Resident Evil Requiem
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Resident Evil Requiem

Mit Resident Evil Requiem steht Capcom vor einer Aufgabe, die größer ist als ein weiterer Serienteil. Die Reihe hat sich seit Resident Evil mehrfach neu erfunden, sich von klassischem Survival Horror über bombastische Action bis hin zu klaustrophobischem First-Person-Terror bewegt. Spätestens mit Resident Evil 4 wurde Action zum dominierenden Element, während Resident Evil 7: Biohazard die Reihe wieder bewusst erdete. Requiem versucht nicht, sich für eine dieser Richtungen zu entscheiden. Es versucht, beide Identitäten zu vereinen und ihnen eine gemeinsame Basis zu geben. Das Ergebnis ist kein radikaler Neustart, sondern eine erstaunlich selbstbewusste Synthese.

Resident Evil Requiem
Resident Evil Requiem

Story und Figuren

Im Mittelpunkt stehen Leon S. Kennedy und Grace Ashcroft. Leon ist längst kein junger Idealist mehr, sondern ein Veteran, der zu viele Ausbrüche, zu viele Tote und zu viele gescheiterte Einsätze gesehen hat. Requiem nutzt das nicht nur als Hintergrundinfo, sondern baut es in die Inszenierung ein. Seine Dialoge wirken nüchtern, sein Auftreten kontrolliert, seine Professionalität beinahe mechanisch. Das Spiel deutet an, dass Routine nicht mit Verarbeitung gleichzusetzen ist. Trauma schwingt mit, ohne plakativ ausgesprochen zu werden.

Grace Ashcroft bildet dazu einen klaren Kontrast. Als FBI-Analystin mit forensischem Hintergrund bringt sie keine militärische Ausbildung, sondern analytisches Denken mit. Ihre Motivation speist sich aus persönlicher Verstrickung und Neugier, nicht aus Pflichtbewusstsein. Die parallele Erzählstruktur sorgt dafür, dass beide Figuren unterschiedliche Facetten derselben Katastrophe erleben. Dabei vermeidet Requiem reinen Fanservice. Alte Elemente werden nicht als Nostalgieobjekte präsentiert, sondern als logische Fortführung der Seriengeschichte. Die Handlung bleibt über weite Strecken fokussiert, auch wenn einzelne Wendungen eher emotional als rational überzeugen.

Gameplay und Systemtiefe

Spielerisch trennt Requiem seine Protagonisten deutlich. Leon wird primär in der Third-Person-Perspektive gespielt und steht für die actionorientierte DNA der Serie. Sein Kampfsystem ist schnell, direkt und flüssig. Präzise Treffer gehen in Nahkampfaktionen über, Gegner können entwaffnet oder in die Umgebung gestoßen werden. Explosive Objekte werden sinnvoll integriert und belohnen taktisches Denken. Ein Credit-System vergütet effiziente Kills und ermöglicht Upgrades an Versorgungskisten. Das verleiht seinen Abschnitten eine zusätzliche Dynamik, ohne das Ressourcenmanagement zu vernachlässigen.

Resident Evil Requiem
Resident Evil Requiem

Grace hingegen wird standardmäßig in First Person gespielt. Ihr Sichtfeld ist enger, ihre Bewegungen weniger souverän, ihre Bewaffnung eingeschränkt. Das Crafting basiert auf ihrem forensischen Wissen. Infiziertes Blut dient als Rohstoff für Munition, medizinische Injektoren oder chemische Wurfgeschosse. Besonders effektiv sind spezielle Injektoren für lautlose Eliminierungen. Trotz wachsender Möglichkeiten entsteht nie das Gefühl von Überlegenheit. Jede Konfrontation ist riskant, jeder Fehler kann tödlich enden. Diese klare Differenzierung sorgt dafür, dass sich beide Spielweisen nicht wie Variationen desselben Systems anfühlen, sondern wie zwei bewusste Designphilosophien. Beide Ansichten können jedoch jederzeit im Menü angepasst werden und sowohl in der 3rd oder Ego Perspektive gespielt werden.

Horror und Spannungsaufbau

Requiem erzeugt Spannung durch Kontrast. Grace’ Abschnitte setzen auf Unsicherheit, Geräuschkulisse und eingeschränkte Wahrnehmung. Gegner wirken übermächtig, Flucht ist oft sinnvoller als Kampf. Leon hingegen steht für kontrollierte Eskalation. Hier dominieren größere Gefechte, aggressivere Bosskämpfe und temporeichere Sequenzen. Interessanterweise mindert das die Horrorwirkung nicht, sondern verschiebt sie. Während Grace Angst durch Ohnmacht erzeugt, entsteht bei Leon Druck durch Überforderung und Zeitknappheit. Beide Ansätze ergänzen sich, statt sich gegenseitig zu neutralisieren.

Resident Evil Requiem
Resident Evil Requiem

Leveldesign und Struktur

Die Spielwelt bleibt strukturiert und bewusst nicht offen. Areale sind miteinander verzahnt, Abkürzungen werden freigeschaltet, verschlossene Türen später relevant. Klassisches Backtracking kehrt zurück, ohne altbacken zu wirken. Puzzle sind klar gestaltet, verändern sich bei späteren Durchläufen nicht und fördern damit effizientes Spielen. Gerade beim zweiten Run entsteht ein angenehmer Flow, weil man Wege kennt und Ressourcen besser einteilt. Gleichzeitig verlieren einige Überraschungsmomente an Intensität, da sie stark vom ersten Eindruck leben.

Grafik, Performance und Technik

Technisch gehört Requiem zu den stärksten Serienteilen. Die Beleuchtung arbeitet mit realistischen Lichtquellen, dynamischen Schatten und glaubwürdigen Reflexionen. Besonders in dunklen Innenräumen entfaltet das Spiel eine dichte Atmosphäre. Texturen wirken hochauflösend, Materialien besitzen erkennbare Struktur, und Gesichtsanimationen transportieren Emotionen deutlich besser als noch in früheren Ablegern.

Resident Evil Requiem
Resident Evil Requiem

Auf aktuellen Konsolen läuft das Spiel im Performance-Modus mit stabilen 60 Bildern pro Sekunde. Die Framerate bleibt auch in größeren Gefechten konstant und zeigt nur selten minimale Einbrüche, die im Spielgeschehen kaum auffallen. Im Qualitätsmodus wird die Auflösung erhöht und Raytracing-Effekte treten stärker in den Vordergrund, wobei die Bildrate auf 30 FPS begrenzt ist. Beide Modi laufen sauber, Abstürze oder gravierende Bugs traten im Test nicht auf. Ladezeiten sind kurz, Arealwechsel erfolgen nahezu ohne Wartezeit. Insgesamt hinterlässt die technische Umsetzung einen sehr ausgereiften Eindruck.

Sounddesign, Soundtrack und Premium-Inhalte

Das Sounddesign ist einer der größten Pluspunkte. Schritte hallen realistisch durch Korridore, entfernte Geräusche werden präzise positioniert, und das Nachladen einer Waffe klingt satt und mechanisch. Musik wird sparsam eingesetzt und überlässt oft der Stille die Bühne. Wenn der Soundtrack einsetzt, unterstützt er gezielt dramatische Momente, ohne sie zu überfrachten.

Die Premium-Edition bietet zusätzlich digitale Boni, darunter klassische Soundeffekte aus früheren Serienteilen. Menügeräusche, Speicher-Sounds oder Inventarbestätigungen können optional auf Retro-Klänge umgestellt werden, was für langjährige Fans eine charmante Dreingabe darstellt. Hinzu kommen digitale Artworks und ein Soundtrack-Paket. Diese Extras verändern das Spiel nicht grundlegend, sind aber liebevolle Ergänzungen für Serienkenner.

Fazit

Resident Evil Requiem ist keine radikale Neuerfindung, sondern eine bewusste Zusammenführung zweier Serienidentitäten. Die Verbindung aus Third-Person-Action und First-Person-Horror wirkt organisch und durchdacht. Story und Figuren werden ernster genommen als in vielen Vorgängern, das Gameplay ist ausgereift, und technisch präsentiert sich das Spiel auf hohem Niveau mit stabiler Performance und starkem Sounddesign. Requiem ist vielleicht nicht das experimentellste Kapitel der Reihe, aber eines der geschlossensten und souveränsten.

Resident Evil Requiem
Resident Evil Requiem
  • Plattform: PlayStation 5 (getestet), Nintendo Switch 2, Xbox Series X, Steam
  • Publisher: Capcom
  • Entwickler: Capcom
  • Genre: Survival Horror
  • Release: 27. März 2026
  • USK-Freigabe: 18