Auf den ersten Blick wirkt Afterplace wie ein unscheinbares, retrohaftes Action-RPG im NES-Look. Verpixelte Wälder und Landschaften, einfache Kämpfe und die typische Perspektive von oben wecken Erinnerungen an klassische Zelda-Teile, besonders der Erstling dürfte vielen Spielern sofort ins Bewusstsein kommen, wenn sie Afterplace einlegen. Doch schon nach wenigen Minuten wird klar, dass es sich hier um etwas weitaus Seltsameres handelt – ein Spiel, das ganz auf Neugier, Ungewissheit und die Freude setzt, und in welchem man sich hin und wieder völlig hoffnungslos verirrt. Wahrscheinlich macht genau das dieses Spiel so besonders. Schauen wir genauer hin.

Afterplace ist ein Stück weit die Antithese von modernem Gaming. Es gibt keine Questmarkierungen, keine Übersichtskarte, keine Checkliste, die den Fortschritt anzeigt. Der Spieler wird zu Beginn einfach in einen riesigen Wald versetzt und implizit dazu aufgefordert: Geh auf Entdeckungsreise! Die ersten Minuten wirken daher fast schon surreal, weil man intuitiv auf eine Anweisung oder einen Hinweis wartet. Er kommt aber nicht. Der Spieler muss den Weg selbst finden. Das kann und wird zunächst verwirrend wirken. Man läuft vielleicht ziellos umher, unsicher, ob man vorankommt oder etwas Wichtiges übersieht. Doch nach und nach wächst die Vertrautheit – besonders in das eigene Gedächtnis, wenn man viele Dinge wiedererkennt. Wege verbinden sich miteinander und Abkürzungen werden sichtbar. Man durchquert die Welt nicht nur – man lernt sie kennen; und das ist vielleicht die größte Stärke von Afterplace. Ironischerweise aber auch die größte Schwäche, da es modernem Spielempfinden wirklich fremd ist.
Das Kampfsystem ist so simpel wie es nur sein kann. Auf Dauer kann das etwas ermüdend wirken, da Kniffe und Komplexität irgendwann vermisst werden. Es gibt nur zwei verschiedene Aktionen. Einen einfachen Schwerthieb und das Abwehren von gegnerischen Angriffen. Auch hier erinnert das Spiel stark an das erste Zelda, wo das Kampfgeschehen im Großen und Ganzen genauso ablief. Durch die sehr kleine Größe der Figuren ist das Feedback im Kampf umso wichtiger. Hier leistet das Spiel eine sehr gute Arbeit, indem immer klar ist, wann man getroffen wird oder selbst einen Gegner trifft.
Ein Action-Adventure lebt von den Geheimnissen seiner Welt. Auch hier spart Afterplace nicht, findet man sich doch häufig genug – manchmal auch ungewollt – in ganz neuen Gebieten, versteckten Dungeons oder merkwürdigen Begegnungen mit NPCs. So fühlt sich die relativ kurze Spielzeit doch immer gut gefüllt und abwechslungsreich an. Wirkliche Langeweile kommt nie auf, vorausgesetzt man kann sich auf das Spielerlebnis und den Ablauf einlassen.

Technisch präsentiert sich Afterplace im charmanten Retrolook und läuft auf der Switch sowohl im Handheldmode als auch docked gut und flüssig. Die Animationen sind gut und glaubwürdig, die Farbgebung kräftig und bunt, wie es für diese Art von Spielen typisch ist. Hier gibt es fast nichts zu kritisieren, wenn man auf den Look steht. Die Welt wirkt durch den Look glaubwürdig. Ein gutes Beispiel dafür, dass eine schön designte Welt nicht vom Grad an Realismus abhängt, sondern von der Fantasie der Entwickler. Hier haben sie definitiv gute Arbeit gezeigt, man bewegt sich unglaublich gerne in der Welt und möchte wissen, wie es weitergeht. Musikalisch zeigt sich Afterplace ebenfalls auf hohem Niveau. Die Musikstücke untermalen allesamt auf eine sehr schöne Weise die eigenartige und bizarre Welt und wirken nie uninspiriert. Daumen hoch!

Ist es ein Spiel für jedermann? Nein, definitiv nicht. Und Afterplace macht zu jeder Sekunde deutlich, dass es das auch gar nicht sein möchte. Manche Designentscheidungen sind zu speziell. Das heißt nicht, dass sie nicht funktionieren, aber es könnte doch bei einigen Spielern zu Frust und zu frühzeitigem Aufhören führen. Hier stehen vor allem der Mangel an Hinweisen und möglicherweise das sehr einfache Kampfsystem an erster Stelle. Kann man sich darauf einlassen, entfaltet sich ein einzigartiges und sehr gutes knapp 10-stündiges Abenteuer. Zum Preis von knapp 14€ im E-Shop ist ein solches Spiel eigentlich geschenkt.
Gespielt und geschrieben von: Stjepan Prtenjaca
- Plattform: Nintendo Switch (getestet), Steam
- Publisher: Indi.io
- Entwickler: Evan Kice
- Genre: Action-Adventure, RPG
- Spieleranzahl: 1
- Release: 26.02.2026
- Regulärer Preis: 13,99 (digital)
- USK-Freigabe: 12

Wenn ich daran denke, dass ich mehr in meinem Leben mit Videospielen zu tun hatte als nicht, zeigt es mir zum einen, wie alt ich bin und wie lange ich mittlerweile dem Gaming zugetan bin. Meine erste Konsole war das SNES und spätestens ab diesem Zeitpunkt war ich dieser Leidenschaft verfallen, die bis heute anhält. Auch wenn durch den Alltag leider die Zeiten von verspielten Tagen vorbei sind.

