Es gibt eine ganz bestimmte Art von Spielspaß, die fast ausschließlich aus der Arcade-Ära stammt. Direkt, farbenfroh, leicht chaotisch und vollständig auf Bewegung und Reaktion ausgelegt. Spiele erklären nicht lange ihre Systeme – sie werfen den Spieler hinein und vertrauen darauf, dass Mechanik und Rhythmus den Rest übernehmen.
Genau dieses Gefühl versucht Parasol Superstars einzufangen. Die Sammlung von ININ Games und TAITO verbindet mit Parasol Stars: The Story of Bubble Bobble III einen Arcade-Klassiker mit der moderneren Neuinterpretation Spica Adventure. Das Ergebnis ist weniger eine einfache Retro-Collection als vielmehr ein interessanter Vergleich zweier Designphilosophien, die denselben spielerischen Kern unterschiedlich interpretieren.

Parasol Stars – Arcade-Design in seiner reinsten Form
Bereits nach wenigen Minuten wird deutlich, warum das Spiel bis heute funktioniert. Die grundlegende Idee ist extrem simpel: Spieler steuern Bub und Bob durch kompakte Plattform-Level und nutzen dabei Regenschirme als multifunktionales Werkzeug. Der Parasol dient gleichzeitig als Verteidigung, Angriffswerkzeug und Bewegungsmechanik. Projektile werden abgewehrt, Gegner eingefangen und anschließend geworfen. Daraus entsteht ein erstaunlich dynamischer Spielfluss, obwohl die Mechanik auf den ersten Blick beinahe primitiv wirkt.
Jede Aktion besitzt unmittelbares Feedback. Der Spieler bewegt sich konstant zwischen Risiko und Kontrolle: blocken, positionieren, Gegner aufnehmen, neu ausrichten und werfen. Das Tempo bleibt hoch, ohne jemals unübersichtlich zu werden.
Besonders stark funktioniert das im Koop-Modus. Zwei Spieler verwandeln jede Stage in ein kontrolliertes Chaos aus Abstimmung, spontanen Rettungsaktionen und versehentlicher Sabotage. Genau diese Mischung aus Kooperation und leichter Unordnung gehört zu den größten Stärken klassischer Arcade-Spiele.

Acht unterschiedliche Welten führen schrittweise neue Gegnertypen und Variationen ein, ohne das Grundprinzip unnötig kompliziert werden zu lassen. Geheimnisse und versteckte Wege sorgen zusätzlich für kleine Motivationsschübe. Stattdessen konzentriert sich alles auf präzise Mechaniken, konstante Spielfluss-Kontrolle, lesbares Gegnerdesign und schnelles Reaktionsspiel. Gerade im Vergleich zu vielen modernen Indie-Plattformern wirkt diese Konzentration fast schon ungewöhnlich konsequent.
Spica Adventure – Moderne Interpretation mit mehr Freiheit
Die zweite Hälfte der Sammlung bildet Spica Adventure, das deutlich stärker mit modernen Ideen experimentiert. Spieler steuern hier Nico, die sich ebenfalls mit einem multifunktionalen Parasol durch farbenfrohe Weltraum-Level bewegt. Die Parallelen zu Parasol Stars sind offensichtlich, doch Spica Adventure erweitert die Formel deutlich.

Der Schirm wird hier flexibler eingesetzt. Angriffe, Gleitbewegungen, Verteidigung und Mobilität greifen stärker ineinander. Zusätzlich setzt das Spiel auf alternative Routen, verzweigte Levelstrukturen und experimentellere Plattforming-Abschnitte. Dadurch entsteht ein moderneres und etwas offeneres Spielgefühl.
Im direkten Vergleich verliert Spica Adventure allerdings etwas von der mechanischen Präzision seines Vorbilds. Während Parasol Stars nahezu perfekt ausbalanciert wirkt, erscheint Spica Adventure stellenweise lockerer und weniger kontrolliert.Vor allem in späteren Abschnitten schwankt das Pacing spürbar. Einige Gegnerkombinationen oder Levelpassagen wirken eher experimentell als sauber abgestimmt.
Präsentation und audiovisuelle Gestaltung
Parasol Stars bewahrt seinen klassischen Look nahezu unverändert und profitiert davon erstaunlich stark. Die reduzierte Pixelgrafik bleibt klar lesbar und unterstützt das schnelle Gameplay perfekt. Spica Adventure modernisiert diesen Stil vorsichtig, ohne die Verbindung zur Vorlage zu verlieren. Die Weltraum-Thematik erlaubt experimentellere Hintergründe und Animationen, bleibt aber bewusst verspielt. In beiden Spielen steht Lesbarkeit klar im Vordergrund. Gegner, Gefahren und Bewegungen bleiben jederzeit leicht verständlich, was für das hohe Tempo entscheidend ist.

Auch der Soundtrack erfüllt exakt die Funktion, die man von klassischen Arcade-Spielen erwartet. Melodisch, eingängig und bewusst repetitiv unterstützt die Musik den Spielfluss konstant im Hintergrund. Besonders die elektronischen Stücke von ZUNTATA verleihen Spica Adventure zusätzlich eine leicht futuristische Identität.
Die Stärke einfacher Mechaniken
Beide Spiele bauen fast vollständig auf einem einzigen mechanischen Konzept auf: dem Parasol als multifunktionalem Werkzeug. Parasol Stars nutzt diese Idee für ein eng strukturiertes Arcade-System, das auf Präzision und Timing ausgelegt ist. Spica Adventure interpretiert dieselbe Grundlage freier und experimenteller. Gerade dieser Kontrast verleiht der Sammlung ihre Identität. Statt zwei beliebige Retro-Spiele zusammenzustellen, zeigt das Bundle, wie unterschiedlich sich dieselbe Mechanik über verschiedene Design-Epochen entwickeln kann.
Fazit
Parasol Superstars funktioniert vor allem als Hommage an klassisches Arcade-Design und als interessante Gegenüberstellung zweier unterschiedlicher Interpretationen derselben Spielidee. Parasol Stars bleibt dabei das stärkere und präzisere Spiel – kompakt, fokussiert und mechanisch außergewöhnlich klar.
Spica Adventure ergänzt diese Grundlage mit moderneren Ideen, mehr Freiheit und experimentellerem Leveldesign, erreicht aber nicht immer dieselbe Balance. Gerade dieser Unterschied macht die Sammlung dennoch interessant. Sie zeigt, wie langlebig einfache Mechaniken sein können, wenn das zugrunde liegende Design stark genug ist. Nicht jede Idee funktioniert gleich gut, doch als farbenfrohe Feier klassischer Plattform-Arcade-Spiele besitzt Parasol Superstars eine überraschend klare Identität.
- Plattform: PlayStation 5 (getestet), Nintendo Switch 1/2, Steam
- Publisher: ININ Games
- Entwickler: Taito
- Genre: Arcade
- Release: 14. April 2026
- USK-Freigabe: 6

Schon seit meinem dritten Lebensjahr bin ich leidenschaftlicher Videospieler. Angefangen hat alles mit dem Nintendo Entertainment System – seitdem begleitet mich die Faszination für interaktive Welten bis ins Erwachsenenalter. Heute verbinde ich diese Leidenschaft mit meinem Beruf: Als PR-Manager, freier Redner und Texter arbeite ich in der Games- und Medienbranche und betreue Projekte rund um kreative Köpfe und spannende Marken. Ein besonderer Schwerpunkt meiner Arbeit liegt im Management und in der Betreuung japanischer Videospielentwicklertalente, die ich auf Conventions und Events weltweit vertrete.

