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AKIBA’S TRIP: Hellbound & Debriefed

Otakus an den Controller! Wer schon immer einmal wissen wollte, wie es sich anfühlt, durch die Straßen von Akihabara zu laufen (einem Tokioter Stadtteil für „Nerds“) und Leuten die Klamotten vom Leib zu reißen, der sollte einen Blick auf Akiba‘ Trip: Hellbound & Debriefed werfen. Der eigenwillige Mix aus Brawler und Rollenspiel erschien erstmals im Jahre 2011 für Sonys PSP und findet nun über die Nintendo Switch auch den Weg in den Westen. Wie sich der Mix spielt und ob er auch für Fans von „herkömmlichen“ Rollenspielen lohnenswert ist, erfahrt ihr hier in unserem Test.

Das waren Vampire!

Richtig gelesen, Vampire spielen in Akibas Trip die Hauptrolle. Ihr findet euch in der ersten Szene nachts in einer Seitengasse bewusstlos auf dem Boden. Eine Horde von verdächtig aussehenden Leuten hat euch bewusstlos geschlagen. Rettung kommt in Form eines tapferen Mädchens, das euch küsst und damit auch mit ihrem Blut „infiziert“. In der nächsten Szene findet man sich auf einem Stuhl wieder, diesmal umgeben von Vertretern einer Organisation namens NIRO, die Vampire aufspürt und damit der Welt einen guten Dienst tut. Ihr sollt nun in deren Auftrag dabei mithelfen, die Stadt von ebenjenen finsteren Gesellen (den sog. Shadow Souls) zu befreien. So weit, so schlüssig! Im weiteren Verlauf des Spiels bekommt diese Thematik aber irgendwie kaum noch Beachtung, das Storytelling lässt enorm zu wünschen übrig und man versteht den Sinn des Ganzen ebenso wenig wie es ausgeklügelte Charaktere, Hintergründe, Beziehungen o.ä. zu all dem gibt. Man wird das Gefühl nicht los, dass die Story – sofern man sie so nennen kann – dazu dient, den Otaku auszuleben, verschiedene Fetische auszuleben, die für die japanische Kultur klischeehaft stehen. Ob das eher persifliert wird, wie ironisch das Ganze versehen ist, bleibt dem Tester unbekannt, da er sich in dem Punkt wahrlich nicht auskennt. Es schwankt immer wieder zwischen Schmunzeln und Kopfschütteln, bei dem einem doch immer wieder auch kulturelle Unterschiede zwischen Japan und „dem Westen“ bewusst werden.

Nichts, was ein gekonnter Tritt nicht lösen könnte in Akiba’s Trip oder sollte ich eher sagen, Akibas Tritt

Hosen runter!

Doch wie spielt sich Akibas Trip nun? Wir alle wissen, dass Vampire auf eine Sache besonders allergisch reagieren. Sonnenlicht! Die Idee ist also, die Shadow Souls aufzuspüren und ihnen tatsächlich die Klamotten vom Leib zu reißen, so dass sie sich im Sonnenlicht auflösen. Es ist so skurril wie es klingt. Um die finsteren Gesellen aufzuspüren, statten euch die Vertreter von NIRO mit einer Kamera aus. Betätigt ihr sie vor einer Menge von Leuten, verschwinden die Shadow Souls im Blitzlicht und ihr könnt sie ansprechen und in den Kampfmodus wechseln. Die einzelnen Gebiete sind nicht miteinander verbunden, ihr wählt sie auf einer Stadtkarte separat aus. Die Gebiete bestehen auch meistens nur aus einer kurzen Straße, die mit ein paar Shops garniert ist und die auch nicht gerade vor sonstigen netten Details sprießt. Zum Verweilen lädt eigentlich nichts ein und das liegt bei weitem nicht nur an den Shadow Souls. Je nach Gusto könnt ihr die Gegner angreifen oder nicht, ihr könnt sie auch geflissentlich ignorieren, aber natürlich seid ihr in einem RPG darauf aus, euren Charakter aufzuleveln, euch neue Ausrüstung zu ergaunern und auch Geld zu bekommen. Im Kampf angekommen, offenbart sich auch die wahrscheinlich größte Schwäche des Titels: die Kämpfe machen schlicht und ergreifend wenig Spaß. Es gibt keinen eigenen Kampfbildschirm, sondern es geht direkt in Echtzeit los und erinnert an die klassischen Brawler der goldenen 90er. Turtles in Time, Final Fight und co hatten vom Prinzip her ein ganz ähnliches Kampfsystem, funktionierten beide Titel aber im Unterschied zu Akibas Trip wesentlich besser. Da es die Klamotten des Gegenübers vom Leib zu reißen gilt, haben die auch die Kraftpunkte. Das heißt, ihr müsst die einzelnen Klamotten schwächen, bevor ihr sie ausziehen könnt. Es gibt drei unterschiedliche Höhen (für die Kopfbedeckung, das Shirt und die Hose) an Attacken, die untereinander aber nicht kombiniert werden können. Genug geschwächt, können die Klamotten in einem Quicktimeevent ausgezogen werden und die Gegner lösen sich auf. Selbiges gilt natürlich für euch als Spieler: Seid ihr die Klamotten los, heißt es Game Over. Immerhin: die Rücksetzpunkte sind fair, man verliert eigentlich nie sonderlich viel Spielfortschritt. Ansonsten gibt es beim Kampfsystem keine wirkliche Lernkurve, keine großen Finessen. Draufhauen und Klamotten ausziehen, gegnerische Attacken blocken und wieder draufhauen. Motivierend ist es nicht, auch wenn eine größere Zahl an Gegnern kurzzeitig den Schwierigkeitsgrad erhöht, denn…

Der Hammer erinnert an den Schrumpfhammer aus Secret of Mana

…der größte Feind in den Kämpfen ist weniger die Stärke des Gegners, sondern vielmehr die Technik des Spiels. Man kann keinen Gegner einzeln anvisieren, die Kamera zickt ohne Ende, die Kollisionsabfrage ist nicht gut, die Animationen hölzern…man könnte eine ganze Litanei an Spielspaßbremsern hier aufführen. Es ist schade, weil ein RPG eben von den Kämpfen lebt. Wenn die zur Arbeit verkommen, dann ist das kein gutes Zeichen für das Spiel. Besiegte Gegner hinterlassen genretypisch natürlich Erfahrungspunkte, Ausrüstung und Geld zurück. Letzteres ist wichtig, da ihr bspw. neue Skills und stärkere Schläge idR kaufen müsst. So wechseln sich (relativ monotone) Haupt- und Nebenmissionen ab, es läuft streng linear auf der sehr kleinen Map ab, ein paar Minispiele bringen ein wenig Abwechslung rein, sonderlich gelungen sind aber auch die nicht.

Augen zu…

…und durch…so könnte die Devise lauten. Man merkt dem Spiel jederzeit seine PSP-Vergangenheit an, viel Mühe in den Port ist nicht geflossen. Detailarm, hölzerne Animationen, keine Abwechslung in den Gebieten, eine zickende Kamera, Probleme bei der Performance uvm. Runden das Bild negativ ab. Man bewegt sich nicht gerne durch die Welt, man bleibt nirgends gerne stehen und genießt den Blick, sondern will vielmehr einfach durchlaufen und alles möglichst schnell beenden. Hier hätte es definitiv mehr Budget oder mehr Zeit gebraucht. Das Spiel wirkt 2021 einfach nur…veraltet und ich weigere mich zu glauben, dass die Switch ein solches Spiel nicht flüssig abspielen kann. Das Spiel ist teilweise vertont, aber Obacht: nur mit englischen Texten! man sollte also (gute) Englischkenntnisse haben, sonst hat man von dem Spiel nicht wirklich viel. Die Stimmen sind gut, heben sich im Vergleich zum Rest der Technik auf jeden Fall positiv hervor, während die Musik auch nicht glänzt. Spontan ist mir kein einziges Stück im Gedächtnis geblieben. Reiner Durchschnitt, der im Hintergrund vor sich hin plätschert.

Dass es auch viel zu lesen gibt, sollte in AKIBA’S TRIP: Hellbound & Debriefed klar sein.

  • Plattform: Nintendo Switch (getestet)
  • Publisher: Marvelous Europe
  • Entwickler: Aquire Corp.
  • Genre: Adventure, Kampf, Action, RPG
  • Spieleranzahl: 1
  • Preis zum Start: 29,99 Euro
  • Release: 23. Juli 2021
  • USK-Freigabe: 16

Autor des Testes: Stjepan Prtenjaca

Otakus an den Controller! Wer schon immer einmal wissen wollte, wie es sich anfühlt, durch die Straßen von Akihabara zu laufen (einem Tokioter Stadtteil für „Nerds“) und Leuten die Klamotten vom Leib zu reißen, der sollte einen Blick auf Akiba' Trip: Hellbound & Debriefed werfen. Der eigenwillige Mix aus Brawler und Rollenspiel erschien erstmals im Jahre 2011 für Sonys PSP und findet nun über die Nintendo Switch auch den Weg in den Westen. Wie sich der Mix spielt und ob er auch für Fans von „herkömmlichen“ Rollenspielen lohnenswert ist, erfahrt ihr hier in unserem Test. Das waren Vampire! Richtig gelesen,…

An wen richtet sich das Spiel? Sicherlich an eine ganz spezielle Zielgruppe, die hier im Westen nicht sonderlich groß sein dürfte. Man darf den kommerziellen Erfolg anzweifeln, dafür ist das Spiel handwerklich auch nicht gut gemacht. Die Ironie an der Sache: ich glaube, es kann tatsächlich Spaß machen, ich hatte durchaus Momente in dem Spiel, die mich zum Schmunzeln brachten, weil sie so skurril und „dumm“ waren. Ansonsten überwiegen klar die technischen Defizite, wie auch die Mängel im Gameplay, die „objektiv“ den Spaß einfach trüben. Otakus und solchen Leuten, die diese Szene schon immer einmal mit einem Augenzwinkern spielen wollten, sei ein Blick anempfohlen. Der (große) Rest lässt aber lieber die Finger davon.

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