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Stories from Sol: The Gun-Dog

Fans japanischer Visual Novels kommen auf der Nintendo Switch bekanntlich voll auf ihre Kosten. Stories from Sol: The Gun-Dog reiht sich in diese Riege ein und entführt den Spieler zeitlich zurück in die ausgehenden 80er und frühen 90er und örtlich in die dunklen Weiten des Weltalls. Ob sich dieser Sci-Fi-Trip auch für westliche Spieler lohnt, erfahrt ihr hier in unserem kleinen Test. Dem Publisher Astrolabe Games sei an dieser Stelle ein herzlicher Dank für den Download-Code ausgesprochen.

Wie eingangs erwähnt, entführt Stories from Sol den Spieler in das Weltall. Dabei werden stereotype Narrative aus den 80ern bedient und gekonnt in Szene gesetzt. Das Weltall bietet sich für eine Fülle an Themen an, die man aus Büchern, Filmen und anderen Medien zuhauf kennt. Ängste, große Schiffe, Fehlfunktionen, Beziehungen in der Crew, das Zusammenleben auf engem Raum, die große Dunkelheit etc. Nachdem wir unserem Protagonisten einen Namen gegeben haben, geht die Story auch schon los und bringt den Spieler auf das Patrouillenschiff Gun-Dog, das im Laufe der nächsten Stunden Heimat und Arbeitsplatz des Protagonisten sind. Mysteriöse Signale sollen untersucht werden und entpuppen sich im Laufe „natürlich“ als eine ziemlich bedrohende und tiefer liegende Gefahr. Durch eine großartige Erzählstruktur kann man der Geschichte gut folgen und man folgt ihr auch sehr gerne. Die Dialoge sind gut und witzig geschrieben und lockern das eigentlich ernste Thema auch häufig humoristisch auf – etwa durch die kleine Romanze zwischen dem Protagonisten und einem Crewmitglied, durch Sticheleien gegen Vorgesetzte usw. Eine Visual Novel ist ein spielbares Buch und dabei ist die Geschichte und ihre Erzählweise elementarer Bestandteil. Hier ist eigentlich nichts zu bemängeln, die Entwickler haben hier sehr gute Arbeit geleistet, bei der man durchgehend unterhalten wird.

Das Gameplay weiß ebenfalls zu überzeugen. Hier ist bei einer Visual Novel naturgemäß nicht besonders viel vorhanden. Der Spieler muss sich durch verschiedene Bereiche der Gun-Dog klicken und hat in jedem Bereich verschiedene Optionen: er kann Gegenstände untersuchen, die nähere Informationen bringen, er kann mit NPCs kommunizieren, er muss manchmal aus einer Reihe von Antwortmöglichkeiten eine auswählen usw. Letzteres kann Einfluss auf den weiteren Spielverlauf haben, wodurch sich der Wiederspielwert leicht erhöht. Auch hier muss man dem Entwickler ein Kompliment aussprechen, weil das in diesem Genre nicht selbstverständlich ist – zumal der Umfang dafür auch sehr dankbar ist. Das Spiel ist an einem Wochenende recht zügig durchgespielt, wenn man es drauf anlegt. Durch einen Blick in das Menü, sieht der Spieler auch die nächsten Aufgaben, wodurch nerviges Herumprobieren wegfällt. Man kann eigentlich nicht festhängen, sondern weiß stets, wo es weitergeht. Frustmomente gibt es also keine. Actionmomente allerdings auch nicht. D.h. Spieler, die es mit der ruhigen und sehr textlastigen Erzählweise nicht haben, werden mit Stories from Sol wahrscheinlich nicht glücklich. Zwar lockern hin und wieder kleinere Rätsel das Spielgeschehen auf, aber im Grunde genommen bleibt es bei passivem Lesen und Interagieren mit den anderen Figuren.

Die technische Seite muss hier ebenfalls Erwähnung finden. Stories from Sol ist eine klare Hommage an den Animé-Look der 80er-Jahre und an die Videospiele aus eben dieser Zeit. Das hat bei Fans gewiss seinen Charme, aber es gibt sicherlich auch Spieler, die sich davon eher abgeschreckt fühlen. Daran werden auch drei verschiedene Grafikmodi nichts ändern, in denen man die Farbtöne leicht abändern kann (farbig, grün-schwarz und lebendig). Für den Verfasser dieses Tests haben die verschiedenen Modi allerdings keinen großen Unterschied gemacht. Musikalisch wird sicherlich kein Feuerwerk abgebrannt, aber die wenigen Melodien sind eingängig und unterstreichen gut und unaufgeregt das Spiel.

Stories from Sol: The Gun-Dog bietet auch deutsche Bildschirmtexte

Fazit

Es liegt im Genre begründet, dass das Spiel sicherlich nicht für jedermann geeignet ist. Fans von Sci-Fi-Themen, Fans von alten Animé und Fans von Visual-Novels und Point n Click-Adventures werden mit Stories from Sol: The Gun-Dog aber sehr gut bedient. Das Spiel macht genau für diese Zielgruppe eigentlich nichts falsch und liefert eine schöne Geschichte, die humoristisch erzählt und charmant präsentiert wird. Lobenswert erwähnt werden muss hier auch der Umfang. Es ist ein kurzes Spiel und das hat der Tester, der sonst eine Schwäche für lange RPGs hat, lobend hervorheben. Es ist mit knapp 8-9 Stunden schnell durchgespielt und lädt ein, immer mal wieder gespielt zu werden. In der Kürze liegt eben oft die Würze, das ist hier der Fall. Wer mit dem Thema, dem Genre und der Präsentation hingegen nichts anzufangen weiß, wird sicher auch mit Stories from Sol nicht glücklich. Alle anderen können hier aber bedenkenlos zuschlagen und einen kleinen Geheimtipp spielen.

Autor der Rezension: Stjepan Prtenjaca

  • Plattform: Nintendo Switch (getestet) , auch für PlayStation4/5  erhältlich
  • Publisher: Astrolabe Games
  • Entwickler: Space Colony Studios
  • Genre: Visual Nove, Adventure
  • Spieleranzahl: 1 
  • Release: 20.02.2025
  • Preis zum Start: 18,99 (digital)
  • USK-Freigabe: 0