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Niffelheim

Wer zu Lebzeiten gut auf Erden, wird irgendwann ein Engel werden. Zumindest, wenn es nach dem Christlichen Glauben geht. Bei den Wikingern dagegen äußerte sich das Leben nach dem Tode in der Welt von Vahalla, erst recht, wenn sie in ihrem Leben erfolgreiche Krieger waren. In Niffelheim auf der Nintendo Switch habt ihr die Auswahl aus vier verschiedenen Wikingern, die gerade das Zeitliche gesegnet haben sollen. Aber anstatt in Vahalla zu landen, sind sie mit Niffelheim in einer Art Vorstufe oder Fegefeuer (nennt es wie ihr es wollt) gelandet und in diesen rauen Landen gilt es, den Weg nach Vahalla zu ebnen. Das geschieht durch sammeln von zahlreichen Materialien, craften von unzähligen Gegenständen und dem Besiegen von nie endlos erscheinenden Gegnern. Kling logisch, oder? Das zwar weniger aber damit willkommen zum Test.

Sammeln, um zu erleben

Die 4 erwähnten Charaktere unterscheiden sich in ihren Basiswerten was die Konstitution anbelangt. Niffelheim lässt sich als Survival-Crafting Game bezeichnen. Denn zum einen müsst ihr euch ständig um die Nahrungsbeschaffung kümmern, als auch durch das Auffinden von Materialien dafür sorgen, dass ihr vorankommt. Und damit ist gemeint, dass ihr euch bessere Ausrüstung schmiedet, eure Basis ausbaut und damit verteidigungssicherer gestaltet, als auch dafür sorgt, nach und nach magische Artefakte einzusammeln, die zur Beendigung des Spieles nötig sind. Niffelheim spielt in einer handgezeichneten 2D-Welt und ihr bewegt euch von links nach rechts über die Bildschirme, um andere Orte zu erreichen. Immer wieder trefft dabei auf Eingänge zu Dungeons, anderen Anlaufpunkten und zur eurer Basis, die sich zentral in der 2D-Ansicht befindet.

Viel Glück dabei, so weit in Niffelheim voranzuschreiten wie auf diesem Screenshot mit einer pompös entwickelten Basis und Gegnern wie diesem Drachen

Um zu überleben, sind Sammeln und Craften essentiell. Ihr seht anhand einer Leiste, wie groß eurer Hunger ist. Fällt der Wert auf 0, fangt ihr an HP zu verlieren. Also müsst ihr euch ihr alle naselang irgendwelche Snacks zu Gemüte fahren. Einzelne Beeren und andere Kleinkram machen jedoch so gut wie kaum satt, also wäre es besser, ein paar Gerichte auf eurem Herd zu zaubern. Innerhalb eurer Basis könnt ihr verschiedene Manufakturen aufsuchen, um euch dort Essen zuzubereiten, Waffen und Rüstungen zu schmieden, Gegenstände herzustellen oder auch Tränke zu brauen. Gemäß dem Fall ihr besitzt die nötigen Ingredienzen. In der Basis führt außerdem eine Türe in die Miene. Dort lassen sich Mineralien abtragen, die ihr natürlich auch für die Herstellung diverser Dinge benötigt.

Auf dem ersten Blick wirkt Niffelheim durchaus motivierend und interessant. Der Grafikstil mit der von Hand gezeichneten Grafik wirkt sehr stimmungsvoll und der Soundtrack trägt zur Atmosphäre bei ohne sich alle zu sehr in den Vordergrund zu stellen. Auch macht es Spaß, alles einzusammeln, was euch in die Finger kommt und davon gibt es in der Welt reichlich, sowohl was Flora als auch Fauna anbelangt. Leider ist es nicht mal ebenso möglich, das Gesammelte zu verwenden. Selbst Fleischbrocken lassen sich nicht einfach braten, um damit ein Gericht zu zaubern. Denn für alles braucht ihr zum einen das Knowhow als auch die passende Fähigkeitsstufe. Denn eure Schmiede und alle weiteren Plätze innerhalb der Basis lassen sich um mehrere Stufen verbessern. Je höher die Stufe, umso bessere Gegenstände lassen sich herstellen.

Inr seht ihr einen Eingang zu einem Dungeon in Niffelheim. Das Artdesign weiß zu überzeugen

Soweit ist das auch nichts Außergewöhnliches. Jedoch wird euch wahrscheinlich nach 1,2 Stunden Spielzeit auffallen, dass Niffelheim:

Ein Spiel ist, was sich selbst im Weg steht

Obwohl euch das Spiel innerhalb des Ingamemenüs ein paar Tutorials an die Hand gibt, die euch zum Beispiel erklären, dass ihr Nahrung benötigt, um den Hunger zu bekämpfen oder auch wozu die einzelnen Produktionsstätten wie die Schmiede oder das Sägewerk gut sind, fühlt ihr euch trotzdem fast so, als müsstet ihr von Null anfangen. Und zwar so, dass ihr keinen Plan habt, was sinnvoll wäre als erstes zu sammeln, was zu tun ist und wohin ihr sollt. Das Spiel überlässt euch komplett damit und kann euch (mich hat es) überfordern. Die Tatsache wäre weniger ein Problem, wenn viele kleine Zahnrädchen ineinandergreifen würden oder das vieles selbsterklärend ist.

Immer wieder stoßt ihr dabei auf Hürden, die euch darin hindern voranzuschreiten, einen echten Fortschritt zu erzielen. Da wäre als erstes der zu geringe Itemplatz erwähnt. Da ihr zig Dinge einsammeln könnt (und vor allem ohne das Wissen zu haben, wozu 90% der Sachen gut sind), füllt sich eurer Inventar schnell auf bis kein Platz mehr vorhanden ist. Items lassen sich direkt verwenden, ablegen oder in einer Kiste verstauen, die ihr in eurer Basis vorfindet. Wahrscheinlich entscheidet ihr euch für letztere Funktion, denn man weiß ja nie, wofür etwas noch gut sein könnte. Ihr latsch also in euren Unterschlupf zurück und schaut euch die Ladezeit an, verstaut die Items und geht wieder raus für die nächste Ladezeit, die alle nicht kurz ausfallen. Und dann wird es nicht lange dauern und euer Inventar wird wieder zum Bersten gefüllt sein.

Das Managen eurer Ressourcen und sich darum kümmern, nicht zu verhungern verschlingt bereits viel Zeit. Ebenso der Aufwand, sich wieder neue Werkzeuge wie Äxte oder die Spitzhacke herzustellen. Genauso wie Waffen nutzen sich diese Gegenstände ab und das schneller euch als lieb ist. Und dann kommt es vor, dass euch für die Herstellung eines Items eine bestimmte Zutat fehlt, ihr aber nicht wisst, wo genau ihr sie eigentlich bekommt und wieder verbringt ihr dann viel Zeit damit, das herauszufinden. Da sich eurer Charakter nicht gerade mit einer hohen Laufgeschwindigkeit auszeichnet, dauert es zudem von Punkt A nach B zu gelangen. Es gibt zwar eine Schnellreisefunktion, diese in Anspruch zu nehmen kostet jedoch Gold.

In den Katakomben begegnet ihr verschiedenen Kreaturen wie anfangs Skeletten und später Exemplaren wie diesem Steinwesen

Und davon werdet ihr vermutlich auch nicht viel von haben, denn das Zeitliche zu segnen, geschieht ziemlich schnell. Dafür reichen schon die ersten Gegner wie Wildschweine oder Wölfe aus, denen ihr bereits im ersten Gebiet begegnen könnt. Oder ihr rennt in einem Dungeon gegen eine Gruppe von Skeletten und nach wenigen Treffern seid ihr bereits besiegt und zuvor vor allem chancenlos.

Das Kampfsystem ist ziemlich stumpf. Schlagknopf gedrückt halten und eurer Krieger wird durchgehend immer wieder zuschlagen, vollkommen automatisch. Taktisches Kämpfen ist so gut wie nicht möglich, trotz Einsatz eines Schildes, dadurch, dass ihr eher indirekt als direkt kämpft. Eure Burg/Basis kann übrigens auch attackiert werden. Das Spiel gibt zwar an, wie viele Minuten es dauert, bis Skelette auf euren Hort zumarschieren, aber als Spieler wird man davon ziemlich überrascht, weil es keine Vorankündigung gibt wie „an Tag 8 wirst du angegriffen“. Da es wiederum gut möglich ist, dass ihr den Angriff kaum verteidigt bekommt, bzw. mehrmals dabei sterben werdet, wird das Resultat sein, dass eure Burg zerstört wurde und Dinge wie Mauern oder Gebäude wie einen Hühnerstall nun brachliegen. Für den Wiederaufbau braucht es natürlich wieder Materialien.

Ihr seid einfach zu schwach, um euch erwehren zu können und mit Heilitems lässt sich dieser Umstand auch nicht kompensieren, da diese ja auch erst hergestellt werden oder sich im Inventar befinden müssen (wie Heilkräuter).

Ein Artwork aus der Stadt, in der ihr in Niffelheim einkaufen könnt

Durch Sterben verliert man Gold als auch Statuswerts wie HP. Vor allem um das verlorene Geld ist es ärgerlich, denn im Shop in der Stadt gibt es sowohl wertvolle Ausrüstungsgegenstände als auch Materialien zu kaufen, die aber jedoch teuer sind. Man hat also als Spieler das Gefühl, klein gehalten zu werden, was massiv nervt. Steht ihr dazu auch vor den Ruinen eurer Burg, habt ihr das Gefühl, wieder komplett am Anfang zu stehen und keinen Fortschritt erzielt zu haben.

Bevor wir zum Fazit kommen ein paar Worte zur Steuerung. Man merkt, dass Niffelheim von der Bedienung her vom PC kommt, was die Menüführung und Spielbarkeit angeht, sodass man sich anfangs etwas eingewöhnen muss. Da die Steuerung aber an sich nicht kompliziert ist, handelt es sich nicht zwar nicht um eine intuitive Steuerung, aber eine, mit der man sich arrangieren kann.

  • Plattform: Nintendo Switch
  • Publisher: Ellada Games
  • Entwickler: Ellada Games
  • Genre: Action-Adventure, Simulation
  • Spieleranzahl: 1
  • Release: 20. September 2019
  • USK-Freigabe: 6
Wer zu Lebzeiten gut auf Erden, wird irgendwann ein Engel werden. Zumindest, wenn es nach dem Christlichen Glauben geht. Bei den Wikingern dagegen äußerte sich das Leben nach dem Tode in der Welt von Vahalla, erst recht, wenn sie in ihrem Leben erfolgreiche Krieger waren. In Niffelheim auf der Nintendo Switch habt ihr die Auswahl aus vier verschiedenen Wikingern, die gerade das Zeitliche gesegnet haben sollen. Aber anstatt in Vahalla zu landen, sind sie mit Niffelheim in einer Art Vorstufe oder Fegefeuer (nennt es wie ihr es wollt) gelandet und in diesen rauen Landen gilt es, den Weg nach Vahalla…

Niffelheim würde so sehr besser funktionieren, wenn euch das Spiel zumindest am Anfang sagen würde, welche Schritte ihr als erstes angehen solltet, um in die Gänge zu kommen. So hatte ich nach gut 2 Stunden Spielzeit und nachdem ich mehrfach gestorben war und auch meine Basis zerstört wurde, absolut keine Lust mehr weiterzuspielen. Für mich fühlt es sich alles zu kleinlich und damit auch mühsam an, dass nach dem anfänglichen Interesse am Spielgeschehen relativ schnell der Frust aufkam, weil ich nie das Gefühl hatte, dass man das was man tut, das richtige ist, dass mein Charakter sich stärker anfühlt. Dieser schwerwiegende Punkt ist das, was ich dem Spiel am meisten ankreide. Ich will nicht ausschließen, dass es euch besser ergeht, erst Recht, wenn ihr ähnliche Spiele bereits gespielt habt, aber anhand meiner Spielerfahrung kann ich keine Empfehlung aussprechen.

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