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Glover

Wenn ein Plattformer aus den späten Neunzigern 2025 auf der PS5 landet, dann weckt das Erwartungen. Nostalgie bei den einen, Skepsis bei den anderen. Glover, einst ein Geheimtipp auf dem Nintendo 64, ist zurück und versucht, den Zauber seiner Ära in ein modernes Gewand zu stecken. Die Frage ist nur: Funktioniert das noch?

Glover
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Ein Ball, ein Handschuh, ein simples Ziel

Im Kern bleibt alles beim Alten. Ihr steuert Glover, einen lebendigen Handschuh, der seinen Ball durch bunte 3D-Welten führen muss, um ein in Scherben liegendes Königreich zu retten. Dabei wird gerollt, geworfen, gehüpft und balanciert, manchmal elegant, manchmal mit einem leicht wackeligen Gefühl. Die Idee, Ball und Charakter gleichzeitig zu managen, ist nach wie vor charmant und ungewöhnlich. Schon 1998 war das Konzept etwas Besonderes, und selbst heute hat es noch einen gewissen Reiz, wenn man sich einmal auf die eigenwillige Steuerung eingelassen hat.

Eure Hauptaufgabe ist es mittels einem Ball (der in einen Kristall, Bowlingkugel, Baseball verwandelbar ist) durch die Level zu navigieren, Gegner zu besiegen, optionale Spielkarten einzusammeln und mittels des Balls Schalter und ähnliches zu betätigen um voranzuschreiten. Ihr könnt euch auch ohne den Ball in einigen Sektionen bewegen, müsst diesen aber stets mit ins Ziel bringen.

Die PS5-Version bleibt spielerisch nah am Original. Die Kamera ist störrisch, die Sprungpräzision will gelernt sein, und das Ballgefühl schwankt zwischen spaßig und chaotisch. Was damals innovativ war, wirkt heute oft sperrig, doch irgendwie hat das seinen Charme.

Glover
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Technisch aufpoliert, aber nicht neu erfunden

Optisch präsentiert sich Glover als liebevolle Restauration statt als Neuinterpretation. Die Texturen sind schärfer, die Farben leuchten kräftiger, und die Framerate ist stabil. Doch wer ein vollwertiges Remake erwartet, wird enttäuscht. Die Animationen stammen noch aus der alten Schule, manche Bewegungen wirken kantig, und die Levelgeometrie bleibt erkennbar aus einem anderen Jahrzehnt.

Akustisch bleibt alles beim Alten und das ist gut so. Der Soundtrack dudelt fröhlich-retro aus den Boxen, jedes Aufsammeln, Springen und Rollen ist mit liebevollen Sounds untermalt. Wer damals den Mix aus charmantem Midi-Klang und kindlicher Euphorie mochte, wird hier sofort wieder lächeln.

Glover
Glover

Alte Seele, neue Hardware

Die PS5-Version bringt ein paar Komfortfunktionen wie kürzere Ladezeiten und eine flüssigere Performance, doch spielerisch hat sich wenig getan. Keine neuen Levels, keine überarbeiteten Physiksysteme, kein modernes Kontrollschema. Das Spiel will auch gar nicht modern sein, es will exakt das bieten, was Fans damals liebten: eine Zeitkapsel aus der goldenen Ära der 3D-Plattformer.

Trotzdem merkt man schnell, dass Glover heute etwas mehr Feinschliff vertragen hätte. Manche Passagen sind unnötig frustrierend, weil Kamera und Ballphysik nicht immer zusammenarbeiten. Andere Momente hingegen erinnern daran, warum dieser kleine Handschuh so viele Herzen gewann: Wenn ihr den Ball elegant über schmale Plattformen jongliert oder ein Puzzle mit perfektem Timing löst, fühlt sich das unglaublich befriedigend an.

Fazit

Glover ist keine Revolution, kein großes Comeback aber ein nettes wiedersehen. Es bleibt der gleiche charmante, leicht schrullige Plattformer, der einst das Nintendo-64-Zeitalter bereicherte. Für Neulinge wirkt er altmodisch, für Veteranen wie eine warme Erinnerung an eine einfachere Zeit.

Glover
Glover

Wenn ihr wissen wollt, wie sich 3D-Platformer vor über 25 Jahren anfühlten, oder wenn ihr das Original damals gespielt habt und noch einmal rollen wollt, dann ist Glover genau das: ein Handschuh, der perfekt passt auch wenn er ein paar Falten bekommen hat.

  • Plattform: PlayStation 5, Nintendo Switch, Nintendo 64, PlayStation (ursprünglich)
  • Publisher: QUByte Interactive, Hasbro Interactive (ursprünglich)
  • Entwickler:  Interactive Studios
  • Genre: Jump n Run
  • Release: 27. Februar 2025, 24. November 1998 (ursprünglich Nintendo 64), 04. Oktober 1999 (ursprünglich PlayStation)
  • USK-Freigabe: 6