Duskfade
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Duskfade

Es gibt Spiele, bei denen man schon nach wenigen Minuten ziemlich genau weiß, was die Entwickler vor Augen hatten. Bei Duskfade ist das keine besonders schwer zu lösende Aufgabe: Hier stehen die großen 3D-Action-Platformer der frühen 2000er Pate. Jak & Daxter, Ratchet & Clank, Sly Cooper und natürlich Kingdom Hearts sind die Namen, die einem unweigerlich durch den Kopf gehen, während man durch die Welt von Tearfeld läuft, springt und sich mit dem Schwert durch Gegnerhorden arbeitet.

Das ist zunächst einmal eine gute Ausgangslage. Schließlich gehören diese Spiele zu einer Zeit, in der 3D-Platformer noch längst nicht ausschließlich aus möglichst großen offenen Welten bestanden. Es gab überschaubare Areale, klare Aufgaben, neue Fähigkeiten, die später bereits besuchte Gebiete wieder interessant machten, und vor allem einen Helden, der im Laufe des Spiels immer mehr Möglichkeiten bekam. Duskfade versucht ziemlich genau dieses Gefühl zurückzubringen, verpasst seinem Vorbild aber einen deutlich düstereren Anstrich.

Duskfade
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Die Welt von Tearfeld ist in ewige Dunkelheit getaucht. Verantwortlich dafür sind die Clockmakers, und mitten in diesem ziemlich ungemütlichen Zustand findet sich der junge Zirian wieder. Seine Reise ist allerdings nicht einfach nur eine klassische „rette die Welt“-Geschichte. Seine Schwester sitzt in einem Uhrturm fest, wo eine geheimnisvolle Macht namens Despair ihr Unwesen treibt. Zusammen mit dem kleinen Vogel Cuckoo macht sich Zirian auf den Weg, die Dunkelheit zu durchbrechen und seine Schwester zurückzuholen.

Das klingt nach einer klassischen Ausgangslage für ein Action-Adventure und genau das ist Duskfade letztlich auch. Das Spiel versucht nicht, das Genre neu zu erfinden. Es nimmt bekannte Zutaten, setzt sie in eine Welt aus Uhrwerken, Zeit und Dunkelheit und versucht daraus ein modernes PS2-Abenteuer zu machen. Und tatsächlich funktioniert das über weite Strecken erstaunlich gut. Nur fehlt dem Spiel etwas, das seine großen Vorbilder ganz selbstverständlich besaßen: Charakter.

Zirian und Cuckoo die neue Kombo

Zirian ist kein schlechter Protagonist. Das Problem ist eher, dass er kaum etwas besitzt, das ihn aus der Masse der 3D-Platformer-Helden heraushebt. Seine Motivation ist nachvollziehbar, seine Aufgabe klar und sein Design passt zur Welt. Aber wenn man nach dem Spiel gefragt wird, was Zirian eigentlich so besonders macht, fällt die Antwort schwer.

Ähnlich verhält es sich mit Cuckoo. Der Vogel ist nicht einfach nur Begleiter, sondern wird im Verlauf des Spiels tatsächlich immer stärker in Zirians Fähigkeiten eingebunden. Durch Verbesserungen kann Cuckoo bei der Erkundung und im Kampf eine größere Rolle übernehmen. Das ist spielerisch sinnvoll, nur hätte man sich gewünscht, dass die beiden auch als Figuren stärker miteinander funktionieren.

Gerade hier merkt man den Abstand zu Jak & Daxter oder Banjo-Kazooie. Dort war der Begleiter ein wesentlicher Teil der Identität des Spiels. Die Figuren hatten Persönlichkeit, haben sich gegenseitig kommentiert und waren schon durch ihre Dialoge unterhaltsam. Cuckoo ist dagegen eher ein Werkzeug, das im Laufe des Spiels immer nützlicher wird. Das ist kein großes Problem für das Gameplay, aber für die Atmosphäre verschenkt Duskfade damit einiges.

Duskfade
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Auch die Bewohner von Tearfeld können daran wenig ändern. Die Cloudy sind eine freundliche, etwas ungewöhnliche Bevölkerung, die Zirian unterwegs begegnet. Sie erzählen kleine Geschichten, geben Hinweise oder kommentieren ihre Umgebung. Das ist nett und sorgt dafür, dass die Welt nicht vollkommen leer wirkt. Wirklich in Erinnerung bleiben diese Begegnungen allerdings selten.

Das ist überhaupt eine der größten Schwächen des Spiels: Duskfade hat eine Welt, aber es fehlt ihr häufig an Leben. Man sieht, dass sich die Entwickler Gedanken über das Setting gemacht haben. Die Uhrwerk-Ästhetik, die ewige Nacht und die unterschiedlichen Regionen ergeben ein interessantes Gesamtbild. Nur wird daraus nicht immer eine Welt, in der man sich wirklich zu Hause fühlt.

Ein 3D-Platformer wie aus einer anderen Zeit

Beim eigentlichen Spielen kommt Duskfade seiner Vorlage dann deutlich näher. Zirian läuft, springt, rollt, weicht aus und schwingt sein Schwert. Das klingt zunächst ziemlich unspektakulär, ist aber genau das, was das Spiel möchte. Hier geht es nicht darum, mit einer riesigen Anzahl an Systemen um Aufmerksamkeit zu kämpfen. Die Freude entsteht daraus, dass Zirian im Laufe des Abenteuers immer mehr Möglichkeiten bekommt und die Umgebungen diese Fähigkeiten anschließend auch nutzen.

Der Doppelsprung gehört selbstverständlich dazu. Dazu kommt eine Rolle, mit der sich größere Entfernungen überwinden lassen und die später durch weitere Fähigkeiten noch interessanter wird. Besonders schön ist, dass die Bewegung dadurch nicht auf den klassischen Sprung von Plattform zu Plattform beschränkt bleibt. Mit den richtigen Verbesserungen kann Zirian gleiten, zusätzliche Bewegungen in der Luft ausführen und später sogar einen Greifhaken einsetzen.

Und genau an dieser Stelle fühlt sich Duskfade angenehm altmodisch an. Eine neue Fähigkeit bedeutet nicht einfach nur, dass der nächste Eintrag im Fähigkeitenmenü freigeschaltet wurde. Sie verändert tatsächlich die Art, wie man sich durch die Welt bewegt. Plötzlich sind Plattformen erreichbar, die vorher außerhalb der eigenen Möglichkeiten lagen, und Stellen, an denen man beim ersten Besuch nur einen interessanten Gegenstand sehen konnte, lassen sich später tatsächlich erreichen.

Duskfade
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Das ist eines der Elemente, die moderne 3D-Platformer gerne vergessen. Ein gutes Upgrade sollte nicht nur dafür sorgen, dass die Spielfigur mehr Schaden verursacht. Es sollte neue Wege eröffnen. Duskfade versteht das.

Ganz fehlerfrei ist die Plattform-Action allerdings nicht. Gelegentlich ist nicht ganz klar, ob Zirian eine Kante tatsächlich greifen kann oder ob der Sprung einfach ins Leere führt. Das ist vor allem dann ärgerlich, wenn man gerade eine längere Plattformpassage absolviert und wegen einer schwer einzuschätzenden Kante wieder von vorne anfangen darf. Es sind keine Fehler, die das Spiel unspielbar machen, aber sie verhindern, dass sich die Steuerung wirklich so präzise anfühlt wie bei den Genregrößen.

Das Uhrwerk hinter Zirians Fähigkeiten

Die Verbesserungen gehören zu den gelungensten Elementen von Duskfade. Während der Reise findet Zirian blaue Kristalle, die sich beim entsprechenden Händler in neue Fähigkeiten investieren lassen. Dazu kommen spezielle Zahnräder, die einzelne Aspekte seiner Fähigkeiten verändern oder verbessern.

Das reicht von zusätzlichen Schwertangriffen nach einer Ausweichrolle bis hin zu Verbesserungen für die Fortbewegung. Besonders passend ist eine Fähigkeit, die nach einem erfolgreichen Ausweichmanöver die Zeit verlangsamen kann. Damit verbindet das Spiel sein wichtigstes Thema – die Zeit – direkt mit dem Gameplay.

Später kommen weitere Werkzeuge hinzu, allen voran der Greifhaken. Damit werden nicht nur neue Bereiche zugänglich, sondern auch bereits bekannte Umgebungen bekommen einen zusätzlichen Reiz. Das ist genau die Art von Fortschritt, die man von einem klassischen Action-Platformer erwartet.

Zirian beginnt als relativ einfacher kleiner Held und endet als deutlich vielseitigere Spielfigur. Das funktioniert wesentlich besser als die Charakterentwicklung, die man in vielen modernen Spielen bekommt, bei denen nach zehn Stunden zwar irgendwelche Zahlen gestiegen sind, sich die Figur aber kaum anders spielt.

Hier merkt man den Einfluss der PS2-Ära besonders deutlich. Duskfade möchte, dass man sich die Fähigkeiten verdient und anschließend auch tatsächlich mit ihnen spielt.

Kämpfe: Solide, aber nicht auf dem Niveau der Plattform-Action

Neben dem Springen und Erkunden gehört natürlich auch das Kämpfen zum Alltag. Zirian trägt ein Schwert und bekommt es mit verschiedenen Gegnern zu tun, die optisch passend zum düsteren Uhrwerk-Setting gestaltet wurden.

Die Gegnerauswahl reicht von kleinen Kreaturen, die relativ leicht auszuschalten sind, bis zu größeren Gegnern, die deutlich mehr einstecken können. Einige tragen Waffen oder greifen mit Explosionen an. Besonders unangenehm sind Gegner, deren Angriff auch nach ihrem Ableben noch eine Gefahr darstellen kann. Wer einfach auf den nächsten Gegner zuläuft, bekommt deshalb durchaus einmal eine unangenehme Überraschung.

Duskfade
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Das Kampfsystem bleibt allerdings recht simpel. Schlagen, ausweichen, springen und die eigenen Fähigkeiten nutzen – mehr muss man sich nicht merken. Das ist angenehm zugänglich, führt aber auch dazu, dass die Kämpfe nicht dieselbe Faszination entwickeln wie die Bewegung durch die Welt.

Gerade weil Zirian im späteren Spielverlauf immer mehr Fähigkeiten erhält, wäre hier etwas mehr Tiefe schön gewesen. Die Möglichkeiten sind vorhanden, werden aber nicht immer so stark gefordert, wie man es erwarten könnte. Die Kämpfe erfüllen ihren Zweck, während die Plattformpassagen deutlich häufiger das Gefühl vermitteln, dass das Spiel tatsächlich etwas mit seinen Mechaniken anfangen möchte.

Tearfeld und seine verschiedenen Gesichter

Optisch ist Duskfade dabei deutlich interessanter, als die ewige Nacht zunächst vermuten lässt. Die Welt ist zwar grundsätzlich von Dunkelheit geprägt, aber die einzelnen Regionen unterscheiden sich deutlich voneinander. Wälder, verschneite Bergregionen, Unterwasserabschnitte und tropischere Gebiete sorgen dafür, dass man nicht stundenlang durch dieselbe graue Uhrwerklandschaft läuft.

Das Spiel hat dabei einen eigenen visuellen Charakter. Die dunklen Umgebungen werden von leuchtenden Farben und einem auffälligen Bloom-Effekt durchbrochen, wodurch Kristalle, Pflanzen und andere Elemente fast wie kleine Lichtquellen wirken. Gerade dadurch bekommt Tearfeld trotz der düsteren Grundstimmung eine gewisse Schönheit.

Die Uhrwerk-Thematik zieht sich dabei erfreulich konsequent durch die Welt. Zahnräder, Mechanismen und Zeit spielen nicht nur in der Geschichte eine Rolle, sondern sind Bestandteil der Gestaltung und teilweise auch der Spielmechanik. Dadurch wirkt das Setting zumindest in seiner Grundidee eigenständig genug, um nicht einfach als weiteres Fantasy-Abenteuer durchzugehen.

Man merkt allerdings auch, dass die verschiedenen Biome teilweise vor allem deshalb vorhanden sind, damit das Spiel optisch Abwechslung bietet. Die Regionen unterscheiden sich stärker in ihrer Optik als in ihrem grundsätzlichen Spielgefühl. Trotzdem ist diese Abwechslung willkommen, gerade weil Duskfade ansonsten sehr stark auf seine dunkle Atmosphäre setzt.

Musik und Atmosphäre

Die Musik macht dabei einen wichtigen Teil der Stimmung aus. Duskfade versucht nicht, mit permanent bombastischer Musik jede Szene größer erscheinen zu lassen, sondern setzt passend zur Welt auf eine eher melancholische und geheimnisvolle Atmosphäre.

Das passt zu einer Welt, in der die Sonne verschwunden ist und sich alles um Zeit, Erinnerung und Verlust dreht. Gerade in den ruhigeren Momenten funktioniert diese Kombination aus Musik, Beleuchtung und Umgebung sehr gut.

Die Soundeffekte bleiben dagegen eher zweckmäßig. Schwerter klirren, Gegner reagieren auf Treffer und die verschiedenen Fähigkeiten haben ihre entsprechenden akustischen Effekte. Hier gibt es wenig, was einem später noch im Kopf herumschwirrt, aber auch wenig, was negativ auffällt.

Ein Spiel mit alten Vorbildern und modernen Ansprüchen

Das größte Problem von Duskfade ist letztlich nicht, dass es etwas falsch macht. Es ist, dass man während des Spielens immer wieder merkt, wie gut seine Vorbilder bestimmte Dinge bereits vor über 20 Jahren gelöst haben.

Ein Jak & Daxter hatte seine Charaktere. Ein Kingdom Hearts konnte aus seinen Figuren und Welten eine emotionale Bindung erzeugen. Ein Ratchet & Clank verband Plattforming und Kämpfe mit einem starken Humor und einer klaren Identität. Duskfade übernimmt viele der mechanischen Grundideen, erreicht diese Ebene bei der Präsentation und den Figuren aber nicht.

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Das macht das Spiel keineswegs schlecht. Im Gegenteil: Wer genau diese Art von 3D-Action-Platformer vermisst, dürfte hier durchaus seinen Spaß haben. Es gibt eine ordentliche Reise, interessante Fähigkeiten, verschiedene Umgebungen und genug zu entdecken, um nicht einfach nur von einem Punkt zum nächsten zu laufen.

Aber nach dem Abspann wird man sich wahrscheinlich eher an einzelne Fähigkeiten, Umgebungen oder Plattformpassagen erinnern als an Zirian, Cuckoo oder eine große Geschichte.

Fazit

Duskfade ist ein sympathisches Spiel. Es hat offensichtlich eine große Zuneigung zu den 3D-Platformern der PS2-Generation und versucht gar nicht erst, diese Herkunft zu verstecken. Stattdessen werden bekannte Elemente genommen, mit einer düsteren Uhrwerk-Welt verbunden und zu einem Abenteuer verarbeitet, das sich angenehm vertraut spielt.

Besonders die Entwicklung von Zirian funktioniert gut. Neue Fähigkeiten verändern die Fortbewegung, eröffnen neue Wege und sorgen dafür, dass die Welt auch nach mehreren Stunden noch etwas zu bieten hat. Die verschiedenen Regionen sehen gut aus, die Uhrwerk-Thematik besitzt ihren eigenen Charme und die Plattformpassagen sind meistens deutlich stärker als die Kämpfe.

Was fehlt, ist Persönlichkeit. Duskfade hat die Mechanik eines guten alten 3D-Platformers, aber nicht ganz dessen Seele. Zirian und Cuckoo sind funktionierende Begleiter durch die Geschichte, werden aber kaum zu Figuren, an die man sich Jahre später erinnert. Auch die Welt von Tearfeld könnte wesentlich mehr Leben vertragen. Trotzdem ist das hier kein Fehlversuch. Im Gegenteil: Es ist schön, überhaupt wieder ein Spiel zu bekommen, das sich so deutlich zu dieser Ära bekennt. Duskfade will kein riesiges Open-World-Abenteuer sein und braucht das auch nicht. Es möchte springen, kämpfen, erkunden, neue Fähigkeiten freischalten und den nächsten Abschnitt der Welt zugänglich machen. Und genau das funktioniert.

Wer die großen 3D-Platformer der PS2-Zeit vermisst, sollte sich Duskfade deshalb durchaus ansehen. Es ist kein neues Jak & Daxter, kein neues Ratchet & Clank und schon gar kein neues Kingdom Hearts. Dafür fehlt es an Charakteren, erzählerischem Gewicht und einigen wirklich herausragenden Ideen. Aber als modernes Spiel, das diese längst etwas in Vergessenheit geratene Form des Action-Platformers wieder aufgreift, macht es seine Sache ordentlich. Duskfade ist ein guter Platformer mit einer interessanten Welt und gelungenem Fortschrittssystem – aber letztlich bleibt es ein Spiel, das lieber an die Klassiker erinnert, als selbst einer zu werden.