotionale Bindung der beiden Figuren. Gerät Mayu jedoch in Gefahr, kann sie stürzen und muss gerettet werden. Dadurch entsteht eine zusätzliche Spannung während der Erkundung. Auch das Leveldesign wurde erweitert. Neue Gebäude, zusätzliche Schauplätze und neue Nebenstorys sorgen dafür, dass selbst Spieler, die frühere Versionen kennen, immer wieder überrascht werden.
Fatal Frame war nie ein schnelles Spiel, und das bleibt auch hier so. Man bewegt sich vorsichtig durch dunkle Häuser, untersucht alte Schreine und öffnet knarrende Türen.

Der Horror entsteht weniger durch Jumpscares als durch Atmosphäre. Schatten bewegen sich am Rand des Bildes, entfernte Stimmen hallen durch leere Gebäude und plötzlich steht ein Geist direkt hinter der Kamera.
Das Remake verstärkt diesen Effekt mit moderner Beleuchtung und deutlich detaillierteren Umgebungen. Gerade das verfallene Dorf wirkt jetzt viel glaubwürdiger und bedrückender als in früheren Versionen.
Technik und Präsentation
Visuell ist das Remake ein enormer Sprung. Charaktermodelle, Beleuchtung und Umgebungen wurden komplett neu erstellt. Realistischere Schatten und stärkerer Kontrast sorgen dafür, dass dunkle Räume noch bedrohlicher wirken. Auch der Sound wurde überarbeitet. Räumlicher Ton lässt Schritte, flüsternde Stimmen oder entfernte Geräusche präzise orten. Dadurch entsteht eine deutlich intensivere Horroratmosphäre. Technisch läuft das Spiel auf modernen Plattformen stabil, auch wenn die Switch 2 Version weiterhin auf 30 FPS setzt.
Schwächen des Remakes
Trotz der vielen Verbesserungen ist nicht alles perfekt. Einige Bewegungsanimationen wirken noch immer etwas steif, und das Tempo bleibt bewusst langsam. Für Fans klassischer Survival Horror Spiele ist das Teil der Atmosphäre, doch moderne Spieler könnten sich daran stören.
Auch die Steuerung fühlt sich stellenweise noch etwas schwerfällig an. Gerade in hektischen Kämpfen mit mehreren Geistern kann das frustrierend werden.
Vergleich zum Wii Test
Wer bereits das Wii Remake gespielt hat, merkt schnell, dass diese Version wesentlich ambitionierter ist. Während die Wii Fassung vor allem Technik und Perspektive anpasste, baut das neue Remake viele Bereiche komplett neu auf.
Neue Mechaniken, veränderte Levelstrukturen und zusätzliche Storyelemente sorgen dafür, dass sich das Spiel trotz bekannter Handlung frisch anfühlt.

Grafik und Sound
Grafisch gehört Fatal Frame 2 Remake zu den atmosphärisch stärksten Horrorspielen der letzten Jahre. Das Dorf wirkt dichter, dunkler und deutlich lebendiger als in allen vorherigen Versionen. Besonders nachts erzeugen Lichtquellen und Nebel eine intensive Horrorstimmung.
Der Soundtrack bleibt zurückhaltend, setzt aber in entscheidenden Momenten gezielt Akzente. Knarrende Holzböden, entfernte Schritte und plötzlich auftauchende Geistergeräusche sorgen dafür, dass selbst ruhige Passagen angespannt wirken.
Fazit
Fatal Frame II Crimson Butterfly Remake ist mehr als nur eine technische Neuauflage. Das Spiel baut das ursprüngliche Konzept neu auf und erweitert es mit modernen Mechaniken und deutlich verbesserter Präsentation.
Nicht jede Designentscheidung wirkt perfekt, und das bewusst langsame Tempo wird nicht jedem gefallen. Doch wer atmosphärischen Horror liebt, bekommt hier eine der intensivsten Erfahrungen des Genres. Für Fans der Reihe ist das Remake ohne Zweifel die bislang beste Möglichkeit, diese Geschichte zu erleben.
- Plattform: PlayStation 5 (getestet), Nintendo Switch 2
- Publisher: Koei Tecmo
- Entwickler: Team Ninja
- Genre: Survival Horror
- Release: 12. März 2026
- USK-Freigabe: 18

Schon seit meinem dritten Lebensjahr bin ich leidenschaftlicher Videospieler. Angefangen hat alles mit dem Nintendo Entertainment System – seitdem begleitet mich die Faszination für interaktive Welten bis ins Erwachsenenalter. Heute verbinde ich diese Leidenschaft mit meinem Beruf: Als PR-Manager, freier Redner und Texter arbeite ich in der Games- und Medienbranche und betreue Projekte rund um kreative Köpfe und spannende Marken. Ein besonderer Schwerpunkt meiner Arbeit liegt im Management und in der Betreuung japanischer Videospielentwicklertalente, die ich auf Conventions und Events weltweit vertrete.

