OBAKEIDORO 2: Chase & Seek
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OBAKEIDORO 2: Chase & Seek

Es gibt Spiele, die man alleine spielt, um sich über mehrere Abende hinweg durch eine riesige Kampagne zu arbeiten. Und dann gibt es Spiele wie OBAKEIDORO 2: Chase & Seek die eigentlich nur eine einzige Frage stellen: Wer hat gerade Lust auf eine schnelle Runde? Das Spiel von Free Style erinnert auf den ersten Blick an eine sehr vereinfachte, deutlich freundlichere Variante von Dead by Daylight, nimmt dessen Grundidee aber und macht daraus ein ausgesprochen unkompliziertes Mehrspieler-Spiel, das vor allem mit Freunden und der Familie funktioniert. Drei Minuten dauert eine Runde, die Regeln sind nach wenigen Sekunden verstanden und dank der niedlichen Chibi-Figuren wirkt selbst die Jagd auf andere Spieler eher wie ein turbulentes Fangspiel als wie ein Horror-Erlebnis.

Das Grundprinzip ist schnell erklärt. Eine Gruppe übernimmt die Rolle von Menschen, während ein Spieler als Monster Jagd auf sie macht. Die Menschen müssen sich verstecken, davonlaufen und möglichst drei Minuten lang überleben. Das Monster wiederum muss versuchen, sämtliche Menschen zu fangen, bevor die Zeit abläuft. Mehr braucht es für eine Runde tatsächlich nicht. Gerade diese Einfachheit ist aber eine der größten Stärken von Obakeidoro 2, denn das Spiel verlangt weder lange Erklärungen noch ein ausführliches Tutorial, bevor der eigentliche Spaß beginnen kann. Man setzt sich gemeinsam vor die Konsole, verteilt die Controller und schon kann die erste Runde losgehen.

Drei Minuten, dann ist Schluss

Die kurze Spielzeit ist dabei keineswegs nur ein nettes Detail. Sie bestimmt, wie Obakeidoro 2 gespielt wird. Drei Minuten sind lang genug, damit eine Jagd spannend werden kann, aber kurz genug, dass eine Niederlage nicht wirklich wehtut. Wer als Mensch geschnappt wird, muss nicht zehn oder zwanzig Minuten zuschauen, sondern kann schon kurze Zeit später die nächste Runde starten. Das macht einen großen Unterschied, gerade wenn mehrere Personen gemeinsam spielen und nicht jeder ständig darauf warten möchte, dass eine Partie endlich vorbei ist.

OBAKEIDORO 2: Chase & Seek
OBAKEIDORO 2: Chase & Seek

Als Mensch geht es zunächst darum, möglichst unauffällig zu bleiben. Die Umgebung bietet Möglichkeiten zum Verstecken, und wer seine Sichtbarkeit reduziert, kann es dem Monster deutlich schwerer machen, ihn aufzuspüren. Gleichzeitig kann man natürlich auch einfach die Beine in die Hand nehmen und versuchen, dem Verfolger davonzulaufen. Hinzu kommen Sprünge und Doppelsprünge sowie die Laterne, mit der sich das Monster für einige Sekunden betäuben lässt. Allerdings ist die Laterne kein Werkzeug, das man beliebig oft einsetzen kann. Zu Beginn steht nur eine Ladung zur Verfügung. Weitere Ladungen erhält man erst, wenn man gefangen und aus dem Käfig befreit wurde.

Damit entsteht eine nette kleine Dynamik. Wer seine Laterne sofort verschwendet, hat später möglicherweise ein Problem. Wer sie dagegen zu lange aufspart, kann ebenfalls in Schwierigkeiten geraten. Gerade in einer Gruppe kommt außerdem die Frage hinzu, ob man sich gegenseitig hilft oder lieber dafür sorgt, dass das Monster zunächst einen anderen Spieler verfolgt. Das Spiel macht aus diesen sehr einfachen Möglichkeiten erstaunlich unterhaltsame Situationen.

Menschen gegen Monster

Die drei menschlichen Figuren unterscheiden sich nicht nur optisch, sondern besitzen jeweils eine eigene Spezialfähigkeit. Diese Fähigkeiten können eingesetzt werden, um sich selbst zu helfen, aber auch um den anderen Spielern einen Vorteil zu verschaffen oder die Jagd des Monsters zu erschweren. Dadurch entsteht trotz der ausgesprochen einfachen Grundmechanik ein wenig taktische Abwechslung. Man muss keine komplizierten Builds erstellen und auch keine umfangreichen Fähigkeiten miteinander kombinieren. Es reicht, im richtigen Moment die richtige Fähigkeit einzusetzen.

OBAKEIDORO 2: Chase & Seek
OBAKEIDORO 2: Chase & Seek

Auf der anderen Seite steht das Monster. Dessen Aufgabe ist deutlich offensichtlicher: Menschen finden, verfolgen und fangen. Auch die Monster verfügen über eigene Spezialfähigkeiten und werden zusätzlich von sogenannten Ghoulians unterstützt. Diese Helfer können die Jagd erleichtern und dafür sorgen, dass sich die Menschen nicht einfach dauerhaft in einer sicheren Ecke verstecken können. Allerdings besitzt auch das Monster nur eine begrenzte Spezialfähigkeit, die anschließend erst wieder abkühlen muss. Wer danebenliegt, wird außerdem kurzzeitig langsamer. Blindlings auf die Menschen loszustürmen, funktioniert deshalb nicht immer.

Genau hier entwickelt OBAKEIDORO 2: Chase & Seek einen kleinen Unterschied zwischen einem guten und einem schlechten Monster-Spieler. Wer einfach nur hinter dem nächsten Menschen herrennt, wird schnell ausgetrickst. Wer dagegen versucht, Bewegungen vorauszuahnen und seine Fähigkeiten im richtigen Moment einzusetzen, hat wesentlich bessere Chancen. Das Ganze bleibt trotzdem sehr zugänglich und verlangt keine stundenlange Einarbeitung.

Offline mit der Familie

Besonders viel Spaß macht Obakeidoro 2 dort, wo mehrere Menschen tatsächlich gemeinsam vor einer Konsole sitzen. Das Spiel lässt sich offline mit bis zu vier Spielern spielen. Wer über ein lokales LAN-Setup verfügt, kann die Spielerzahl sogar auf acht erhöhen. Damit richtet sich das Spiel ganz eindeutig an Situationen, in denen mehrere Leute gemeinsam spielen wollen.

Im lokalen Mehrspieler-Modus wird der Bildschirm aufgeteilt. Je nach Spielerzahl gibt es zwei oder vier Bildschirmbereiche. Das funktioniert grundsätzlich gut, allerdings sollte man schon einen ausreichend großen Fernseher besitzen, wenn mehrere Personen gleichzeitig spielen. Auf einem kleinen Bildschirm kann es schnell unübersichtlich werden. Hinzu kommt ein Problem, das bei solchen Spielen praktisch unvermeidbar ist: Wenn mehrere Spieler ähnliche oder sogar identische Figuren verwenden, kann man während der hektischen Verfolgungsjagd schnell einmal den Überblick verlieren.

Und natürlich eröffnet das lokale Spielen auch Raum für ein wenig Schummelei. Wer genau weiß, wo sich die anderen Spieler befinden, kann sich theoretisch einen Vorteil verschaffen. Bei einem kompetitiven E-Sport-Spiel wäre das ein ernsthaftes Problem. Bei OBAKEIDORO 2: Chase & Seek gehört es eher zu dem Chaos, das entsteht, wenn man mit Freunden oder der Familie auf der Couch sitzt und sich gegenseitig anfeuert, auslacht oder beschuldigt, geschummelt zu haben.

OBAKEIDORO 2: Chase & Seek
OBAKEIDORO 2: Chase & Seek

Freischalten, sammeln und verbessern

Ganz ohne Fortschritt kommt das Spiel ebenfalls nicht aus. Durch das Spielen werden Münzen verdient, mit denen neue Inhalte freigeschaltet werden können. Dazu gehören weitere Menschen, Monster und Laternen. Die Tatsache, dass zu Beginn nur eine begrenzte Auswahl zur Verfügung steht, gibt einen kleinen zusätzlichen Anreiz, immer wieder eine Runde einzulegen.

Interessanter wird das System durch die individuellen Skilltrees der Figuren. Sowohl Menschen als auch Monster besitzen eigene Entwicklungswege. Wer bestimmte Bedingungen erfüllt, kann dadurch ihre Fähigkeiten beziehungsweise Eigenschaften verbessern. Das ist kein riesiges RPG-System und will es auch gar nicht sein. Vielmehr handelt es sich um eine kleine zusätzliche Ebene, die dafür sorgt, dass die Matches nicht völlig losgelöst voneinander existieren.

Gerade bei einem Spiel, dessen einzelne Runden nur drei Minuten dauern, ist das sinnvoll. Man spielt nicht ausschließlich für den unmittelbaren Sieg, sondern arbeitet nebenbei auf neue Freischaltungen hin. Dadurch fühlt sich eine verlorene Runde zumindest nicht völlig nutzlos an.

Solo funktioniert, aber das eigentliche Highlight sitzt auf der Couch

Natürlich kann OBAKEIDORO 2: Chase & Seek auch alleine gespielt werden. Das ist praktisch, wenn gerade niemand verfügbar ist oder man erst einmal die verschiedenen Figuren kennenlernen möchte. Seine eigentliche Stärke entfaltet das Spiel aber eindeutig dann, wenn mehrere Menschen beteiligt sind. Das liegt nicht daran, dass der Solomodus grundsätzlich schlecht wäre, sondern schlicht daran, dass das Konzept von den menschlichen Reaktionen lebt.

Es macht einen Unterschied, ob ein Computergegner hinter einem herläuft oder ob der eigene Bruder, die Partnerin oder ein Freund gerade versucht, einen in die Ecke zu treiben. Plötzlich wird aus einer simplen Fluchtroute eine kleine psychologische Schlacht. Man weiß, dass der andere weiß, wo man sein könnte, und versucht deshalb, einen völlig anderen Weg einzuschlagen. Dann taucht das Monster doch plötzlich auf, die Laterne wird hektisch gezündet und innerhalb weniger Sekunden ist die gesamte Situation wieder eine andere. Diese kleinen Geschichten entstehen fast automatisch und sind letztlich der Grund, weshalb die kurze Spieldauer so gut funktioniert.

OBAKEIDORO 2: Chase & Seek
OBAKEIDORO 2: Chase & Seek

Eine sympathische Präsentation

Optisch setzt OBAKEIDORO 2: Chase & Seek nicht auf realistischen Horror, sondern auf einen ausgesprochen niedlichen Chibi-Stil. Menschen und Monster sind bewusst knuffig gestaltet, wodurch das Spiel eine völlig andere Atmosphäre bekommt als die Survival-Horror-Spiele, an deren Mehrspielerprinzip es entfernt erinnert. Selbst wenn das Monster einen Spieler verfolgt, entsteht dadurch keine wirklich düstere Horrorstimmung. Das Spiel will vielmehr charmant, verspielt und ein wenig chaotisch sein.

Diese Entscheidung passt hervorragend zum Konzept. Ein brutaler oder realistischer Look hätte den unkomplizierten Familiencharakter des Spiels eher beschädigt. Stattdessen wirkt alles zugänglich und freundlich. Das macht Obakeidoro 2 auch für Spieler interessant, die mit Horror normalerweise wenig anfangen können.

Der Umfang lebt vom Wiederspielen

Wer von OBAKEIDORO 2: Chase & Seek eine riesige Kampagne, unzählige Karten und ein umfangreiches Fortschrittssystem erwartet, wird vermutlich enttäuscht sein. Das Spiel ist auf kurze Mehrspielerpartien ausgelegt und muss deshalb auch anders bewertet werden. Die entscheidende Frage ist nicht, wie viele Stunden man einmalig damit verbringen kann, sondern ob man nach einer Runde direkt noch eine spielen möchte.

Die Voraussetzungen dafür sind vorhanden. Neue Charaktere, Monster, Laternen und Fähigkeiten sorgen für zusätzlichen Anreiz, während die kurzen Matches verhindern, dass sich das Spiel unnötig in die Länge zieht. Auch saisonale beziehungsweise thematisch passende Inhalte machen das Konzept interessant. Gerade rund um Halloween passt die Mischung aus Monstern, Laternen und Versteckspiel natürlich besonders gut.

Gleichzeitig bleibt abzuwarten, wie stark das Spiel langfristig durch weitere Updates erweitert wird. Zum aktuellen Stand ist das Grundgerüst vorhanden, aber die Langzeitmotivation hängt stark davon ab, wie viel Freude man an wiederholten Drei-Minuten-Partien hat.

Fazit

OBAKEIDORO 2: Chase & Seek versucht gar nicht erst, aus seinem simplen Spielprinzip ein riesiges Multiplayer-Erlebnis zu machen. Und das ist wahrscheinlich die richtige Entscheidung. Die Matches sind kurz, die Regeln schnell verstanden und die niedliche Präsentation nimmt dem Ganzen jede unnötige Schwere. Menschen verstecken sich, Monster machen Jagd, die Laterne wird im richtigen Moment eingesetzt und nach drei Minuten ist die Runde vorbei. Dann wird der Controller weitergereicht und die nächste Partie beginnt.

Seine größte Stärke ist deshalb auch nicht irgendein besonders ausgefeiltes System, sondern die Tatsache, dass OBAKEIDORO 2: Chase & Seek sehr schnell zu verstehen ist und trotzdem für kleine Geschichten sorgt. Wer gemeinsam mit Freunden oder der Familie spielen möchte, bekommt hier ein unkompliziertes Fangspiel, das sich wunderbar für kurze Sessions eignet. Besonders der lokale Mehrspieler-Modus macht das Spiel interessant, während die freischaltbaren Charaktere, Monster und Skilltrees dafür sorgen, dass es über die ersten Partien hinaus noch etwas zu entdecken gibt.

Wer dagegen hauptsächlich alleine spielt und nach einem umfangreichen Multiplayer-Erlebnis mit riesigem Umfang sucht, sollte seine Erwartungen entsprechend anpassen. OBAKEIDORO 2: Chase & Seek ist kein Spiel, das mit seiner Größe beeindrucken möchte. Es will drei Minuten lang für Chaos sorgen und danach direkt die nächste Runde starten lassen. Und genau darin liegt sein Charme.

  • Plattform: Nintendo Switch 2 (getestet)
  • Publisher: Free Style
  • Entwickler: Free Style
  • Genre: Multiplayer Action
  • Release: 06. August 2026
  • USK-Freigabe: 12