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Deadly Premonition 2: A Blessing in Disguise

Deadly Premonition 2: A Blessing in Disguise fungiert als Prequel und Sequel zugleich. Zwar übernehmt ihr einen früheren Fall vom Special FBI Agenten Francis York Morgan, dieser spannt aber den Bogen zu den Ereignissen in Deadly Premonition Origins, also dem ersten Teil. Und so viel sei auch gleich in der Einleitung verraten: ihr müsst nicht zwingend Teil 1 gespielt haben, um A Blessing in Disguise spielen zu können. Hilfreich wäre es aber dennoch. Vielmehr scheitert es eher an anderen Dingen, über die wir nun im Test sprechen werden.

Zwei Fälle, 2 Zeitebenen

Das Spiel beginnt damit, dass wir im Jahre 2019 zwei FBI Agenten (Aaliyah Davies und Simon Jones) eine Wohnung infiltrieren sehen. In ihr befindet sich Francis Zack Morgan, den Protagonisten aus dem ersten Teil, der zeitlich im Jahre 2010 spielte. Wir erfahren, dass Francis den Job bei der FBI quittiert hat und ohnehin nur noch ein Schatten seiner selbst zu sein scheint. Dafür spricht auch sein Äußeres mit seinen langen, grauen Haaren und der fahlen Gesichtsfarbe. Als Kenner von Teil 1 fragt man sich natürlich, was geschehen ist und warum Francis so aussieht. Und so nimmt sich das Spiel am Anfang viel Zeit.

In diesem Zimmer findet die Erzählung von Deadly Premonition 2: A Blessing in Disguise in der Gegenwart statt

Markante Punkte in der Wohnung lassen sich ansehen, sodass über sie auch gesprochen werden kann. Letzten Endes geht es darum, mehr zu erfahren und warum die beiden Agenten bei ihm sind, liegt daran, dass eine Leiche aufgetaucht ist, die 14 Jahre lang verschollen war. Dabei handelt es sich jedoch nicht um eine Figur aus dem Greenvale Fall, sondern aus Le Carre, einer Kleinstadt in Louisiana. Ein Fall, der im Jahre 2005 stattfand also vor Greenvale.

Für Aaliyah Davies gibt es da einige Ungereimtheiten, weswegen sie die Geschichte wieder aufrollen will. Und da gibt es keinen besseren Weg, als genau in diesen Fall zu springen, weswegen hier dann das Spiel einen Prequel-Charakter bekommt. Das Spielgeschehen ist in Kapiteln unterteilt. Nach jedem Kapitel, springt ihr zurück in die „Gegenwart“, bis es schließlich zu einem Höhepunkt hinausläuft.

Zu Beginn erfahrt ihr, dass Francis York Morgan in Le Carre eigentlich nur Urlaub machen wollte. Jedoch wurde er auf einen Mord aufmerksam, der sein Interesse weckte. Dabei handelt es sich um die 16-jährige Lise Clarkson, die auf brutale Art ermordet und dann mehr oder weniger öffentlich an einem Flussufer auf einer Art Altar zur Schau gestellt wurde. Diesen Mord aufzuklären und um das Geheimnis der Familie Clarkson geht es vielfach in der Geschichte. Die Familie ist für die Stadt die Lebensader, denn ihr gehört nahezu alles, von daher liegt es auch im Interesse der Familie, dass dieser Mord aufgeklärt wird.

Häufig an eurer Seite: Patricia Woods, die Tochter des Sheriffs

Mehr los als beim letzten Mal?

Das Gameplay von Deadly Premonition 2: A Blessing in Disguise tritt in die Fußstapfen des ersten Teils. So bekommt ihr es mit einer Open World zu tun, in der ihr euch frei bewegen könnt und dazu lassen sich ein paar Gebäude wie die Kirche, das Sheriff Department oder auch ein Restaurant betreten. Vieles weitere ist jedoch nur Optik wie die zahlreichen Wohnhäuser der Bewohner oder auch, dass ihr normale Passanten und weitere Leute in Gebäuden gar nicht ansprechen könnt (also nein, viel mehr lebenig wirkt Le Carre im Vergleich zu Greenvale auch nicht). Sie sind nur optisches Beiwerk.

Um schneller von A nach B zu gelangen, schaltet ihr Schnellreise-Punkte frei und könnt zudem euer Skateboard nutzen (in Teil 1 wart ihr dagegen mit Autos unterwegs). Überall an auffälligen Orten (wie Briefkästen, Mülleimern, in Ecken, an Bäumen usw.) lassen sich Sammelgegenstände aufsammeln. Allerlei Zeugs, das dazu dient, Nebenquest zu erfüllen, als auch euch die Möglichkeit zu geben, Eigenschaften zu verbessern durch ein Upgradesystem. So lässt sich eure Schusswaffen in mehreren Parametern verbessern, ebenso das Skateboard, eure Konstitution und auch euer Geschick in Minispielen. Letztere haben es einige in das Spiel gefunden, in denen es gilt Punkte anzusammeln, um dann Belohnungen zu erhalten. Zum Beispiel könnt ihr an ausgewiesenen Stellen, Steine auf dem Wasser flitschen lassen, bestreitet Skateboard Parcours oder wie wäre es mit einer Runde Bowling? Alles Dinge, die kein Muss sind, man aber nebenbei machen kann als Zeitvertreib.

Eine Karte gibt es natürlich auch, die ausreichend detailliert ist. Leider muss man für sie zunächst ins Menü, anstatt das man sie sofort hervorrufen kann. Im Menü habt ihr zudem einen Überblick über eure Verbrauchsgegenstände (Platz ist auf 30 Items beschränkt, alle weitere finden in eurem Koffer Platz, aus dem ihr euch bedienen könnt), habt einen Einblick in eure Missionen oder und könnt auch sämtliche Tutorial-Texte anschauen. Es gibt eine automatische Speicherfunktion (beim Betreten, Verlassen von Gebäuden und nach bestimmten Ereignissen) und manuell speichern geht nach wie vor per Telefon. Diese lassen sich überall in der Welt finden oder auch in eurem Hotelzimmer.

Im Zimmer geht ihr schlafen (um Zeit tot zu schlagen), geht Duschen (nach einer Zeit fangt ihr an zu stinken, symbolisiert durch Fliegen, die über euch kreisen, was bei den Bewohnern weniger gut ankommt), könnt euch rasieren (Francis kann sich einen Bart wachsen lassen) oder lasst einen eurer Anzüge reinigen (auch die können verschmutzen).

Le Carre ist ähnlich verschlafen wie Greenvale in Teil 1. Dennoch hat auch diese Stadt ein dunkles Geheimnis

Schlaf benötigt ihr ebenso wie Essen, bekommt ihr beides nicht, wirkt sich das negativ auf eure Ausdauer und eure HP aus. Essen bekommt ihr in Restaurants oder auch in Form von Gebrauchsgegenständen, die ihr in Automaten erstehen könnt. Ein weiterer Parameter ist eure Konzentration, diese lässt sich zum Beispiel durch Kaffee auf schnellem Wege wieder auffüllen, sie erholt sich jedoch auch langsam wieder von alleine. Mit Konzentration könnt ihr in der „Anderswelt“ (dazu gleich mehr) eure Waffe, bzw. eure Schüssen aufladen für mehr Schaden oder ihr aktiviert eure „besondere Sicht“. Durch sie werden alle auffindbaren Gegenstände in einem 360 Grad Radius aufgedeckt und dann auf der Minimap angezeigt, ebenso zeigt die Sicht euch weitere Dinge an, die sonst nur schwer oder gar nicht zu sehen sind.

Rätsel in irgendeiner Form existieren nicht, es geht mehr um Kombinieren, wenn York Dinge zusammenfasst und ihr dann die richtige Antwort geben sollt. Es macht aber auch hier nichts aus falsch zu liegen. Dennoch und das ist auch hier ähnlich wie in Teil 1 die größte Stärke, macht es einfach Spaß, die Geschichte zu verfolgen und dass was York zu sagen hat, zuzuhören, da er einen sehr analytischen Geist besitzt, aber ebenso gerne mal seine Leidenschaft für Filme zum Besten gibt. Stark geschrieben sind auch die weiteren Charaktere, denen ihr begegnet bzw. das skurrile an ihnen. Fans von Teil 1 werden sich hier sofort heimisch fühlen. Ein Beispiel wäre David Jawares, dem das Hotel in der Stadt gehört und dabei innerhalb seines Hauses, gleich drei verschiedene Rollen ausführt (Koch, Concierge und Lobbyboy), aber dabei so tut, als wären diese drei unterschiedliche Personen.

Spaceballs von Mel Brooks. Nur eine der zahlreichen Film Referenzen in Deadly Premonition 2

Eine Nebenquestreihe befasst sich auch damit, dass das der Wasserdruck in eurem Zimmer für die Dusche zu gering ist und ihr mit David in seinen verschiedenen Rollen zu unterschiedlichen Tageszeiten sprechen müsst, um diese abzuschließen. Das wirkt auf der einen Seite charmant, zeigt aber auch eine deutliche Schwäche des Questdesigns und zwar, dass es zu viele „besorg mir dieses und jenes“-Quests gibt und damit steigen wir in die Kritik ein.

Patch me if you can

Francis erwähnt selbst einmal, dass ihm manchmal seine Arbeit wie in einem Videospiel vorkommt. Diese Selbstironie ist zwar witzig, aber als Spieler vor dem Bildschirm ist es das weniger. Beispiele gibt es dafür für viele. Für den Priester müsst ihr verschiedene Zutaten für ein Gericht sammeln, manches befindet sich in Läden (Öffnungszeiten beachten), eine andere dagegen ist nur in Automaten auffindbar. Diese stehen jedoch zahlreich im Stadtgebiet und damit ist die „lustige“ Jagd nach der Nadel im Heuhaufen oder wie in diesem Fall nach der Dose Spinat eröffnet, denn nicht jeder Automat bietet sie an. Oder wie wäre minutenlang einen Hund zu verfolgen, der einem zu bestimmten Orten führen soll? Das ist zwar eine Anspielung auf Teil 1, weil genau sowas auch vorkam, Spaß macht diese Sequenz dennoch keine, was auch an der miserablen Technik liegt.

Ein weiteres negatives Beispiel ist, dass ihr an einem Montag ein Gericht essen sollt, was es nur an diesem Tag gibt, ihr aber wahrscheinlich zu dem Zeitpunkt an einem Mittwoch seid, was bedeutet, dass ihr bis Montag Zeit verstreichen lassen müsst. Das geschieht durch Schlafen (Hotelbett, Schlafsack) oder auch indem ihr Zigaretten raucht. Freude macht dieses Überbrücken der Zeit jedoch keine, selbst beim Erledigen von diversen Nebenaufgaben werdet ihr damit kaum mehr als einen Ingame-Tag verbringen.

Die Technik vermiest jedoch nahezu alles und dürfte der Punkt sein, warum Nichtkenner von Teil 1 abgeschreckt werden, Teil 2 überhaupt eine Chance zu geben. Denn für Fans des Erstlings kann ich zumindest noch angeben, dass es sich wegen der Story und den Werdegang von Francis es lohnt, am Ball zu bleiben, egal wie mies das technische Gewand ist. Patches sind angedacht zur Verbesserung und die sind auch bitter nötig.

Innerhalb von Gebäuden und beim Schusswechseln in diesen, ist sie noch annehmbar, selbst wenn auch hier Ruckler auftreten. In der Open World jedoch ist die Bildrate jedoch so schlimm, dass ich mich an N64-Zeiten im 4er Splitscreen-Multiplayer erinnert habe. Schade drum, denn so geht jegliche Dynamik, dass man mit einem Skateboard fahren kann komplett verloren. Besonders ärgerlich sind dann in dem Zusammenhang die Ladezeiten. Beim Betreten eines der Gebäudes noch erträglich, können sie dagegen beim Herausgehen in die Open World bis zu 1 Minute dauern. Grausig, vor allem dann, wenn man „eben schnell“ in einen Laden rein- und wieder rausgehen möchte. Dazu gesellen sich Spielabstürze laut anderen Testberichten, bis auf einen blieb ich jedoch davon verschont.

Wie in Teil 1 auch, betretet ihr an bestimmten Punkten die sogenannte Anderswelt. Neu ist, dass diese auch nachts in der Open World auf den Plan gerufen wird, was ebenso fragwürdig ist, da es keinen Mehrwert bietet, sodass man als Spieler seine Spielzeit eben auf den Tag verlegt. In dieser Welt begegnet ihr eher groteske Feinde. Hatten sie in Teil 1 viel mit Zombies überein, habt ihr es nun mit Scherenmännern und zwei weiteren Widersachern (ja, richtig gelesen, es gibt nur 3 Gegnertypen in der Anderswelt) zu tun. Diese Abschnitte haben einen Schritt vorwärts aber irgendwie auch zwei zurück gemacht.

Vorwärts deshalb, da York sich agiler anfühlt, sodass das Kampfgeschehen aus der Third Person sich dynamischer anfühlt. Ein Rückschritt dagegen ist, dass diese Abschnitte komplett austauschbar vom Design her sind. Optisch bieten sie keine Abwechslung, waren diese in Teil 1 noch an ihre realen Orte gebunden (wie einem Krankenhaus), sehen nun die Gänge und Räumlichkeiten alle gleich aus. Betrachtet man das ganze Spiel, sind diese Abschnitte einfach zu lang und damit langweilig. Da wünscht man sich selbst die Quick Time Events aus Teil 1 zurück, da sie das stupide Action Gameplay zumindest aufgelockert haben, wo wir beim zweiten Rückschritt wären. Es mangelt einfach an Abwechslung.

Kurz zur Grafik selbst. Sie reißt keine Bäume aus und auch auf der Switch wäre sicherlich mehr möglich, aber manche Locations (damit sind Innenräume gemeint) wurden schon mit viel Liebe zum Detail designt. Nichts auszusetzen gibt es an der musikalischen Untermalung und an der englischen Sprachausgabe. Hier verhält es sich ähnlich zu Teil 1.

Ein Beispiel für die Detailverliebtheit in Deadly Premonition 2. Hier seht ihr eine Toilette aus eurem Hotel. Schon skurril oder?

Ebenso kann man als Kritik ansehen, dass ihr Upgrades überhaupt nicht braucht. Ich habe mich auf das Beenden der Story konzentriert und hatte nie das Gefühl, ich bräuchte eine verbesserte Waffe oder mehr Fokusenergie. Von daher sind die Nebenaufgaben eher als Sammelquest anzusehen, dass es darum geht sie zu komplettieren mit dem netten Nebeneffekt, dass es brauchbare Belohnungen gibt, nötig sind die aber nicht.

  • Plattform: Nintendo Switch
  • Publisher: Rising Star Games
  • Entwickler: Toybox
  • Genre: Thriller, Mysterie, Action-Adventure
  • Spieleranzahl: 1
  • USK: 18
  • Release: 11. Juli 2020
Deadly Premonition 2: A Blessing in Disguise fungiert als Prequel und Sequel zugleich. Zwar übernehmt ihr einen früheren Fall vom Special FBI Agenten Francis York Morgan, dieser spannt aber den Bogen zu den Ereignissen in Deadly Premonition Origins, also dem ersten Teil. Und so viel sei auch gleich in der Einleitung verraten: ihr müsst nicht zwingend Teil 1 gespielt haben, um A Blessing in Disguise spielen zu können. Hilfreich wäre es aber dennoch. Vielmehr scheitert es eher an anderen Dingen, über die wir nun im Test sprechen werden. Zwei Fälle, 2 Zeitebenen Das Spiel beginnt damit, dass wir im Jahre…

Ich glaube kaum, dass ich ohne den ersten Teil gespielt zu haben, zu Deadly Premonition 2: A Blessing in Disguise viel Positives sagen würde. Im jetzigen Zustand (Version 1.02, und damit ist die Technik gemeint), kann ich das Spiel außer Fans des ersten Teils niemanden empfehlen. Diese werden sich jedoch an der Fortführung der Story erfreuen, auch wenn mir der Plot im ersten Teil einen Tick besser gefiel. Sofern die angedachten Patches merklich an der Performance schrauben, werde ich das Fazit anpassen. Jedenfalls würde dem Spielfluss eine Bildrate von konstanten 30 Frames und verkürzten Ladezeit sehr zu Gute kommen.

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