Hades II ist die erste direkte Fortsetzung des Entwicklerstudios Supergiant Games, was alleine durch den immensen Erfolg des Vorgängers niemand verwundern sollte. Auch wenn es Roguelites schon 2020 in Hülle und Fülle gab, hat Hades dem Genre eindeutig seinen Stempel aufgedrückt. Wie so üblich bei solchen „Meilensteinen“ werden gleichartige Spiele am Primus gemessen oder auch kategorisiert Stichwort „Hades-Like“. Ganze 5 Jahre hat es jetzt gedauert, bis die Vollversion aus einer langen Early Access Phase nun auf dem PC und zeitkonsolenexklusiv auf Nintendos Switch Systemen erschienen ist. Wir haben die Switch 2-Version getestet und abermals Stunden um Stunden investiert.
Here we go again…
Als konsequente Fortsetzung bedient sich Hades II vor allem der Formel: von all dem, was schon in Teil 1 gelungen war gibt es jetzt noch mehr von. Mehr Waffen, die ihr nutzen, noch mehr Charaktere, zu denen ihr Beziehungen aufbauen könnt, mehr Sammelkram, dass zum Upgraden dient und auch mehr Regionen, die ihr betreten werdet. Diese wurden im Vergleich zu Hades von 4 auf 8 verdoppelt.
Teil 2 erzählt die Geschichte von Melinoë, Tochter des Hades, die auf Rache aus ist. Denn ihr Großvater Chronos hat sich aus seinem eigentlich ewig andauernden Gefängnis befreit und Tabula Rasa im Haus Hades gemacht. Bedeutet, das gesamte Haus von Melinoës Vater liegt in Trümmern, und Hades wurde in Ketten gelegt. Dazu wurden ihr Bruder Zagreus (Held aus Teil 1), ihre Mutter Persephone und viele bekannte Gesichter des Vorgängers außer Gefecht gesetzt. Als das geschah, war Melinoë noch ein Baby und im Trubel dieser Auseinandersetzung konnte die Hexe Hekate auf Wunsch Hades sich das Kind schnappen und in Sicherheit bringen. Hekate wurde so Melinoës Ziehmutter und Mentorin und bereitet seitdem Melinoë darauf vor, Chronos das Handwerk zu legen.
Anstatt des Hauses von Hades ist nun der Kreuzweg die Hubwelt im zweiten Teil. Hier bereitet ihr euch auf einen „Run“ vor und führt Gespräche mit den Sagengestalten der griechischen Mythologie wie Odysseus, der ebenfalls dort als sogenannter Schatten haust. Was den Fortschritt angeht, gibt auch Hades II ein angenehmes Tempo vor, ohne, dass es auch gleich mit zig Spielsystemen erschlägt. Prinzipiell gilt, einfach alles Einsammeln, was ihr entdeckt, es wird schon seinen Sinn ergeben. Um euch permanente Verbesserungen für Melinoë zu geben, dienen die Arkana-Karten. Diese insgesamt 25 Stück schaltet ihr nach und nach frei und können zudem zusätzlich noch verbessert werden, sofern ihr die Kosten bezahlen könnt. Ebenso lassen sich nicht alle auf einmal aktivieren (Aktivierungskosten liegen zwischen 0-5 Wissen), da eurer Arkanes Wissen auf maximal 30 begrenzt ist. Und für die Steigerung dieses Wissens, um überhaupt dann irgendwann auf den Höchstwert von 30 zu kommen, benötigt ihr natürlich auch wieder Materialien.

Es lohnt sich aber definiiv, in diese Karten zu investieren, da sie genau die Stellschrauben sind, um euch das Leben etwas zu erleichtern. Gleiches gilt auch wieder um die mannigfaltig vorhandenen Anhänger, von denen ihr immer nur einen tragen könnt. Sie gewähren euch Boni wie ein Leben mehr, einen Goldbonus direkt ab dem Start oder auch, dass ein Boss automatisch zu Kampfbeginn Schaden erleidet, ihr dafür im Gegenzug aber auch mehr pro erlittenen Treffer einstecken müsst. Neu hinzugekommen sind tierische Gefährten, die ihr relativ früh im Spiel anheuern könnt. Auch sie geben kleine Boni wie, dass sie eure Ausweichchance erhöhen und zudem Schaden austeilen können.
Habt ihr euch vorbereitet, steht der nächste Versuch an, entweder Chronos in der Unterwelt oder dem Übel in der Oberwelt, das sich über dem Olymp zusammengebraut hat, das Handwerk zu legen. Beide Widersacher gehören zu einer zusammenhängenden Geschichte, ihr werdet also zigmal sowohl in der Unter-, als auch Oberwelt unterwegs sein.
Hier erlangt als Belohnung für einen abgeschlossenen Raum häufig auch wieder die Göttergaben des Olymp, die innerhalb eines Runs eure Fähigkeiten verstärken und ihnen spezifische Eigenschaften verleihen. Durch die Hereinnahme weiterer Gottheiten fallen die Kombinationsmöglichkeiten gegenüber Teil noch üppiger aus. Wie alles im Spiel macht es einfach Spaß, Dinge auszuprobieren. Ihr werdet sogar dafür belohnt, indem ihr so eine der zahlreichen Prophezeiungen erfüllt, dessen Voraussetzungen ihr euch an der Wegkreuzung ansehen könnt und mit lukrativen Belohnungen locken.

Hauptsache in Bewegung bleiben
Von der Herangehensweise her mit der Mischung aus Angreifen und Ausweichen von gegnerischen Attacken, hat sich in Hades II nicht viel verändert. Neuerungen sind, dass Entwickler Supergiant Games die Art, wie der Sprint vollzogen wird geändert hat. Ihr sprintet nach wie vor auf dem B-Knopf geht aber dann in einen Spurt über, sofern der Knopf weiterhin gedrückt ist. Eine Nuance, die sich dennoch im Gamefeel gegenüber Teil 1 anders anfühlt. Völlig neu dagegen ist, was nun die Aktion auf dem A-Knopf bewirkt. Denn Melinoë beschwört einen Bannkreis, der die Bewegung euer Feinde stoppt. Da ihr häufig einer Übermacht an Feinden gegenübersteht, ist der Bannkreis im passenden Moment ein richtiger Gamechanger. Durch Göttergaben kann er dazu auch kräftig Schaden austeilen. Was ebenfalls neu ist, ist die Hereinnahme von Mana, das ihr braucht, um aufgeladene Attacken auszuführen und auch für andere Aktionen verwendet wird. Sowieso immer wichtig ist es, gegnerischen Attacken auszuweichen, da sie euch gut zusetzen können und es nicht immer möglich ist, während einer Region die Lebensenergie aufzufrischen. Früh zu „sterben“ ist auch bei Hades II vollkommen normal.
Um mal kurz aus meiner eigenen Spielererfahrung zu sprechen: Zu Beginn fühlte sich keiner der neuen Waffen im Vergleich zu Teil 1 wirklich gut an. Entweder waren sie mir in der Ausführung zu langsam, oder machten zu wenig schaden. Dazu kam, dass es eine Weile gedauert hat, bis ich mal den zweiten Boss besiegt habe. Solche Hürden traten immer wieder auf, sodass ich manchmal dachte, ich würde bis auf das Einsammeln verschiedener Materialien kaum einen Fortschritt erzählen. Tja, je länger die Spielerfahrung wurde, umso souveräner wurde ich. Hades II ist ein Paradebeispiel dafür, wie sehr Übung (Umgang mit den Waffen und Kennenlernen euer Gegner und deren Attacken) sowie das damit verbundene Wissen, auf welche Fähigkeiten und Gaben es im jeweiligen Run ankommt, der Schlüssel zum Sieg sind. Übung macht hier eindeutig den Meister. Hat es Stunden gedauert, um überhaupt einmal den Endboss in der Oberwelt zu legen, ist es nun für mich möglich, ihn mehrfach hintereinander zu begegnen und zu bewältigen. Langeweile oder gar Frustration trat dabei nie auf, die Lust auf noch eine weitere Runde hält bis jetzt nach über 80 Stunden und im Endgame immer noch an. Frustieren kann das Spiel auch aufgrund der Tatsache nicht, dass ihr den optionalen Göttermodus einschalten könnt, der euch unter die Arme greift.

Was übt also noch einen Reiz aus?
Ich bin immer noch dabei den Epilog zu beenden, der an bestimmten Bedingungen verknüpft ist, ich habe bei weitem noch nicht alle Beziehungen auf Maximum ausgebaut, ähnlich gelagert sieht es beim Upgraden meiner Waffen aus und meine Arkana habe ich auch noch nicht alle auf der höchsten Stufe. So sehr ressourcenverschlingend sind diese Aufgaben. Aber das wäre nicht so sehr motivierend, wenn es keine Herausforderung mehr gäbe. Diese kommt wie bei Teil 1 (Hitze) nun in Form von Furcht daher. Mithilfe der individuell einzustellenden Furcht macht ihr euch das Spielgeschehen wieder herausfordernder, indem mehr Gegner auftauchen, diese mehr Leben haben oder auch immer eine Rüstung tragen, diese euch mehr Schaden zufügen, dass Bosskämpfe neu und schwieriger arrangiert sind, Gold weniger wert ist etc. Natürlich gibt es auch hier verschiedene Errungenschaften zu erlangen, wodurch die Motivation hochgehalten wird. Dazu verdient sich das gesamte audiovisuelle Design die Höchstnote, man hat das Gefühl, dass jeder Raum fein ausgestaltet wurde. Jede Region hat sein eigenständiges Thema, in denen ihr massig Details entdeckt, wenn ihr einfach mal stehen bleibt. Dennoch ist das Spiel gut lesbar, auch wenn es – vor allem zu Beginn – vorkommen kann, dass ihr im Gegner-Wirrwarr samt eigener und gegnerischen Attacken die Übersicht verliert. Die Musik, bestehend aus Remixen aus Teil 1 und vieler neuer Stücke gibt sich auch in Hades II keine Blöße, das gleiche gilt für die Synchronsprecher, die alle ihren Job tadellos machen. Nichts zu meckern gibt es auch an der Performance auf der Switch 2. 60 Bilder im Handheldmodus und 120 auf dem TV, einfach nur ein geschmeidiges Erlebnis.

Fazit:
Es sind wieder einmal all diese kleinen Zahnrädchen, die im Design ineinandergreifen und Hades II zu einem Must Have Titel auf der Switch 2 werden lassen. Das einzige, was euch davon abhalten kann ist, wenn ihr mit dem Genre nichts anfangen könnt. Wobei hier der zufällig generierte Levelablauf keine Rolle spielt, da nichts generisch wirkt. Ebenso könnte man übertrieben kritisch einwerfen, dass Teil 2 more of the same ist, nur eben mehrere Schippen draufgelegt. Selbst wenn: Nach 5 Jahren ist es genau das, was ich haben wollte. Klare Empfehlung von mir.
- Plattform: Nintendo Switch 2 (getestet) auch für Nintendo Switch und PC erhältlich
- Publisher: Supergiant Games
- Entwickler: Supergiant Games
- Genre: Roguelite, Hack and Slay
- Spieleranzahl: 1
- Release: 25.09.2025
- Preis zum Start: 29,99 (digital), 49,99 (physische Version)
- USK-Freigabe: 12

Wenn ich daran denke, dass ich mehr in meinem Leben mit Videospielen zu tun hatte als nicht, zeigt es mir zum einen, wie alt ich bin und wie lange ich mittlerweile dem Gaming zugetan bin. Meine erste Konsole war das SNES und spätestens ab diesem Zeitpunkt war ich dieser Leidenschaft verfallen, die bis heute anhält. Auch wenn durch den Alltag leider die Zeiten von verspielten Tagen vorbei sind.

