Freunde gepflegter und klassischer Rollenspiele kommen auf der Nintendo Switch bekanntlich voll auf ihre Kosten. Square Enix hat sich im Laufe des Lebenszyklus von Nintendos Hybrid dabei einen besonderen Namen gemacht und viele ihrer Klassiker neu aufgelegt. Neben den besonders populären Serien wie Dragon Quest und Final Fantasy hat der Rollenspielgigant aus Japan auch Serien neu aufgelegt, die in unseren Breiten bisher noch nicht dieselbe Bekanntheit und Popularität genießen. Romancing SaGa ist eine dieser Serien, die bisher eher ein Schattendasein in Europa gefristet haben. 2005 erschien dieser Teil auf der PS2 – mit überschaubarem Erfolg. In diesem neu aufgelegten Teil verraten wir, wie der Titel gealtert ist und ob sich ein Kauf lohnt. Für die Bereitstellung des Musters sei an dieser Stelle ein großer Dank ausgesprochen!

Eine Charakterfrage
Zu Beginn darf sich der Spieler – etwas untypisch für RPGs – einen von insgesamt acht spielbaren Charakteren aussuchen. Hier dürfte für jeden etwas dabei sein, hat man doch die Wahl zwischen einem Piraten, einer Waldläuferin, einem Adligen, einer Tänzerin, einer Nomadin, einem Abenteurer, einem Dieb sowie einer Kriegerin. Alle Charaktere weisen unterschiedliche Talente und Waffen auf. Außerdem unterscheiden sich die Erzählstränge je nach gewähltem Charakter, was den Wiederspielwert deutlich erhöht und das Spiel insgesamt sehr aufwertet. Abwechslung ist also schon durch die Wahl des Charakters gegeben und jeder Spieldurchgang sollte sich damit stark vom vorherigen unterscheiden.
Letzteres hängt allerdings nicht nur an der Wahl des Charakters, sondern auch am Spielprinzip an sich. Romancing Saga: Ministrel Song lässt den Spieler weitgehend freien Lauf beim Erkunden der Welt. Schon sehr früh im Spiel öffnet sich die Karte fast vollständig und der Spieler kann die Welt frei entdecken. Ein kleiner Wermutstropfen ist dabei die nicht vorhandene Oberwelt. Der Spieler kann via Schnellreisefunktion Städte und andere Ortschaften anwählen, sich allerdings nicht frei zwischen ihnen bewegen. Dennoch ist positiv anzumerken, dass man nicht streng einem roten Faden folgen muss, den einem das Spiel aufdrängt, sondern sich auf eine ganz eigene Abenteuerreise begeben kann. Die Schattenseite liegt dabei ebenfalls auf der Hand. Wer wissen möchte, wie er die Story voranbringen kann und dem Verlauf folgen möchte, wird vom Spiel im Stich gelassen. Das gestaltet sich manchmal als frustrierend und kann je nach Spielertyp den Spielspaß sogar gänzlich vermiesen.

Die Städte sind liebevoll gestaltet und bieten das, was sie in jedem RPG bieten. Die Möglichkeit, den Charakter zu verbessern, Items zu erwerben, Zaubersprüche zu lernen, Gegenstände einkaufen, die Klasse zu wehseln, Sidequests aktivieren uvm. Einige schöne QoL-Verbesserungen gibt es auch, die dem Spiel einen modernen Anstrich geben. So gibt es eine Schnellspeicherfunktion oder etwa die Möglichkeit, das Spiel per Knopfdruck doppelt so schnell ablaufen zu lassen. Das lässt lästige Wege wesentlich kürzer erscheinen und etwaiges „Leveln“ ebenfalls schneller voranschreiten. Positiv! Wenn wir schon beim „Leveln“ sind: das Kampfsystem läuft in rundenbasierter Form sehr intuitiv ab. Ein typisches Stufensystem gibt es eigentlich nicht. Die Kämpfe verbessern allerdings den Umgang mit Waffen und lassen Zaubersprüche und Attacken effektiver gegen Gegner werden. Man übt also quasi den Umgang mit dem eigenen Equipment, was dem Ganzen eine taktische Komponente mitgibt. Sobald der Kampf vorüber ist, werden die Wunden der Party geheilt. Auch das ist ein sehr schönes Beispiel für gutes Gamedesign. Unnötiges Aufbrauchen von Heilitems und Heilzaubern ist damit obsolet. Positiv! Knackig ist allerdings, dass Charaktere in gewissen Situationen den endgültigen Tod erleiden, wenn ihre Lebenspunkte auf 0 gesunken sind. Hier ist Vorsicht geboten, das kann nämlich schon bei kleineren Kämpfen schnell gehen.
Ein weiterer Knackpunkt im Gameplay ist die nicht frei schwenkbare Kamera. Man muss es gespielt haben, um zu verstehen, wie nervig das in gewissen Situationen sein kann. Nicht nur, dass man reflexartig ab und zu den rechten Stick drehen möchte, man „verläuft“ sich sehr häufig, weil die Kamera gerade da ist, wo man nicht damit rechnet, und einen selbständigen Dreh macht, den man nicht erwartet. Es beeinflusst das Spielgeschehen massiv und hinterlässt einen faden Beigeschmack in einem sonst sehr runden Gameplay.

Technik, die (ein wenig) begeistert
Technisch ist das Spiel nicht auf der Höhe der Zeit. Die Animationen sowie der gesamte Stil wirken veraltet. Stilistisch bedient man sich einem klobigen Aquarelllook, der angestaubt wirkt. Musikalisch hingegen gibt es nichts zu bemängeln. Die Melodien sind schön und passen zum Spielgeschehen gut dazu. Erfreulich ist auch, dass es in der Switch-Version deutsche Bildschirmtexte. Diese sind insgesamt auch gut gelungen und erweitern den Kreis potenzieller Kunden, da es keine Sprachbarrieren mehr gibt.
Fazit
Wer also mit der offenen Erzähl- und Spielweise keine Probleme hat, über den gewöhnungsbedürftigen Look hinwegsehen kann und dem fordernden Schwierigkeitsgrad etwas abgewinnen kann, kann hier ruhigen Gewissens zuschlagen. Den Spieler erwartet ein umfangreiches Rollenspiel mit einem hohen Wiederspielwert und angenehmem Gameplay.
Autor der Rezension: Stjepan Prtenjaca
- Plattform: Nintendo Switch , auch für PlayStation4/5 erhältlich
- Publisher: Square Enix
- Entwickler: Red Art Games
- Genre: J-RPG
- Spieleranzahl: 1
- Release: 09.12.2025
- Preis zum Start: 29,99 (digital)
- USK-Freigabe: 12

Wenn ich daran denke, dass ich mehr in meinem Leben mit Videospielen zu tun hatte als nicht, zeigt es mir zum einen, wie alt ich bin und wie lange ich mittlerweile dem Gaming zugetan bin. Meine erste Konsole war das SNES und spätestens ab diesem Zeitpunkt war ich dieser Leidenschaft verfallen, die bis heute anhält. Auch wenn durch den Alltag leider die Zeiten von verspielten Tagen vorbei sind.

